Jugendschutz

„Super Nanny“ soll gegen Menschenwürde verstoßen haben

Die „Super Nanny“ war ein großer Erfolg für RTL. Doch jetzt gibt es Ärger mit der Kommission für Jugendmedienschutz.

Foto: (c) RTL/Andreas Friese

RTL hat nach Ansicht der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) mit einer Folge der „Super Nanny“ gegen die Menschenwürde verstoßen. In einer Folge der Doku-Soap seien Kinder „in leidvollen Situationen für kommerzielle Zwecke instrumentalisiert worden“, teilte die KJM am Montag in München mit. Nach Auffassung der KJM wurden sie durch die Darstellung „zu Objekten der Zurschaustellung herabgewürdigt und in ihrem sozialen Achtungsanspruch verletzt“. Damit liege ein Verstoß gegen die Menschenwürde vor. Die Episode hatte den Angaben zufolge den brutalen Umgang einer allein erziehenden Mutter mit ihren drei kleinen Kindern thematisiert.

Der Fernsehsender muss laut KJM dennoch nicht mit weiterreichenden Konsequenzen rechnen. RTL hatte laut KJM die Episode der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) vorgelegt. Die FSF hatte den Inhalt jedoch nicht beanstandet. Daher habe RTL abgesehen von der „formalen Beanstandung“ mit keinen weiteren Konsequenzen zu rechnen, sagte eine KJM-Sprecherin.

Sender prüft Klage gegen Beanstandung

RTL wies den Vorwurf zurück. „Nach wie vor teilen wir den Vorwurf der Verletzung der Menschenwürde durch Ausstrahlung der benannten Szenen in der beanstandeten Folge der ’Super Nanny’ nicht“, hieß es in einer Presseerklärung. Der Sender prüfe, ob er gegen die Beanstandung Klage vor dem Verwaltungsgericht erheben werde. RTL hatte nach eigenen Angaben 2011 für eine andere Folge der „Super Nanny“ ein Bußgeld bezahlen müssen.

Neben dem Verstoß in der „Super Nanny“-Folge stellte die KJM im zweiten Quartal 2012 noch 15 weitere Verstöße gegen den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag fest. Mögliche Entwicklungsbeeinträchtigungen habe es für unter 16-Jährige durch eine Folge der Pro-Sieben-Serie „V – Die Besucher“ gegeben. Grund sei die Drastik der Darstellung und die realitätsnahe Inszenierung. Drei Sendungen können den Angaben zufolge die unter zwölfjährigen Zuschauer in ihrer Entwicklung beeinträchtigen. Namentlich waren dies der Spielfilm „Jim Carroll – In den Straßen von New York“ (ausgestrahlt bei RTL 2) sowie eine Episode der Sendung „Die strengsten Eltern der Welt“ (Kabel 1) und ein Beitrag bei „Newstime“ (ProSieben).

Neben insgesamt sechs Verstößen im Fernsehbereich stellte die KJM zehn Verstöße im Internet fest. Die Medienaufsicht beschloss nach eigenen Angaben Beanstandungen, Untersagungen und Bußgelder. Nach Angaben der KJM ist die Anzahl der Verstöße im Fernsehen seit Langem unverändert. Sie liegt ungefähr bei sechs Verstößen pro Quartal.