Geburtstagsparty

"Danke, Patrón, für Dein Vorbild"

Das spanische Königshaus zeigt viel Gefühl: Erst hält Prinz Felipe eine überraschende Rede auf seinen Vater Juan Carlos, der seinen 70. Geburtstag feiert. Und dann gab es für den Papa trotz des strengen Protokolls auch noch eine heftige Umarmung vor 450 zum Galadiner geladenen Gästen.

Die spanische Bourbonen-Familie folgt einem der strengsten Hofzeremonielle unter den europäischen Königshäusern. Dass ausgerechnet Kronprinz Felipe das Protokoll Protokoll sein ließ, verrät die Emotionen, die sich hinter der strengen Fassade des Palacio Real in den vergangenen Monaten aufgestaut haben. 2007 war das schwierigste Jahr, das die Bourbonen seit dem Tod des Diktators Franco vor 32 Jahren mitgemacht haben.

Mehr als 450 geladene Gäste aus dem spanischen Adel und der hohen Politik hatten sich im königlichen Palast El Pardo auf den Hügel nördlich von Madrid versammelt, um den Geburtstag von König Juan CarlosI. zu feiern. Vergangenen Samstag war der Monarch 70 Jahre alt geworden. Nachdem Regierungschef Jose Luis Zapatero eine Rede auf den König gehalten hatte, war eigentlich der Geehrte selbst an der Reihe.
Doch bevor sich der Vater erheben konnte, stand der 39-jährige Thronfolger auf, um eine unangekündigte – und für royale Gepflogenheiten sehr persönliche – Ansprache zu halten. „Dieses Fest ist ganz wie Du selbst. Voller Großzügigkeit, ohne eitel zu sein, die Hand ausgestreckt und mit offenen Armen“, so der Sohn. „Dein Gang mag langsamer geworden sein durch das Gewicht der Erfahrung, aber du hast nie diesen Funken verloren, die Lust am Humor, die Intuition und den Mut, den Du selbst in den schwierigsten Momenten gezeigt hast.“



Brandstifter und böse Karrikaturen


Schwierige Momente gab es für den König und die Seinen zuletzt genug. Die Schwester der Kronprinzessin Letizia beging Selbstmord. Elena, älteste Tochter des Königs, ließ sich von ihrem Mann und Vater ihrer beiden Kinder scheiden.

Und erstmals seit dem Tode Francos – der den jungen Bourbonenprinzen als seinen Nachfolger erkoren hatte – war die königliche Familie zur Zielscheibe massiver öffentlicher Kritik geworden. In Katalonien verbrannten im Sommer Nationalisten beim Besuch des Monarchen und seiner Frau Sofia Bilder des Paars. Abgeordnete wollten das Budget des Königshauses zusammenstreichen. Selbst die traditionell den Bourbonen eng verbundene katholische Kirche scherte aus, ein Moderator ihres erzkonservativen Senders Cope forderte gar die Abdankung des Königs, da er angeblich zu weich gegenüber den separatistischen Basken agiert habe. Und das Satire-Blatt „El Jueves“ zeigte auf dem Titel eine Karikatur des Thronfolgers beim Geschlechtsakt mit Prinzessin Letizia.

Letztendlich sagen die Anfeindungen aber weniger über tatsächliche Ressentiments aus als über die Stimmung in einem Land, das seit drei Jahrzehnten einen massiven Wandel durchgemacht hat. Vom armen, isolierten und nationalkatholischen Staat ist Spanien zu einem progressiven, wirtschaftlich höchst erfolgreichen Land geworden, das gerade Italien beim Pro-Kopf-Einkommen überholt hat. Doch die alten Probleme zwischen Links und Rechts, zwischen Zentralregierung und autonomen Regionen bleiben, und erst recht die unaufgearbeitete Vergangenheit von Bürgerkrieg und Diktatur. Und im März sind Wahlen.

Umfragen belegen, dass der König trotz aller Kritik an einer fürwahr anachronistischen Institution für die Spanier Fels in der Brandung bleibt. Das zeigen auch Solidaritätsaktionen mit Juan Carlos, als er jüngst Venezuelas Diktator Hugo Chávez anging, dieser möge „endlich den Mund halten“ – „que te calles“ summt es seither als Handyton allerorts und steht auf T-Shirts geschrieben. Der Kronprinz hat offenbar Gespür für die emotionale Gemengelage des Volkes. „Danke, Patrón, für Dein immerwährendes Vorbild“, schloss Felipe.