Kreislaufkollaps

Piratin Marina Weisband bricht bei Illner zusammen

Marina Weisband hat einen Schwächeanfall im Berliner ZDF-Studio erlitten. Die 24-Jährige wurde ins Krankenhaus gebracht.

Foto: DPA

Es passierte Donnerstagabend im Zollernhof, Unter den Linden, in Mitte: Marina Weisband, das wohl bekannteste weibliche Gesicht der Piratenpartei in Deutschland, musste fünf Minuten vor Beginn der Aufzeichnung der Talkshow von Maybrit Illner („Parteien-Schreck auf Erfolgskurs – warum sind die Piraten so populär?“) im ZDF kurzfristig absagen. Der Grund: Die politische Geschäftsführerin der Protestpartei erlitt einen Schwächeanfall. „Es gab einen Knall. Frau Weisband war direkt vor einem Tisch zusammengebrochen“, sagte ein Augenzeuge bild.de.

Demnach soll sofort nach dem Sanitäter, der grundsätzlich im Studio anwesend ist, gerufen worden sein. Der habe festgestellt, dass Weisbands Blutdruck viel zu niedrig war. Stühle wurden zusammengerückt, damit Weisband liegen konnte. Doch die Piratin war zwischenzeitlich nicht mehr ansprechbar und wurde offenbar für einige Minuten ohnmächtig. Auf Drängen des Sanitäters sei Weisband danach zur Sicherheit in ein Krankenhaus gebracht worden, sagte eine Parteikollegin „Focus Online“.

Dabei hatte sich nicht nur der Rettungsdienst um Weisband gekümmert, sondern auch die Moderatorin persönlich. Weisband selbst verschickte jedenfalls kurz vor Mitternacht folgende Nachricht über den Kurznachrichtendienst Twitter: „Frau Illner hat mir vorhin übrigens die Hand gehalten, als die Sanitäter mich gepiekst haben.“

Nach einer Stunde wurde Weisband aus dem Krankenhaus entlassen. „Ich bin schon völlig fertig bei der Show angekommen und hatte dann einen Kreislaufzusammenbruch“, sagte die politische Bundesgeschäftsführerin der Zeitung „Bild“. „Bei mir sind kleine Kreislaufschwächen normal.“

Ende Januar hatte Weisband ihren Rückzug als politische Geschäftsführerin der Piratenpartei angekündigt. Die 24-Jährige hatte das nicht nur mit der zeitlichen Belastung durch ihr Studium, sondern auch gesundheitlich begründet.

Der Zwischenfall hielt Weisband allerdings nicht davon ab, sich am Freitag in die Debatte um den Umgang der Piraten mit Rechtsradikalen in den eigenen Reihen einzuschalten, der weiter an Schärfe zunimmt. Bei „Spiegel online“ rief sie dazu auf, härter gegen Radikale in den eigenen Reihen vorzugehen. „Es ist Bullshit, dass wir rechtsextreme Meinungen tolerieren müssen“, sagte sie.

Zuvor hatte Weisband außerdem in einem Blog-Eintrag an ihre Partei appelliert, sich schärfer gegen problematische Mitglieder zu positionieren. Parteiausschlussverfahren allein seien keine Lösung. „Die Verbreiter dieser Meinungen und Lügen dürfen nicht auf Veranstaltungen eingeladen werden, keine Ämter bekommen, nicht für die Piraten sprechen“, forderte sie, um danach aber – um Punkt 17.30 Uhr – folgenden Tweed abzusetzen: „Ich werde die nächsten drei Tage vermutlich nicht erreichbar sein, also bitte nicht wundern.“

Die Berliner Piraten wollen rechtsextreme Tendenzen in der Partei unterdessen in einer Konferenz klären. „Wir erkennen an, dass das Problem von Rassismus und Diskriminierung in der Gesellschaft und in der Piratenpartei existiert – von Einzelfällen zu sprechen ist falsch“, teilte der Landesverband am Freitag mit. „Wir brauchen die konstruktive Diskussion und Aufklärung.“ Zu dem Treffen im Mai sollen auch Fachleute eingeladen werden.

Zuvor hatte ein heftiger Streit im Berliner Landesverband Schlagzeilen gemacht. Landeschef Hartmut Semken hatte sich mit drastischen Worten gegen den Ausschluss von Piraten ausgesprochen, die rechtsradikale Positionen vertreten. In einem offenen Brief hatten Parteimitglieder daraufhin seinen Rücktritt gefordert. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) rief Semken in der Sendung, in der eigentlich auch Weisband auftreten sollte, dazu auf, jetzt schnell zu handeln. „Da muss ein anständiger Demokrat deutlich Flagge zeigen“, sagte Wowereit.