Fahndung

Gewaltverbrecher Feldhofer flirtet mit der Polizei

| Lesedauer: 5 Minuten

Der Verbrecher Thomas Feldhofer hat Banken überfallen, Passanten ausgeraubt, er ist spielsüchtig und gefährlich. Aber er entkommt seit Monaten der Polizei.

Thomas Feldhofer hat binnen vier Monaten mindestens zwei Sparkassen überfallen, mit vorgehaltener Pistole. Er kaperte drei Autos, raubte diverse Tankstellen und Läden aus, ja, er nahm sogar zwei entsetzten Senioren in einem Schrebergarten Haushaltskasse und Wagen ab und ließ sie gefesselt zurück. Die Boulevardpresse hat ihm den Namen "Rambo-Räuber" verpasst, weil der Krefelder auf der Flucht direkt auf einen Polizisten zuraste und den Mann womöglich umgebracht hätte, wäre der nicht zur Seite gehechtet. Mitte Dezember entführte Feldhofer mit einiger Chuzpe dann auch noch einen Linienbus im wohlhabenden Taunusstädtchen Kronberg und sammelte bei den sieben Fahrgästen die Brieftaschen ein. Seit einem Banküberfall in Sachsen-Anhalt, wo er drei Tage vor Heiligabend ein paar Tausend Euro erbeutete, ist er spurlos verschwunden.

Dabei sind viele der Taten auf Sicherheitskameras festgehalten. Die Polizei fahndet auch seit Wochen mit Hochdruck nach dem 46-Jährigen, mit Plakaten, europäischem Haftbefehl und zeitweise sogar mit Hubschraubern. Und doch war Feldhofer der Polizei bisher immer eine Nasenlänge voraus.

Jetzt haben die Ermittler den Fahndungsdruck kräftig erhöht. Denn sie sind überzeugt: Der Mann ist brandgefährlich, und er steht als spielsüchtiger Zocker unter Druck, sich Geld zu beschaffen. Wer ihn zu erkennen glaube, mahnt die Düsseldorfer Polizei, solle sofort "110" anrufen, aber "auf gar keinen Fall den Helden spielen", so ein Sprecher. Denn auch, wenn Feldhofer bisher noch nicht geschossen oder Menschen verletzt hat: Es sei nicht ausgeschlossen, dass er versuche, sich freizuschießen.

Wie ist es überhaupt möglich, dass ein Verbrecher, der sich bei seinen Taten nie maskierte und dessen Porträt seit Wochen an allen Dienststellen hängt, noch nicht gefasst werden konnte? Feldhofer wirkt einfach zu nett, meint die Düsseldorfer Polizei, die die Ermittlungen leitet. Oder genauer gesagt: "Thomas Feldhofer hat zwei Gesichter." Das macht ihn nach Ansicht von Polizeisprecher Markus Niesczery nicht nur besonders schwer zu fassen, sondern auch so gefährlich. "Niemand kann sich bei diesem charmanten Auftreten vorstellen, dass ein Schwerverbrecher vor ihm steht." Wer Feldhofer aber in die Quere komme, erlebe schnell die andere, die dunkle und zornige Seite des Mannes. Der sieht auf einem früheren Fahndungsfoto indes aus wie ein Schwiegersohn: freundliche, braune Augen, sorgfältig gestutzter Kinnbart, biederer grau-weißer Pulli, aufmerksames Lächeln.

Der 46-Jährige könne sich freundlich geben, jovial, lässig, sagt Sprecher Niesczery. Wie gern er mit Frauen schäkert, beweist das Überwachungsvideo aus einer Zwei-Sterne-Pension im Frankfurter Bahnhofsviertel, wo Feldhofer Ende November offenbar völlig entspannt zwei Tage lang residierte. "Der flirtet ja fast", wundert sich der Polizeisprecher. Den Ermittlern macht die Arbeit schwer, dass der Rheinländer offenbar kein soziales Netz besitzt. Er halte weder zur Familie Kontakt, noch habe er Freunde, sagt die Polizei. In einem Rucksack, der bei der Flucht zurückblieb, fand sich ein Handy. Nicht einmal dort waren Nummern von Privatpersonen eingespeichert.

Eiserne Nerven

Die Arbeit der Polizei wird auch dadurch erschwert, dass Feldhofer offenkundig ausgesprochen gute Nerven hat. Das zeigt die skurrile Episode von Kronberg eindrucksvoll. Dort hatte er ein Elektrogeschäft überfallen und war dann mit seiner Waffe auf einen Linienbus zugelaufen. Wie der Fahrer berichtete, klopfte der Bewaffnete an die Scheibe und behauptete, Polizist zu sein. "Da standen ja überall Streifen rum", sagte der Busfahrer kurz nach dem Überfall in einem Interview. "Ich dachte, der gehört dazu und die suchen jemanden." Der Bus fuhr los, doch nach 20 Kilometern Irrfahrt raubte der vermeintliche Beamte dann die Passagiere aus. "Da wurde mir klar, dass er wohl doch kein Polizist ist", sagte der Fahrer. Kurz darauf stahl Feldhofer einen grauen Peugeot 3008 (Kennzeichen MTK-F 540), mit dem er vielleicht noch unterwegs ist.

In den 90er-Jahren hatte er bei elf Raubüberfällen 750.000 D-Mark erbeutet. Das Geld verzockte der im Rheinland geborene Elektriker in Spielkasinos und an Daddelautomaten. Als er sich Nachschub beschaffen wollte und zum zweiten Mal dieselbe Bankfiliale überfiel, wurde er von einem Opfer erkannt. Die Polizei konnte ihn schnappen, die Richter verurteilten ihn zu elf Jahren Haft.

Doch schon nach sieben Jahren Haft kam Feldhofer 2008 frei, weil er sich angeblich so gut geführt hatte. Bis August 2011 lebte er zumindest nach derzeitigen Erkenntnissen unauffällig. Dann klaute er ein Kennzeichen und überfiel in Voerde eine Sparkasse. Danach ging es Schlag auf Schlag. Bis zu seinem letzten Verbrechen, einem Sparkassenraub in Sachsen-Anhalt am 21.Dezember, hat er fast zwei Dutzend Straftaten angesammelt. Wie ein Pingpongball ist Feldhofer dabei durch Deutschland geflitzt.

Bei seinem letzten Überfall in Sachsen-Anhalt hat er mehrere Tausend Euro erbeutet, was ihm eine Zeit lang reichen dürfte, zumal er sich nach Einschätzung der Fahnder wohl im Wald versteckt. Früher oder später müsse sich der Mann aber aus der Deckung wagen, glaubt die Polizei. "Wenn er weiterhin spielt und zockt, dann eher früher als später."

Hinweise nimmt die Düsseldorfer Polizei unter Telefon +49 (0)211-8708080 entgegen oder jede andere Polizeidienststelle .

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