Am Anfang denke ich noch: Den kenn ich. Trotz des neuen Barts, mit dem er ein bisschen aussieht wie Modedesigner Harald Glööckler. Doch ein paar Tage später ist klar: Er ist ein anderer geworden.
Im November 2007 saß ich beim Wendler im Auto. Es war ein großer, dunkler Mercedes. Der Fahrer war auch sein Bodyguard, ein Mann mit Glatze, der Chris hieß. Es ging von Höhn im Westerwald nach Duisburg, wo der Wendler im Delta, der größten Discothek im Ruhrgebiet, auftreten wollte.
Michael Wendler war gut drauf, trank ein paar Energy-Drinks, redete viel, benutzte Wörter wie sensationell, gewaltig, unglaublich. Er spielte mir auch sein neues Lied vor. „Dennoch liebst Du mich“ gab es in einer Slow-Fox-Version und einer Schmuse-Version. Dann fragte er mich: „Welche Version gefällt dir besser?“ Er hatte gar nicht mitbekommen, dass ich nicht wegen der Musik mit ihm unterwegs war.
„Sie liebt den DJ“ 100.000 Mal verkauft
Damals habe ich für die „Welt am Sonntag“ in Nordrhein-Westfalen geschrieben, und der Redaktionsleiter wollte von mir ein Porträt über Michael Wendler. Der Schlagersänger, der als Michael Skowronek geboren wurde, war damals im Ruhrgebiet sehr populär. Seine Single „Sie liebt den DJ“ hatte sich fast 100.000 Mal verkauft. Er füllte die Arena Oberhausen mit 12.000 Menschen. Seine weiblichen Fans himmelten ihn an. Der Wendler nannte sich König des Popschlagers, hatte sich diesen Begriff sogar patentieren lassen. Jetzt hat der Wendler das Dschungelcamp von RTL verlassen, nach nur vier Tagen. Er wurde nicht herausgewählt, er ist von selbst gegangen.
Im Auto nach Duisburg sagte er Sätze wie: „Ich höre zu 90 Prozent Wendler.“ Oder: „Geilheit ist Michael Wendler.“ Oder: „Der Wendler wird eine Hysterie in Deutschland auslösen.“ Ein Schlagersänger als Nachfolger von Take That und den Beatles.
So seltsam diese Sätze waren, sie passten zu ihm. Der Mann wirkte vielleicht oberflächlich und ein bisschen arrogant. Aber eben auch glaubwürdig, selbstbewusst. Er war er selbst. Auch auf der Bühne, wenn er seine weiblichen Fans fragte: „Soll der Wendler sich komplett nackig machen?“ Im Dschungelcamp ist davon nicht mehr viel zu spüren.
Er isst das fermentierte Ei - eine der härtesten Prüfungen
Bei der ersten Dschungelprüfung isst der Wendler ein fermentiertes Ei – eine der härtesten Prüfungen, heißt es. Doch in den nächsten Tagen macht er schlapp. Ist manchmal kaum präsent. Steht in seiner engen Badehose in der Gegend rum. Andere stehlen ihm die Show. Glaubwürdig ist er nicht. Schon gar nicht, als er sich von den anderen Camp-Bewohnern verabschiedet: „Ich habe euch echt alle total lieb gewonnen und es waren wunderschöne Tage.“ Es klingt nur hohl.
Es gab in den vergangenen Jahren viele Geschichten um den Wendler, vor allem finanzielle Dinge, so will zum Beispiel sein ehemaliger Manager noch Geld von ihm. Diese Probleme klingen jetzt auch im Dschungelcamp an. Der Wendler sagt: Alles, was in den Boulevardzeitungen über mich steht, ist gelogen. Der Wendler sitzt im Dschungel und weint. Oder tut so. Er weint, ohne eine Träne im Auge zu haben, lästert RTL-Moderator Daniel Hartwich.
Wie auch immer: Der Wendler tut etwas, was er damals nicht getan hat. Er jammert. Der Wendler, mit dem ich im Auto nach Duisburg fuhr, war ein Aufsteiger. Ein Typ, der aus dem Nichts kam. Und weiter nach oben wollte. Jetzt ist er nur noch ein Mann, der fällt.


