Terrorzelle

NSU-Morde offenbar bereits 2002 in Nazi-Szene bekannt

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Makabere Glückwünsche lassen vermuten, dass die Zwickauer Terrorzelle bereits 2002 in der rechtsextremen Szene bekannt war.

Schon 2002 hat das Neonazi-Blatt "Der Weisse Wolf" die Zwickauer Terrorzelle NSU erwähnt, doch der Verfassungsschutz erkannte die Brisanz nicht. Im Jahresbericht 2003 der Behörde in Mecklenburg-Vorpommern sei lediglich von einem weiteren Periodikum der Neonazi-Szene aus Neustrelitz die Rede, das halbjährlich erscheine, sagte am Donnerstag eine Sprecherin des Schweriner Innenministeriums. Auf den „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) ging der Bericht nicht weiter ein.

Das Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum apabiz in Berlin hatte nach einem Hinweis die Neonazi-Postille genauer unter die Lupe genommen und in der Ausgabe Nr. 18/2002 im Vorwort die Sätze gefunden: "Vielen Dank an den NSU, es hat Früchte getragen ;-) Der Kampf geht weiter." Dies wird als ein erster Hinweis auf die rechtsextremistische Terrorgruppe gewertet, der eine Serie ausländerfeindlicher Morde zugeschrieben wird.

Direkte Verbindung zum Neonazi-Trio

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) informierte nach Angaben der Sprecherin am Donnerstag in einer Sondersitzung die Parlamentarische Kontrollkommission des Landtags. Dabei machte er auch deutlich, dass die Abkürzung NSU dem Verfassungsschutz des Landes erst im November 2011 im Zusammenhang mit den Morden durch die rechtsextremistische Terrorgruppe bekanntwurde.

Laut Caffier wird die Bundesanwaltschaft, die die Ermittlungen zu der Terrorzelle führt, den Hinweisen über mögliche Verbindungen des Schweriner NPD-Landtagsabgeordneten David Petereit zum NSU nachgehen. Petereit, der den Neonazi-Rundbrief "Der Weisse Wolf“ seit Jahren verantwortet, streitet die Urheberschaft des Vorwortes ab. Laut apabiz deuten jedoch das verwendete Pseudonym und die Postfachadresse in Neustrelitz darauf hin, dass der heute 31-Jährige in direkter Verbindung zu dem Text steht.

Dem aus Thüringen stammenden Neonazi-Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe werden zehn Morde zur Last gelegt. Die Taten wurden aber erst nach dem Selbstmord von Mundlos und Böhnhardt Ende 2011 der 1998 untergetauchten Gruppe zugeordnet.

( dpa/nbo )

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