Nach Therapie

Dreifachmörder nach 42 Jahren bald wieder frei?

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Er kennt das Leben nur noch aus dem Fernsehen: Nach 42 Jahren darf ein Mädchenmörder das Gefängnis vermutlich verlassen. Wie gefährlich er ist, weiß niemand.

Mehr als vier Jahrzehnte nach dem Mord an drei Mädchen im Alter von 14 und 16 Jahren im oberfränkischen Coburg könnte der Mörder demnächst aus der Haft entlassen werden. Über die Freilassung des vor 40 Jahren verurteilten Manfred W. wird möglicherweise noch vor Weihnachten entschieden.

Eine Anhörung über einen Antrag auf Aussetzung der Strafe vor der sogenannten Strafvollstreckungskammer Regensburg sei jedenfalls in der kommenden Woche geplant, sagte ein Sprecher des Landgerichts Regensburg. Im Normalfall sei danach mit einer zeitnahen Entscheidung zu rechnen, ergänzte er.

Nach 30 Jahren schon einmal geprüft

Die Kammer könnte eine Fortsetzung der Haft ebenso beschließen wie erst noch weitere Gutachten einfordern und dann entscheiden. Manfred W. ist in der JVA Straubing untergebracht.

Er sitzt seit seiner Festnahme vor 42 Jahren in Haft. Bei seiner Verurteilung durch das Landgericht Coburg hatte die Kammer die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Dadurch wurde eine Aussetzung der Haft auf Bewährung erstmals nach 30 Jahren und seither regelmäßig geprüft – bisher mit stets negativem Ausgang für den Gefangenen.

Bei einer neuen Überprüfung kam ein Sachverständiger nun zu der Einschätzung, dass Manfred W. eine gleichartige Tat mit nur wenig Wahrscheinlichkeit wiederholen würde. Eine Entlassung wäre damit möglich.

Sadistischer Geschlechtstrieb

Der Leitende Oberstaatsanwalt in Coburg, Anton Lohneis, sähe das ungern. Aufgrund der langen Haftdauer kenne Manfred W. das echte Leben nur noch aus dem Fernsehen, sagte er.

Da die Situation nach einer möglichen Entlassung nicht geklärt sei, befürchte er, dass der 69-Jährige, der mit den drei Morden laut Urteil seinen sadistischen Geschlechtstrieb befriedigte, draußen nicht zurecht käme und wieder straffällig werde. Er sei in der Haft zwar therapiert worden. „Ob erfolgreich, muss man sehen“, sagte Lohneis.