Fernsehen

Christian Ulmen - „Wurscht, ob man die Satire erkennt“

| Lesedauer: 4 Minuten

Foto: Ulmen.TV/TELE 5

Seine neue Sendung „Who wants to fuck my girlfriend“ löste im Vorfeld viele Kontroversen aus. Dabei sei sie ehrlicher als „Der Bachelor“.

Er war der anarchisch-verrückte Moderator bei „Unter Ulmen“ (MTV), der neurotische „Dr. Psycho“ (ProSieben) und der verpeilte „Herr Lehmann“. Inzwischen hat sich Christian Ulmen, 37, auch als TV-Produzent profiliert. Seine Kunstfigur Uwe Wöllner, einer der Protagonisten der Reality-Serie „Mein neuer Freund“ (ProSieben), führt inzwischen ein Eigenleben als Autor und Moderator.

Ab 14. Februar 2013 moderiert er für Tele 5 immer donnerstags eine als Game-Show getarnte Satire (23.10 Uhr). Antje Hildebrandt sprach mit Ulmen über Sexismus-Vorwürfe, das Dilemma des deutschen Humors und die Frage, was Männer wirklich wollen.

Berliner Morgenpost: Herr Ulmen, ihre neue Show heißt „Who wants to fuck my girlfriend“ und wurde 2009 schon in der Biografie von Uwe Wöllner genannt. Darin träumt die Kunstfigur von einer eigenen TV-Sendung. Ist das Format das Produkt einer Schnapsidee?

Christian Ulmen: Nein, die Show ist ein neues Kapitel der langjährigen Uwe-Wöllner-Geschichte. Uwe gibt es wirklich. Er ist ein Medien-Kasper-Hauser. Er ist statt in Dunkelheit mit dem Fernsehen aufgewachsen. Die Versuchsanordnung war dann: Was denkt sich jemand für eine Fernseh-Show aus, der anstelle von zwischenmenschlicher Sozialisation mit Sendungen wie dem „Girls Camp“, „Dismissed“ und dem „Bachelor“ aufgewachsen ist?

Wie viel Christian Ulmen steckt in Uwe?

Null! Hoffe ich jedenfalls. Uwe habe ich mir ausgedacht. Wie bei allen Figuren, die ein Schauspieler spielt, erfülle ich eine Rolle, mehr nicht. Sonst hätte ich mir ja keine Maske aufsetzen müssen.

Vielleicht haben Sie die Maske gerade deshalb aufgesetzt, um zu vertuschen, dass es eine gewisse Geistesverwandtschaft gibt.

Sie meinen wohl eher: eine gewisse Geistesverwirrtheit. Aber auch ich habe mich schon gefragt, ob es nicht in Wirklichkeit eher so ist, dass ich eigentlich Uwe Wöllner bin und den Rest der Zeit nur so tue, als sei ich Christian Ulmen.

Was ist denn erforderlich, damit aus Christian Ulmen Uwe Wöllner wird?

Erschreckenderweise nicht viel. Rein optisch ist das ein Akt von zwei Minuten dreißig. In dieser Zeit setze ich mir die Mütze auf, die Zähne rein und die Brille auf. Die ist immer ein bisschen dreckig. Das heißt, die Sicht ist vernebelt. Und das passt zu Uwe: Wer nicht klar guckt, kann nicht klar denken.

„Der Bachelor“ erreicht traumhafte Quoten, obwohl sich Frauen in der Sendung prostituieren. Sie dagegen parodieren solche Formate und werden dafür an den Pranger gestellt. Wie konnte das passieren?

Das ist der Prozess der Gewöhnung. Der Bachelor kommt in einem Gewand mit dem Charme einer luxuriösen Shopping Mall daher. Man muss sich schon fast anstrengen, um zu erkennen, dass da eigentlich alles scheiße ist. Aber wenn ein Format „Who wants to fuck my girlfriend?“ heißt, dann fällt die Scheiße sofort auf.

Echte Kandidaten, eine Kunstfigur als Moderator: Wie soll man erkennen, wo Realität aufhört und Parodie anfängt?

Mir ist es völlig wurscht, ob das Publikum das als Satire erkennt oder nicht. Ich finde, das Ding funktioniert auch dann, wenn Zuschauer es ernst nehmen.

Wer muss sich da mehr schämen: die Frauen für die Frauen? Oder die Männer für die Männer?

Ganz klar: Die Männer für die Männer. Wenn eine Frau online im Chatroullette freundlich in die Kamera winkt, zeigen ihr achtzig Prozent der Männer ihren Penis. Männliche Sexualität erscheint dann als ziemlich stupide.

Neu ist diese Erkenntnis nicht.

Ich weiß ja auch, dass es den Straßenstrich gibt. Aber mit eigenen Augen zu sehen, wie auf der Straße um den Preis gefeilscht das hat eine andere Kraft.

Dann ist die Show in Wirklichkeit ein subtiles Plädoyer für den Feminismus?

Es ist nicht unmöglich, das so zu deuten. Aber ich will nicht, dass das so eine moralinsaure Nummer wird. Das ist, wie gesagt, in allererster Linie eine Uwe-Wöllner-Idee. Und die ist sehr, sehr lustig.

Woher rührt Ihre Faszination an der Fremdscham?

Keine Ahnung. Ich muss mich immer ein bisschen schämen und ekeln, wenn ich lachen möchte. Ich mag‘s, wenn es wehtut.

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