NSU-Terrorist

Eltern von Uwe Böhnhardt sprechen über ihren Sohn

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Foto: dpa

Lange habe sie mit sich gerungen: Jetzt äußern sich die Eltern des Zwickauer Terroristen erstmals im Fernsehen - mit bewegenden Details.

Gut fünf Monate nach dem Tod des mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Uwe Böhnhardt haben seine Eltern im Fernsehen ihr tiefes Mitleid mit den Opfern ausgedrückt. „Ich denke jeden Tag an die Opfer, immer“, sagte Brigitte Böhnhardt in dem ARD-Magazin „Panorama“ (Donnerstag/21.45 Uhr). Die Taten der Neonazi-Zelle könne man nicht verzeihen. „Es tut mir wirklich unendlich leid“, betonte die Mutter des mutmaßlichen Terroristen.

Die Taten der Zwickauer Terrorzelle – dazu gehörten neben Böhnhardt der mittlerweile ebenfalls tote Uwe Mundlos und die inhaftierte Beate Zschäpe – könne man nicht verzeihen. „Es tut mir wirklich unendlich leid“, sagte Böhnhardts Mutter.

Uwe Böhnhardt sei als Jüngster immer das „Nesthäkchen“ der Familie gewesen, sagte seine Mutter. In der Pubertät hätten jedoch schwierige Zeiten begonnen mit Schulschwänzen, Kriminalität und dem Abgleiten in die rechte Szene. Keine Schule habe ihn haben wollen. Mit 15 Jahren musste er erstmals ins Gefängnis.

Geheime Treffen mit den Eltern

Im "Panorama"-Interview schildern die Eltern, wie sie Kontakt zum Trio im Untergrund hielten und das der Kontakt 2002 ganz abriss.

Die Ermittler legen dem Trio unter anderem zehn Morde zur Last - an Kleinunternehmern mit ausländischen Wurzeln und an einer Polizistin. Böhnhardt und Mundlos hatten sich im November 2011 nach einem Bankraub kurz vor ihrer Festnahme das Leben genommen. Zschäpe stellte sich später der Polizei. Das Trio stammt aus Jena, tauchte den Ermittlern zufolge 1998 unter und lebte zuletzt in Zwickau.

1998 war Böhnhardt gemeinsam mit Uwe Mundlos und Beate Zschäpe in die Illegalität abgetaucht. Noch im Untergrund hielten die Eltern offensichtlich Kontakt zum Terroristen-Trio. Sie habe damals einen Zettel mit Uhrzeit und Ort im Briefkasten gefunden, berichtet die Mutter. „Dann standen wir bibbernd vor einer Telefonzelle, und da rief der Uwe an.“

Sie wollten sich stellen

Mehrmals habe man sich mit dem Trio in einem Park verabredet, fügte die Mutter hinzu. Von den Morden haben die Eltern nach eigenen Angaben nichts gewusst. Bei einem der Treffen im Jahr 2000 soll auch über einen Ausstieg aus der Illegalität gesprochen worden sein.

Über ein Treffen im Jahr 2000 sagte Böhnhardt: „Unser Sohn und Beate Zschäpe haben gesagt, sie würden sich stellen. Aber der Uwe Mundlos war nicht bereit.“ 2002 sei der Kontakt abgerissen.

Vor dem letzten Treffen im Jahre 2002 habe Zschäpe am Telefon um Rezepte von Kuchen und Plätzchen für Uwe gebeten, sagte Brigitte Böhnhardt. Am Ende hätten sich Mutter und Sohn zum letzten Mal umarmt. Böhnhardt: „Zu diesem Zeitpunkt sollen sie schon vier Menschen getötet haben – ich kann das nicht fassen.“ Danach sei der Kontakt abgerissen. Am 5. November 2011 habe Zschäpe die Eltern dann telefonisch darüber informiert, dass ihr Sohn Uwe sich das Leben genommen habe.

Einen Tag nach dem Tod ihres Sohnes habe Zschäpe angerufen. „Sie sagte: Der Uwe kommt nicht, der Uwe ist tot, der kommt nicht wieder zurück. Die beiden Jungs haben sich das Leben genommen, sie haben keinen Ausweg mehr gesehen, aber sie wollten auch nicht ins Gefängnis gehen.“

( EPD/AFP/dpa/nbo )

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