Schwerverbrecher

Entführer Wolf soll nicht in Sicherungsverwahrung

Er gesteht, eine Bankiersgattin entführt und Millionen erpresst zu haben. Trotzdem muss der Schwerverbrecher Wolf weder mit lebenslänglich noch mit Sicherungsverwahrung rechnen.

Für den Entführer und Bankräuber Thomas Wolf hat die Anklage 15 Jahre Haft gefordert. Bei ihrem Plädoyer vor dem Wiesbadener Landgericht beantragte Staatsanwältin Maria Klunke jedoch keine Sicherungsverwahrung.

Zu Beginn des Prozesses vor knapp neun Monaten sei sie noch der Meinung gewesen, es „selten mit einem so klaren Fall für eine Sicherungsverwahrung“ zu tun gehabt zu haben, räumte Klunke ein. Doch einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zufolge sei das nur möglich, wenn von dem Täter die Gefahr von schweren Gewalt- oder Sexualstraftaten ausgehe. „Das haben wir hier nicht“, sagte die Staatsanwältin.

Der Angeklagte habe keine körperliche Gewalt gegen seine Opfer angewandt, „und er hatte es auch nicht vor“. Bei seinen Taten habe Wolf stets nur ungeladene Waffen und Bombenattrappen benutzt.

Der 58-Jährige ist angeklagt, im März 2009 eine Wiesbadener Bankiersgattin entführt und 1,8 Millionen Euro Lösegeld erpresst zu haben. Neben der Entführung werden Wolf in dem Prozess noch zwei frühere Banküberfälle in Hamburg und den Niederlanden zur Last gelegt.

„Kein lieber Täter“

Die Staatsanwaltschaft wertete dies als schwere räuberische Erpressung und erpresserischen Menschenraub in drei Fällen. Beim Strafmaß hielt die Staatsanwältin Wolf zugute, dass er niemals wirklich jemandem etwas zuleide tun wollte.

Zudem habe er ein Geständnis abgelegt und schnell das Versteck des Geldes verraten. „Doch das führt nicht dazu, dass er ein Gentleman-Verbrecher wäre“, betonte die Anklagevertreterin. Wolf sei kein „lieber Täter“, auch wenn er sich selbst gerne so darstelle. Bei der Entführung habe er die Frau und ihren Mann fast zehn Stunden lang in Todesangst gehalten.

Die Anklage bezeichnete die Entführung als das „I-Tüpfelchen“ all der Straftaten, die Wolf in seinem Leben begangen hat. Klunke schilderte vor Gericht dessen kriminelle Karriere: Mit 15 Jahren die erste Straftat, später floh er mehrfach aus der Haft. Immer wenn das Geld knapp wurde, plante er den nächsten Coup. „Das ist ganz typisch für ihn: Ihm fällt nichts anderes ein, als Straftaten zu begehen“, sagte Klunke. Bei dem Banküberfall in Hamburg erbeutete er fast 500.000 D-Mark, drei Jahre später erpresste er mit der gleichen Masche in den Niederlanden noch einmal 110.000 Euro.

„Das ganz große Ding“

Inzwischen lebte Wolf mit seiner Freundin unter falschem Namen in Frankfurt. Doch schon bald begann der Angeklagte den Angaben zufolge erneut mit der Planung für die nächste Tat. „Diesmal sollte es das ganz große Ding werden“, sagte die Staatsanwältin. Er habe so viel Geld erbeuten wollen, dass es bis an sein Lebensende reicht. Am 27. März 2009 klingelte er bei der Ehefrau eines Wiesbadener Bankangestellten, bedrohte sie mit einer Luftpistole und entführte sie. Das Opfer leide bis heute unter Angstzuständen, berichtete Klunke.

Die Frau habe von sich aus das Gespräch mit ihrem Entführer gesucht, ihn im Gefängnis besucht. „Doch sie musste feststellen, dass der Angeklagte in allererster Linie über seine eigenen Befindlichkeiten geredet hat“, betonte die Staatsanwältin. Das Kopfschütteln und die Einwände des Angeklagten im Gerichtssaal ließ sie nicht gelten. In ihren Augen habe kein Opfer-Täter-Ausgleich stattgefunden, der eine mildere Strafe rechtfertige.

Das Plädoyer der Verteidigung wird für nächsten Dienstag (13. Dezember, 9.00 Uhr) erwartet. An dem Tag könnte auch das Urteil gesprochen werden.