Schiffsunglück

Zwei Frauenleichen im "Costa"-Wrack entdeckt

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Foto: Getty Images / Getty Images/Getty

Im Wrack des havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" fanden Taucher zwei weitere Leichen. Sie waren in der Nähe des Internet-Cafés auf dem Schiff.

Im Wrack der „Costa Concordia“ vor der Toskana-Insel Giglio sind zwei weitere Leichen entdeckt worden. Rettungskräfte hätten zwei tote Frauen in der Nähe des Internet-Cafés auf dem Schiff gefunden, sagte der Leiter des italienischen Zivilschutzes, Franco Gabrielli. Damit stieg die Zahl der bestätigten Todesopfer auf 15. Rund 20 Menschen werden noch vermisst.

Zuvor hatten Taucher ein neues Loch in das Wrack gesprengt, um durch die Lücke zwischen den Decks vier und fünf Zugang zum Restaurant-Bereich zu erhalten, wo noch Opfer der Katastrophe vermutet wurden.

Vorwürfe gegen die Reederei Costa Crociere

Die Vorwürfe gegen die Reederei Costa Crociere und ihre Mitarbeiter mehren sich: „Es könnten blinde Passagiere an Bord gewesen sein“, zitieren mehrere Medien Franco Gabrielli, den Leiter des italienischen Zivilschutzes.

Eine Ungarin, die noch von Bord aus mit ihren Eltern telefoniert haben soll, findet sich nicht auf der Passagierliste, so Gabrielli. Taucher hätten die Leiche der Ungarin am Sonntag geborgen. Ebenso wie die Moldawierin Domnica Cermotan soll auch sie eine Freundin eines Mitglieds der Crew gewesen sein.

Nach Berichten der Zeitung „La Repubblica“ seien außerdem nicht zuerst Kinder und Verletzte gerettet worden, sondern russische Passagiere. „Die ersten Rettungsboote, die an Land ankamen, waren voller Russen“, zitiert das Blatt Franca Melis, die auf der Insel Giglio wohnt und am Abend des Unglücks mit im Hafen war, um zu helfen.

Viele hätten Fotos vom Unglück gemacht, aber, so meint Melis, man solle das nicht verurteilen, schließlich hätten diese Menschen gerade einen Schiffbruch erlitten, wer kann schon von sich sagen, wie er sich da verhalten würde.

Eines habe sie aber doch sehr irritiert: „Einige von ihnen haben Geldscheine hervorgezogen, so als wollten sie uns bezahlen.“ Im Hafen kursierte daraufhin das Gerücht, dass die Russen sich Plätze „in der ersten Reihe“ erkauft hätten.

Polizei sucht nach dem Laptop von Kapitän Schettino

Die Polizei sucht unterdessen weiter nach dem Laptop von Kapitän Schettino, den er noch in der Unglücksnacht an eine blonde Frau gegeben haben will, die sich als Anwältin der Reederei ausgegeben haben soll.

Der „Daily Telegraph“ berichtet, das Unternehmen habe Überlebenden für zukünftige Reisen einen Rabatt von 30 Prozent angeboten.

Inzwischen wurden die Resultate der toxischen Untersuchung von Francesco Schettino veröffentlicht: Der Kapitän der „Costa Concordia“ stand demnach nicht unter dem Einfluss von Drogen, als das Schiff auf den Felsen vor Giglio auflief. „Wir hatten über das Ergebnis des Tests keine Zweifel“, kommentierte Schettinos Rechtsanwalt Bruno Leporatti.

Staatsanwälte wollen Chefs der Reederei vernehmen

Die ermittelnden Staatsanwälte in Grosseto befragten am Montag auch den Kommandanten der Küstenwache in Livorno, Gregorio De Falco, der in der Nacht nach dem Unglück mit Schettino telefoniert hatte. Darin rief er den Kapitän zur Rückkehr auf das Schiff auf, um die Evakuierungsaktion zu koordinieren.

Mitarbeiter der Reederei Costa Crociere, die eine der zwölf Kreuzfahrtgesellschaften der Carnival Corporation ist, demonstrierten am Sonntag in Genua, dem Firmensitz des Unternehmens. Mit Transparenten mit der Aufschrift „Die Crew ist da“ wehrten sie sich gegen die Vorwürfe gegenüber den Mitarbeitern der Costa.

Viele Passagiere hatten sich nach der Rettung über die chaotischen Abläufe an Bord beschwert. Ein Video zeigt eine Mitarbeiterin, die beunruhigte Passagiere in Schwimmwesten auffordert, in die Kabinen zurückzugehen, zu einem Zeitpunkt in dem zumindest in der Kommandozentrale bereits klar war, dass man evakuieren müsste. In den nächsten Tagen wollen die Staatsanwälte die Chefs der Reederei Costa Crociere vernehmen.

( AFP/jul/mak )

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