"Das perfekte Model"

Sieg für Eva Padberg und ein nicht perfektes Model

"Das perfekte Model" ist gewählt – allerdings nicht von den eingeladenen Experten. Denn am Ende der Vox-Konkurrenz zu "Germany’s Next Topmodel" wurden sie im Finale von den Zuschauern überstimmt.

Letzte Runde im Duell der Topmodels Eva Padberg und Karolína Kurková. Lediglich acht Folgen dauerte die erste Staffel von „Das perfekte Model“ und war damit deutlich kürzer als das Konkurrenzformat „Germany’s Next Topmodel“. Trotzdem muss niemand den Vergleich fürchten, denn an vergleichbarem Inhalt mangelte es nicht und das Ergebnis überraschte positiv.

Die Model-Castingshow, die eigentlich einen willkommenen Gegenpol zu „Germanys Next Topmodel“ mit Heidi Klum bilden sollte, wurde von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Die Quoten von „Das perfekte Model“ erreichten im Schnitt nicht einmal die Hälfte derer von „Germany’s Next Topmodel“, auch wenn die Klum-Show schon deutlich erfolgreicher lief als die aktuelle (siebte) Staffel.

Ein Grund dafür mag der eher undankbare Sendeplatz gewesen sein. Dienstags um 21:15 Uhr zieht eine zweistündige Sendung einfach nicht das nötige Publikum an. Außerdem stimmt es wohl, dass „Das perfekte Model“ deutlich weniger sensationsheischend und schrill als Heidi und Co. daherkam, allerdings war gerade dies die Stärke der Sendung.

Weniger knallig, weniger reizvoll

Die Jurorinnen Eva Padberg und Karolína Kurková gingen eher mit einem Coaching-Ansatz als mit dem Ziel, zu bewerten und zu demütigen an die Modelsuche heran. Beide wirkten durchgehend deutlich natürlicher, zurückhaltender und sympathischer als Heidi. Fernab von Klum’scher Selbstbeweihräucherung standen hier Hilfestellung und Humor statt unverhohlene Schadenfreude im Vordergrund.

Als Teamführerinnen setzten Padberg und Kurková während der gesamten Staffel auf Motivation und transparente Entscheidungen, zu denen häufig auch weitere Fachleute der Branche hinzugezogen wurden. Die Topmodels hatten gar nicht den Anspruch, nur eine einzige Wahrheit, nämlich ihre, gelten zu lassen. Bei jeder Entscheidung ging es um zehn im Vorfeld festgelegte zu erfüllende Kategorien von Aussehen und Laufstil über Willensstärke und Sportlichkeit bis Wiedererkennungswert und Wandelbarkeit, die die Teilnehmerinnen gewinnen, aber auch wieder verlieren konnten.

Schon beim Casting fiel die größere Altersspanne der Bewerberinnen auf, die zudem nicht nur beim offiziellen Casting, sondern zum Beispiel auch beim Shoppen im Kaufhaus entdeckt wurden. Die von den Bewerberinnen zu meisternden Aufgaben waren in Vergleich zu „Germany’s Next Topmodel“ in der Regel eher unspektakulär, dazu wurde Gestalten wie Gina-Lisa Lohfink, Micaela Schäfer oder Tessa Bergmeier hier keine Bühne geboten. Damit war „Das perfekte Model“ deutlich weniger knallig und für viele Zuschauer vielleicht auch deswegen weniger reizvoll.

Keine nennenswerten Unterscheide bei beiden Formaten gab es beim obligatorischen Umstyling der Kandidatinnen. Die einen nahmen es gelassen, bei den anderen flossen Tränen. Auch die Herausforderung, sich vor der Kamera in knappen Outfits zu präsentieren, meisterten in beiden Lagern nicht alle Teilnehmerinnen gleich souverän.

Entscheidung ohne Padberg und Kurková

Im Live-Finale von „Germany’s Next Topmodel“ gab sich im vergangenen Jahr sogar Weltstar Lady Gaga die Ehre. Das Finale von „Das perfekte Model“ im Kreis von Freunden und Familien der Bewerberinnen hingegen war bereits vergangene Woche in einem Pariser Schloss aufgezeichnet worden. Moderiert von Jochen Schropp wirkte die Show zunächst hölzern, gewann dann aber an Schwung, zumal dank der Aufzeichnung keine langen Pausen für Umziehen und Schminken entstanden, die mit uninteressanten Backstage-Interviews gefüllt werden mussten.

Überhaupt wurde beim „Perfekten Model“ zeitlich viel gerafft, was bei „Germany’s Next Topmodel“ mindestens eine ganze Folge lang ausgeschlachtet worden wäre, sei es ein Casting oder zum Beispiel im Finale die Aufgabe, innerhalb einer Stunde für ein bestimmtes Budget ein gelungenes Outfit zusammenzustellen.

Auf die finale Entscheidung hatten Eva Padberg und Karolína Kurková keinen Einfluss mehr. Die Designer Michael Michalsky, Guido Maria Kretschmer, Phillipe und David Blond und Philipp Hohmann, Group Product Manager einer Kosmetikfirma, vergaben Punkte für die vier Finalistinnen, dazu wurden Zuschauerstimmen gezählt, die ebenfalls bereits in der letzten Woche gesammelt worden waren.

"Nicht das typische perfekte Model"

Neben der Präsentation von Mode auf dem Laufsteg wurde ein Fotoshooting für die Werbekampagne der noch zu kürenden Siegerin bewertet. Lag nun nach den Expertenmeinungen und den entsprechenden Punkten noch die zielstrebige Johanna aus dem Team Karolína vorn, holte Anika aus Team Eva mit den Zuschauerstimmen auf zum Punktegleichstand. Da sie aber mehr Zuschauerstimmen als Johanna erhalten hatte, ist sie „Das perfekte Model“ 2012.

Anika Scheibe ist 23, hat bereits mehrjährige Modelerfahrung und wohnt in München. Sie hat ein markantes Gesicht, kurze Haar, einen knabenhaften Körper und wirkt oft androgyn. Während der Staffel war sie von Eva Padberg dafür belohnt worden, zwei Kilo zugenommen zu haben. „Ich bin das perfekte Model, weil ich nicht das typische perfekte Model bin, und deswegen will ich’s werden“, hatte Anika im Einspieler erklärt. Sie gewinnt eine Werbekampagne für eine Kosmetikfirma, einen Vertrag mit einer Pariser Modelagentur, eine Fotostrecke in einem Modemagazin und ein Auto.

Bisher gibt es keine konkreten Pläne seitens des Senders für eine zweite Staffel. Dies hängt vielleicht auch von Anikas Erfolg und dem ihrer Konkurrentinnen ab. Anika dürfte jedenfalls trotz des Titels wegen der eher niedrigen Zuschauerquoten weniger Druck als ihre Model-Anwärter-Kolleginnen von „Germany’s Next Topmodel“ verspüren. Heidi Klum selbst hat schließlich bewiesen, dass man es auch von einem Casting in einer Late-Night-Show über die Jahre zu medialer Dauerpräsenz schaffen kann.