Umfrage

Fahrradfreundlichkeit - Münster beliebter als die Hauptstadt

Radler haben die fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands gewählt: Münster siegt mit Vorsprung, Berlin landet abgeschlagen auf Platz 24.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Münster eilt der Ruf voraus, eine besonders fahrradfreundliche Stadt zu sein. Offensichtlich zu Recht. Im bundesweiten Vergleich der Fahrradinfrastruktur belegte die Universitätsstadt in Nordrhein-Westfalen nun bereits zum fünften Mal den Spitzenplatz in der Kategorie der Großstädte mit mehr als 200.000 Einwohnern. Seit 1988 werden in unregelmäßigen Abständen Fahrradfahrer über ihre Zufriedenheit befragt.

Am aktuellen Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hatten sich rund 80.000 Radfahrer aus 322 Städten beteiligt. Sie bewerteten in einem Fragebogen mit 27 Fragen in fünf Kategorien unter anderem Radwege, Abstellplätze und Ampelschaltungen, ob Radwege regelmäßig gereinigt und im Winter geräumt werden, und ob Radwege so breit sind, dass schnellere Radfahrer bequem die langsameren überholen können.

Bewertet wurde auch, ob das Radfahren in der jeweiligen Stadt Spaß machte oder in Stress ausarte. Die Teilnehmer sollten auch angeben, ob sie sich als Radfahrer von anderen Verkehrsteilnehmern akzeptiert fühlten. Auch das Angebot von Leihfahrrädern und die Häufigkeit von Fahrraddiebstählen wurde abgefragt.

Die Situation in Berlin

„Wenn wird die Rahmenbedingungen so verbessern können, dass ein großer Teil vor allem der kurzen Wege künftig mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, dann haben wir einiges für die Menschen in unserem Land erreicht“, sagte Mücke. „Mehr Radverkehr bedeutet bedeutet weniger Lärm, weniger Schadstoffe in der Luft und weniger Flächenverbrauch. Und gesund ist es noch dazu.“

Insgesamt wurden die Städte nach Angaben des ADFC zwar schlechter bewertet als bei der letzten Befragung vor sieben Jahren. Allerdings haben viele Städte auch deutlich aufgeholt. Das Spitzenfeld jetzt enger beieinander. So schrumpfte auch der Abstand der Spitzenreiters Münster zu den nachfolgenden Plätzen zwei und drei, die von Freiburg im Breisgau und Karlsruhe belegt wurden.

Kiel schaffte es auf Rang vier, gefolgt von Oberhausen, Hannover, Bremen und Rostock. München liegt auf Platz 11 und Hamburg weit abgeschlagen auf Platz 34. Berlin landete bei der Umfrage nur auf Platz 24. Immerhin gehört die Hauptstadt zu den acht „Aufholern“, die eine Verbesserung seit der letzten Gesamtbewertung im Jahr 2005 nachweisen konnten.

Schlechte Infrastruktur ist Schuld

Philipp Poll, Landesgeschäftsführer des ADFC, verbindet die fehlende Infrastruktur für Fahrradfahrer in Berlin mit einem Personal- und Finanzierungsmangel: „Seit der Wende wird immer mehr fachkundiges Personal eingesparrt. Wenn die Spezialisten in die Rente gehen, werden diese Stellen entweder fremd oder gar nicht besetzt. Auch finanziell wird Radverkehrspolitik auf Grund der Haushaltssperre nur wenig unterstützt, “ sagte er der „Berliner Morgenpost“.

Zur weiteren Verbesserung der Verkehrssituation in Berlin hat ADFC ein Katalog mit Maßnahmen zusammengestellt. Dort fordert der Fahrrad-Club 5 Euro pro Einwohner als Finanzzuschuss, heute liegt dieser bei 1,50 bis 2 Euro. „Das ist zu wenig. Wenn wir auf den Verkehrswandel nicht rechtzeitig reagieren, bleiben viele Fahrradwege in einem nicht benutzbaren Zustand,“ fügte er hinzu. Wie die Zukunft für die Fahrradfahrer in Berlin aussieht, ist noch nicht abzusehen. „Bis heute ist der Entwurf zur Radverkehrsstrategie nicht unterzeichnet und wir kriegen keine Auskunft, wie es Radverkehrspolitik weiter geht“, so der Fazit des Landesgeschäftsführers.

Kleine Städte

In der Kategorie der kleineren Städte zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern siegte Erlangen vor Oldenburg (in Oldenburg), Hamm, Potsdam, Cottbus, Fürth, Moers und Ulm. Bei den Städten mit weniger als 100.000 Einwohnern liegt Bocholt vor Rees, Rhede, Filderstadt, Dülmen, Lörrach, Bünde und Offenburg. Der ADFC-Bundesvorsitzende Ulrich Syberg sagte. „Wir nehmen an, dass sich in den letzten Jahren ein stärkeres Bewusstsein für die Probleme von Radfahrern gebildet hat.“

Das Fahrrad stehe zunehmend im Fokus der Öffentlichkeit: „Radfahrer entwickeln ein neues Selbstbewusstsein und fordern ihre Rechte ein.“ Damit würden auch die Ansprüche an die Städte steigen. Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kümmert sich verstärkt um die Radfahrer. Ende des vergangenen Jahres stellte er einen Radwegeplan vor. Ziel ist es, den Anteil des Radverkehrs innerhalb von acht Jahren von zehn auf 15 Prozent zu steigern. In diesem Jahr investiert der Bund mehr als 70 Millionen Euro in den Bau von Radwegen.