Religion

Muslimische Gangs wollen in London Scharia durchsetzen

| Lesedauer: 5 Minuten

Foto: Photoshot / picture alliance / Photoshot

Islamische Gangs inszenieren sich als Sittenpolizei und wollen die Straßen von Alkohol und leichter Kleidung befreien.

In den Zentren britischer Städte läuft an Wochenenden ein unappetitliches Stück über die Bühne. Jugendliche torkeln über den Asphalt, die Hand um die Bierflasche gekrallt oder um die Schulter eines Freundes. Verstreut am Boden liegen die schon kampfbetrunkenen „Gefallenen“. Polizisten tauchen auf, sammeln auf, was sich einfangen lässt, und führen die Exemplare des Elends zum nächsten Taxi oder in eine wärmende Ausnüchterungszelle. Das Phänomen regt immer wieder auf, wird aber stets als unbehandelbares Übel zu den Akten gelegt.

Doch es gibt Jugendliche, die Anstoß nehmen: eine Gruppe mit dem Namen Muslimische Patrouille. Die greift zur Selbstjustiz, formiert sich als Bürgerwehr, versteckt unter Kapuzen und durchstreift Londoner Stadtteile wie Waltham Forest, Whitechapel oder Tower Hamlets, um die Menschen, „die Allah beleidigen“ durch Alkohol und leichte Kleidung, aus der Umgebung von Moscheen zu vertreiben.

Vermummte Jugendliche sorgen für Sittenreinheit

Zwei Videos sind aufgetaucht, die das Web-Magazin „The Commentator“ aufgegriffen hat. Der „Commentator“ versteht sich als Anwalt gesitteter Vernunft im Zusammenleben unter den gemischten Ethnien und religiösen Gruppen der Insel; entsprechend haben die auf seiner Website gezeigten Drei-Minuten-Clips für beträchtliches Aufsehen gesorgt. Denn die vermummten Jugendlichen, die sich da in der Pose von Sittenreinheit vor der Videokamera spreizen, verfolgen nichts anderes als das Ziel, die Scharia durchzusetzen und ihre Wohngebiete für „rein“ von allen „Kafirn“, den Ungläubigen, zu erklären.

Untermalt mit den rhythmisch skandierten Versen des Korans, hört man in dem mit einem Mobiltelefon aufgenommenen ersten Video, wie mehrere Stimmen die Vorbeigehenden anherrschen. „Dies ist eine Muslimgegend, verschwindet aus der Nähe der Moschee.“ Die Patrouille ist vom rechten Denken beseelt: „Alkohol ist verboten, hier wird muslimisch kontrolliert, Erbrechen wird nicht geduldet.“ In einer Szene wird einem entgeisterten Passanten eine Bierpackung aus der Hand gerissen und zu Boden geworfen. „Alkohol ist ein verbotenes Böses“, tönt es aus dem Off.

Eine Frau im Minirock wird mit Beschimpfungen, sie dürfe sich in der Nähe einer Moschee nicht so kleiden, zum Verschwinden aufgefordert. Die Frau wehrt sich: „Ich bin entsetzt, dies ist doch Großbritannien, hier haben Frauen Rechte“, worauf jemand zurückblafft: „Ist uns vollkommen egal, ob du entsetzt bist. Dies ist kein so Großes Britannien. Wir respektieren niemanden, der Gott nicht gehorcht.“

Zwischen Musik und skandiertem Lallen dann programmatische Texte wie dieser: „Von Frauen, die wie komplett nackte Tiere durch die Straßen streifen, zu Trinkern, die mit Bierflaschen herumlaufen, oder solchen, die alkoholisiert unters Auto kommen und getötet werden – wir versuchen unser Bestes, das alles aufzuhalten und zu verbieten.“ Wer wollte da widersprechen? Die öffentlichen Alkoholexzesse an den Sonnabenden sähen viele Briten gerne unterbunden, wenn auch nicht gerade mithilfe der Scharia-Zensur.

Reste vom „verrückten muslimischen Rand“

Es passt, wenn in dem zweiten Video eine H&M-Reklame für Push-up-Büstenhalter von einer Plakatwand gerissen und ostentativ auf dem Bürgersteig verbrannt wird. Der begleitende Slogan: „Muslime haben es auf sich genommen, das Gute einzufordern, das Böse zu verbieten und die nackten Menschen zu bedecken.“ Eine Stimme ergänzt: „Das sind Bilder von widerlicher öffentlicher Pornografie.“

Raheem Kassan, der den 2010 gegründeten „Commentator“ herausgibt, nennt diese Muslimpatrouillen „Reste vom verrückten Rand“, der in den seriösen islamischen Gemeinden Großbritanniens nicht integrierbar sei. Auch Mohammed Shafiq, der Vorsitzende der Ramadan-Stiftung, die für friedliche Koexistenz unter den britischen Gemeinschaften eintritt, verurteilt die selbst ernannten Tugendwächter: „Wir leben im Vereinigten Königreich, wo Gesetze gelten, nicht der Mob. Da liegt ein beunruhigendes Phänomen vor, gewiss, aber nur ein vereinzeltes.“

Das sehen Anwohner, die eingeschüchtert werden, anders. Sie weisen auf Lutfur Rahman hin, den Bürgermeister von Tower Hamlets, einer Gegend am unteren sozialen Rand der Metropole mit einem großen Anteil muslimischer Einwanderer. „Lutfur hat mehr als nur islamistische Sympathien“, urteilt Raheem Kassam. Eine solche Figur gibt vielen muslimischen Jugendlichen Flankenschutz, die, ohne Arbeit, nach Möglichkeiten suchen, sich über moralische Selbststilisierung ein Profil zuzulegen.

Die Polizei möchte lieber nicht allzu weit in solche Milieus vordringen. Scotland Yard hat genug mit gewöhnlichen Gewalttätigkeiten zu tun, ein ganzes Dezernat kümmert sich allein um die Gettos, in denen sich diese Taten häufen. Auch hat es auf der Insel immer wieder No-go-Areas gegeben, Gegenden, in denen die Polizei sich nur ungern sehen lässt, in der Hoffnung, dass die örtlichen Kräfte ihre jeweilige Gemeinde schon im Griff haben. Doch um die Muslim-Patrouille will Londons Metropolitan Police sich jetzt vermehrt kümmern, wie ein Sprecher bekannt gab.

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