ZDF-Show

Tom Hanks fällt hartes Urteil über „Wetten, dass..?“

Der Hollywoodstar hat ein vernichtendes Fazit der Show gezogen. In den USA wäre jeder Verantwortliche „am nächsten Tag gefeuert“ worden.

Foto: Ingo Wagner / dpa

Ganz Profis ließen sie es sich nicht allzu sehr anmerken. Doch ein genauer Blick auf ihre Gesichter sprach am Sonnabend Bände. Die Hollywood-Schauspieler Halle Berry und Tom Hanks zeigten sich von der ZDF-Show „Wetten, dass..?“, deren Gäste sie waren, verwirrt. Die 46-jährige Berry sagte der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“: „Ich war völlig durcheinander“. Die Übersetzung sei nicht die allerbeste gewesen, außerdem habe ihr Kopfhörer nicht richtig im Ohr gesteckt. „Ich habe überhaupt nicht alles verstanden“, klagte sie.

Hanks gestand dem Blatt: „Ich war vor ein paar Jahren schon mal in dieser Show, damals mit Leonardo DiCaprio. Ich habe die Show damals nicht verstanden, und ich verstehe sie heute noch weniger.“ Im rbb-Sender Radio 88,8 lästerte der 56-Jährige, er habe „mit einer Katzenmütze auf dem Kopf“ dagestanden und „zugeguckt, wie der Moderator in einem Sack um mich rumhüpft.“ „Wenn das nicht Hochqualitätsfernsehen ist“, fügte er ironisch hinzu. In den USA wäre jeder Verantwortliche einer solchen vierstündigen Fernsehshow „am nächsten Tag gefeuert“ worden, zeigte sich Hanks überzeugt.

Die beiden Schauspieler waren Wettpaten in der von Markus Lanz moderierten Sendung.

Unterhaltung auf Sparflamme

„Spektakulär“ war das Lieblingswort von Markus Lanz am Sonnabend, als er mit „Wetten, dass..?“ in die zweite Runde ging. Zumindest was die Quote betrifft, sollte er recht behalten: 10,74 Millionen Zuschauer schalteten ein. Nach der Premierenshow im Oktober, die zwar eine Traumquote von 13,62 Millionen eingefahren hatte, aber noch recht chaotisch wirkte, hätten das viele nicht gedacht – die zweite Sendung ist bekanntlich die schwierigste. Dieses Mal wirkte der Gottschalk-Nachfolger immerhin schon weniger aufgeregt. In Topform ist Lanz aber noch lange nicht.

Das Erfolgsgeheimnis der zweiten Ausgabe war wohl eher die Prominenz auf dem Sofa: Lanz setzte auf die Weltstars Tom Hanks und Halle Berry. Doch der Moderator wurde mit seinen Gästen nicht warm: Er ratterte seine Fragen von den Karteikarten herunter, ein richtiges Gespräch konnte so nicht aufleben.

Lanz wirkte viel zu steif, hatte Berührungsängste, kaum Augenkontakt. Für Verständigungsprobleme sorgten dann auch noch die viel zu leise Übersetzung und deutsche Insider-Gags, beispielsweise über FDP-Politiker Rainer Brüderle. Die verstanden teilweise nicht einmal das Publikum.

Lanz muss spontaner werden

Für Spannung sorgte besonders der spätere Wettkönig: Dennis Schleußner wettete, dass er acht von zehn Decken mit einem Jo-Jo von gedeckten Tischen herunterzuziehen kann, ohne dass etwas zerbricht oder umfällt. Weil sich der Nylonfaden eines Jo-Jos gelöst hatte, hätte er dabei beinahe Lanz’ Auge getroffen.

Eine gelungene Überraschung an diesem Abend war Lanz’ Assistent Atze Schröder. Der war um einiges lockerer als der Moderator – und nutzte das aus: „Spricht man so internationale Gäste an?“, kritisierte der Comedian. „Los Jungs, kommt mit.“ Und schon hatte er Hanks im Schlepptau. Er war nicht der Macho, als den man Schröder eigentlich kennt, sondern meisterte seine Aufgabe souverän und unterhielt mit ausgefeilten Pointen. Lanz muss ihm dafür dankbar sein.

Cindy aus Marzahn musste absagen

Dabei war Atze Schröder bloß Ersatz: Lanz’ eigentliche Assistentin, Cindy aus Marzahn, habe aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen, sei aber in der nächsten Sendung in Freiburg wieder dabei. Die „Bild am Sonntag“ nannte eine andere Ursache für die Abwesenheit der Künstlerin: Der Sender RTL, bei dem sie ebenfalls unter Vertrag steht, habe ihr den Auftritt schlichtweg untersagt. Das wies RTL allerdings zurück: „Würden wir RTL-Moderatoren oder Comedians verbieten, zu ,Wetten, dass..?‘ zu gehen, wäre die Couch in den ersten beiden Ausgaben der Sendung wohl deutlich leerer gewesen“, kommentierte ein RTL-Sprecher am Sonntag bissig.

Markus Lanz verspielte am Sonnabend die Seele von „Wetten, dass..?“ Er hielt die Flamme des „Lagerfeuers der TV-Nation“ nicht am Leben, ließ sich weder auf seine Gäste ein noch auf sein Publikum oder die Wettkandidaten, unterbrach seine Besucher mitten im Satz oder hakte an anderer Stelle nicht nach. Man kann alles auswendig lernen, doch ein Showmaster muss auch spontan und mit dem nötigen Feingefühl für eine Situation agieren. Lanz ist noch zu rational und grobmotorisch in seiner neuen Rolle.

Dabei bemühte er sich redlich: Die „Lanz-Challenge“ ist nur ein peinliches Beispiel dafür. Lanz trat gegen einen Mann aus dem Publikum im Sackhüpfen an. Dazu mussten die männlichen Gäste Masken der Bremer Stadtmusikanten überziehen und einen Parkour bilden. Lanz an Hanks: „Tom, Sie müssen das nicht machen.“ Hanks: „Ich habe sowieso keine Würde mehr im Leib.“ Nein, „spektakulär“ war das wahrlich nicht.

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