RTL-Show

Im Leoparden-Tanga ab ins Dschungelcamp

In wenigen Tagen startet bei RTL die neue Staffel des Dschungelcamps. Micky Beisenherz schreibt die berühmt-berüchtigten Kommentare der Moderatoren Sonja Zietlow und Dirk Bach. Mit Morgenpost Online spricht er über gute Gags und schlechte Kandidaten.

Foto: dpa / dpa/DPA

Morgenpost Online: Herr Beisenherz, freuen Sie sich auf den australischen Sommer?

Micky Beisenherz: Ja, es wird das größte Ehemaligen-Treffen aller Zeit! Ehemaliges Model, ehemaliger „DSDS“-Teilnehmer, ehemaliger Next-Uri-Geller ... Das „Ex“ kommt so oft vor, dass die Sendung „Ex-Faktor“ heißen müsste.

Morgenpost Online: Auf wen freuen Sie sich am meisten?

Beisenherz: Auf Ailton, der verspricht großartig zu werden. Den Leoparden-Tanga hat er schon, und auch in seiner aktiven Zeit als Fußballer war er zu 80 Prozent Entertainer – wenngleich er nur den Wortschatz einer durchschnittlichen SMS hat. Fürs Auge ist aber auch was dabei.

Morgenpost Online: Meinen Sie etwa Brigitte Nielsen?

Beisenherz: Äh, zum Beispiel. Und dann sind da ja noch Micaela Schäfer und Radost Bokel. Und Ramona Leiß – mit der holen wir uns die ZDF-Zuschauer.

Morgenpost Online: Aber als Typ sticht Brigitte Nielsen schon hervor, oder?

Beisenherz: Na ja, ihre Generalsanierung liegt schon vier Jahre zurück. Und man weiß ja: wenn einen das Bindegewebe erst mal im Stich gelassen hat …

Morgenpost Online: Sie klingen, als texteten Sie sich schon mal warm.

Beisenherz: Echt? Die Frau ist eine Baustelle, größer als der Potsdamer Platz. Für drei, vier Gags sollte das reichen. Das Pulver geht uns allerdings auch sonst nie aus.

Morgenpost Online: Siehe die gefühlten 100.000 Peniswitze über Nico Schwanz ...

Beisenherz: ... mit denen wir am Ende die Moderatoren gequält haben, das war der Joke. Nein, unser größtes Problem in den letzten Staffeln war, dass wir gar nicht alles untergekriegt haben, was uns so im Kopf umherschwirrte. Wenn so ein Haufen Premium-Borderliner aufeinandertrifft, hauen die in der Regel immer was raus.

Morgenpost Online: "Premium-Borderliner" – ein charmantes Etikett.

Beisenherz: Na ja, das sind halt Leute, die schon in der Vergangenheit verhaltensauffällig geworden sind. Und die festgestellt haben, dass das dem medialen Marktwert eher zuträglich ist.

Morgenpost Online: Welche Eigenschaften muss ein Teilnehmer sonst erfüllen, um Sie zu Gags zu inspirieren?

Beisenherz: Die Kandidaten, die mich am meisten begeistert haben, waren die mit der verzerrtesten Selbstwahrnehmung. Das war sowohl bei Sarah Dingens so als auch bei Peter Bumms beziehungsweise Bond. Das waren zwei, die eine Aufgabe entweder völlig verrissen oder gar nicht erst antraten – nur um sich selbst vor den anderen zu feiern. Das fand ich spannend.

Morgenpost Online: Je größer die Kluft zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung, desto größer die Fallhöhe?

Beisenherz: Also, zumindest ich empfinde das so.

Morgenpost Online: Was ist für Kandidaten eigentlich schlimmer: Wenn die Moderatoren Gift und Galle spucken – oder wenn sie sie ignorieren?

Beisenherz: Ich glaube, ignoriert zu werden, ist für alle Beteiligten die härteste Strafe – wobei sie natürlich erst nach ihrem Auszug aus dem Camp erfahren, inwieweit sie Thema waren. Sarah Dingens zum Beispiel hat selbst dann anscheinend überhaupt nicht gemerkt, dass Sie einige Zuschauer durchaus kritisch gesehen haben. Die hat sich einfach nur gefreut, wenn die Kamera auf sie geschwenkt hat. Weshalb, war ihr herzlich egal.

Morgenpost Online: War es nicht eher so, dass sie da ahnungslos hereingeschlittert ist und das Spiel erst am Rande des Nervenzusammenbruchs durchschaut hat?

Beisenherz: Nein, nach fünf Staffeln weiß jeder Kandidat, worauf er sich einlässt.

Morgenpost Online: Spiegeln Ihre Kommentare eigentlich subjektive Aversionen oder Vorlieben wider? Oder spitzen Sie nur zu, was die Tagespresse an Reaktionen auf die Show bündelt?

Beisenherz: Die Tagespresse nehmen wir natürlich wahr. Aber in erster Linie konzentrieren wir uns auf das, was vor Ort passiert. Und das spitzen wir tatsächlich nur zu. Wenn einer nur bekloppt ist, dann müssen wir ihn auch als bekloppt kennzeichnen. Und wenn jemand sympathisch ist, dann werden wir ihm auch keinen Strick daraus drehen.

Morgenpost Online: Wo liegt Ihre persönliche Schmerzgrenze?

Beisenherz: Sich über körperliche Behinderungen oder religiöse Einstellungen um des Gags Willen lustig zu machen, das fände ich schwach.

Morgenpost Online: Als RTL 2004 die erste Staffel des Dschungelcamps zeigte, riefen viele nach der Medienaufsicht. Inzwischen wurde das Format sogar für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Was hat diesen Wandel bewirkt?

Beisenherz: Für den einen oder anderen mag sich das Format an der Oberfläche noch als Trash-TV darstellen. Aber viele haben erkannt, dass zwischen einigen handfesten Gags auch Intellekt hervorblitzt – und dass die Show sehr gut als Mediensatire funktioniert. Ich glaube, dass es diese selbstironische Haltung ist, die dem Zuschauer sehr gut gefällt.

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