Kreuzfahrtschiff

Spekulation über blinde Passagiere auf "Concordia"

Tag 10 nach der Havarie. Taucher sprengen sich den Weg ins Innere des Wracks frei. Behörden spekulieren über nicht registrierte Passagiere.

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Am zehnten Tag nach der Havarie der „Costa Concordia“ haben sich Taucher der italienischen Marine erneut auf dem Kreuzfahrtschiff den Weg zu unzugänglichen Bereichen freigesprengt. Sie wollten sich damit zwischen dem vierten und fünften Deck einen leichteren Zugang zu der Restaurantzone öffnen, um weiter nach Vermissten suchen zu können, teilte die Küstenwache am Montag auf der Insel Giglio mit.

Am Vormittag will der wissenschaftlich-technische Krisenausschuss erneut zusammentreten, um darüber zu beraten, wann mit dem Abpumpen des Schweröls auf der „Costa Concordia“ begonnen werden kann.

Eine Entscheidung sollte am Nachmittag bekanntgegeben werden. Ursprünglich hatten die Experten am vergangenen Wochenende damit anfangen wollen, doch wegen der weiteren Suche nach Vermissten auf dem Kreuzfahrtschiff verschoben sie die Arbeiten noch einmal.

Vier Leichen bislang nicht identifiziert

Die Behörden vermuten inzwischen, dass sich mehrere blinde Passagiere an Bord befunden haben könnten. Zivilschutz-Einsatzleiter Franco Gabrielli erklärte, dass die am Sonntag entdeckte Leiche einer Ungarin nicht in den offiziellen Listen eingetragen gewesen sei.

Vier weitere Leichen seien bisher ebenfalls nicht identifiziert worden, anhand der Passagierlisten sei dies nicht möglich. Wegen dieser Ungenauigkeiten müsse noch von mindestens 24 Vermissten ausgegangen werden.

Am Sonntag war im verunglückten Schiff von Tauchern eine 13. Leiche entdeckt worden. Unter den bereits identifizierten Opfern sind nach Angaben von Carabinieri-Kommandant Rocco Carpenteri ein Deutscher, vier Franzosen – darunter ein Ehepaar – und je ein Mann aus Italien, Spanien und Ungarn.

Geologe Nicola Casagli von der Universität Florenz sagte, das Schiff sei in der Nacht zum Sonntag teilweise einen Zentimeter pro Stunde abgerutscht. Am Tag wurde diese Bewegung fast komplett gestoppt. „Wir wissen nicht, warum sich das Schiff bewegt hat“, sagte Casagli.

Der Kapitän der „Costa Concordia“ machte die Reederei Costa Crociere für sein riskantes und misslungenes Manöver verantwortlich. Laut Tageszeitung „La Repubblica“ sagte Francesco Schettino bei einer Anhörung vor Gericht diese Woche, die sogenannte Verbeugung vor Giglio vom 13. Januar „wurde noch vor dem Start in Civitavecchia von Costa geplant und verlangt“.

Mit Routen, die nahe an der Küste entlang führen, „machen wir Werbung für uns“, zitierte der „Corriere della Sera“ den unter Hausarrest stehenden Kapitän der „Costa Concordia“. Manöver dieser Art habe es bereits „vor Capri, Sorrento, auf der ganzen Welt“ gegeben, habe Schettino weiter gesagt.