"Costa Concordia"

Polizei-Abhörprotokoll überführt Schettino als Lügner

Schettino sprach davon, "in ein Rettungsboot gefallen" zu sein. Doch die Polizei soll ein Telefonat abgehört haben, in dem der Kapitän anderes berichtet.

Der schwer beschuldigte und unter Hausarrest stehende Kapitän des Unglücksschiffes, Francesco Schettino, liefert neue Schlagzeilen.

Von einem Carabinieri-Posten nach der Havarie abgehörte Telefonate des 52-jährigen Kapitäns mit Freunden scheinen Schettino zu belasten und seinen Aussagen im Verhör zu widersprechen. „Als ich gesehen habe, dass sich das Schiff neigte, habe ich mich heruntergestürzt“, gibt die Turiner „ La Stampa “ am Mittwoch Teile des Gesprächs wieder.

Damit verrate sich Schettino, schreibt das Blatt, weil er bei seiner offiziellen Vernehmung ausgesagt hatte, er sei zufälligerweise von dem Schiff in ein Rettungsboot gefallen. Das war noch während der Evakuierung. Die Gespräche wurden in einer Carabinieri-Kaserne von Orbetello abgehört, in der er sich nach der Havarie kurz aufhielt.

Laut „ La Repubblica “ sagte Schettino am Telefon auch, die Verbeugung genannte nähere Route an die Insel Giglio heran habe ein „Manager“ nachdrücklich von ihm verlangt. Unklar ist, um wen es sich handelt. Schettino hatte die Reederei Costa Crociere bereits vorher beschuldigt, ein riskantes Heranfahren aus Werbezwecken gefordert zu haben.

„Ein anderer an meiner Stelle wäre nicht so gnädig gewesen, dort längs zu fahren, damit sind sie mir auf den Sack gegangen“, habe er am Telefon berichtet. "Fahr, fahr dahin, die Untiefe dort war nicht von den Instrumenten angezeigt, die ich zur Verfügung hatte, und wir sind da längs gefahren (...), um auf den Manager zu hören, fahr dahin, fahr dahin.“

In einem weiteren abgehörten Gespräch soll Schettino dem Blatt zufolge auf den Felsen zu sprechen gekommen sein, der der „Costa Concordia“ zum Verhängnis geworden ist: „Was soll ich Dir sagen, (...) wir fahren, um Giglio zu begrüßen, fahren, um Giglio zu begrüßen... es gab da einen hervorstehenden Felsen, den haben wir nicht gesehen, und wir sind draufgefahren. (...). Ich habe den nautischen Karten vertraut....“

Schettinos Anwalt hat inzwischen beantragt, den Hausarrest gegen seinen Mandanten aufzuheben, wie italienische Medien berichteten.

Einsatzkräfte am Schiffswrack

Noch immer werden mehr als 20 Menschen vermisst. Gleichzeitig wird vor der toskanischen Insel Giglio das Abpumpen von etwa 2300 Tonnen Treibstoff vorbereitet, das am Wochenende beginnen soll.

Marine-Taucher räumten in dem Schiff auch einige schwere Hindernisse aus dem Weg, um die Suche zu erleichtern. Starker Wind und der Seegang gefährdeten die Sicherheit der Einsatzkräfte, hatte der Einsatzleiter die Unterbrechung der Suche am Vorabend begründet. Auch am Mittwoch ließen es die Wetterbedingungen erst später wieder zu, sich dem auf der Seite liegenden Schiff zu nähern und zu suchen.

Auf Giglio laufen die Vorarbeiten für das Abpumpen des Öls aus der „Costa Concordia“ auf Hochtouren. Die Bergung des giftigen Schweröls aus den Tanks kann voraussichtlich nicht vor diesem Samstag beginnen. Danach dürfte es rund vier Wochen dauern, bis die etwa 2300 Tonnen Treibstoff, überwiegend Schweröl, aus den 17 Tanks entsorgt sind. Mit dem Beginn der Aktion soll rund um die Uhr gepumpt werden.

„Das Wetter ist immer ein unvorhersehbarer Faktor, aber Samstag ist realistisch“, sagte Martiijn Schuttevaer, Sprecher der mit dem Abpumpen beauftragten niederländischen Bergungsfirma Smit. In diesen Tagen würden die 17 Tanks der „Costa Concordia“ genau inspiziert und markiert, um dann mit dem Bohren von Löchern im Schiff und dem Abpumpen des Schweröls beginnen zu können, erläuterte Schuttevaer.

Auf dem dritten Deck des Schiffe hatten Taucher am Dienstag eine tote Frau gefunden. Damit stieg die Zahl der geborgenen Opfer der Havarie vom 13. Januar auf 16. Noch mehr als 20 Menschen gelten als vermisst. Von den Toten wurden bisher neun identifiziert. Unter den Opfern ist nach den Angaben der Carabinieri ein Mann aus Deutschland – laut Auswärtigem Amt gelten aber weiterhin zwölf Deutsche als verschollen.

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