Videoauswertung

Bombenfund in Bonn - Polizei sucht zweiten Verdächtigen

Nach dem Fund einer Bombe am Bonner Hauptbahnhof fahndet die Polizei nach einem zweiten Tatverdächtigen. Er ist auf einem Video zu sehen.

Foto: Sascha Schuermann / dapd

Nach dem Fund eines Sprengsatzes am Bonner Hauptbahnhof warnt das Bundeskriminalamt vor voreiligen Schlüssen. BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte in der ZDF-Sendung Aktenzeichen „XY... ungelöst“, man stehe erst am Anfang der Ermittlungen.

„Auch die allgemeine Terrorgefahrensituation hat sich nicht verändert“, sagte Ziercke am Mittwochabend. Er fügte hinzu: „Ruhe bewahren und Aufmerksamkeit ist angesagt.“

Das Bundesinnenministerium geht in einer internen Analyse vor einem besonderen Anschlagsrisiko für Weihnachtsmärkte aus. Das berichtet die Zeitung „Bild“ unter Berufung auf eine „Gefährdungseinschätzung“ des Ministeriums. Allerdings werden Weihnachtsmärkte alljährlich zu den so genannten weichen, schwer zu schützenden Zielen gezählt.

Der in Bonn entdeckte Sprengsatz war nach Einschätzung der Ermittler hochgefährlich. Die Polizei weitete die Fahndung auf einen zweiten Tatverdächtigen aus.

Keine Hinweise auf Terrorakt

Die Bundesanwaltschaft zog die Ermittlungen bisher noch nicht an sich. Sie sieht noch keine ausreichenden Anhaltspunkte für einen terroristischen Hintergrund.

In der Sporttasche befand sich ein mit Ammoniumnitrat gefülltes Metallrohr, um das vier Butangaskartuschen gebunden waren. Ob die Bombe tatsächlich funktionsfähig gewesen sei, wurde noch nicht bekannt. Es sei eine Zündvorrichtung mit einem batteriebetriebenen Wecker gefunden worden, aber kein Zünder.

Laut Einsatzleiter Norbert Wagner hätten die Materialien eine Explosion mit beachtlicher Sprengkraft und großer Splitterwirkung entfachen können. Er bestätigte, dass die Polizei von einem versuchten Anschlag ausgeht.

Die Ermittler suchen neben einem dunkelhäutigen Mann nun nach einem zweiten Tatverdächtigen. Dieser ist auf Videoaufnahmen aus einer McDonald"s-Filiale an Gleis 1 mit einer dunkelblauen Tasche zu sehen.

Der erste Tatverdächtige soll nach Zeugenaussagen eine Tasche wie diejenige, in der später der Sprengsatz gefunden wurde, zwei wartenden Jugendlichen auf dem Bahnsteig geradezu vor die Füße geschoben habe. Von dem Mann gibt es ein Phantombild, allerdings existieren von der Szene am Bahnsteig keine Videoaufnahmen.