Prozess

Ausbrecherkönig Wolf bittet Opfer um Verzeihung

Thomas Wolf hat vor Gericht in Wiesbaden ein Geständnis abgelegt und seine Taten bereut. Der 58-Jährige ist wegen Entführung und Bankraubs in mehreren Fällen angeklagt.

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Der Bankräuber und Erpresser Thomas Wolf hat vor dem Wiesbadener Landgericht ein Geständnis abgelegt. "Ich bereue meine Taten zutiefst", sagte der 58-Jährige. Er richtete sich explizit an sein Entführungsopfer, die Frau eines leitenden Bankangestellten aus Wiesbaden, und bat sie und ihre Familie um Verzeihung.

"Mit meiner Tat habe ich eine gesamte Familie zehn Stunden lang in Angst und Schrecken versetzt“, sagte der Angeklagte. "Da gibt es nichts zu verharmlosen.“

Wolf hatte die Frau im März 2009 entführt und 1,8 Millionen Euro Lösegeld erpresst. Der Angeklagte räumte auch die beiden ihm zur Last gelegten Banküberfälle ein. Dabei zeigte er sich reumütig, dass er bei den Taten in Hamburg und den Niederlanden auch die Bankangestellten in Angst versetzt habe.

Er habe sie zur Erbeutung von hohen Geldsummen benutzt, räumte Wolf ein. Die Vorwürfe gegen ihn seien völlig unstrittig. Er habe sofort nach seiner Festnahme vor zwei Jahren alles gestanden, dazu habe es keiner Beweise bedurft. Der Angeklagte kritisierte, dass in der Öffentlichkeit von ihm ein Zerrbild entstanden sei. Schuld daran trägt seiner Meinung nach die Polizei.

Nach der Entführung habe der "knallige Hinweis“ auf dem Fahndungsaufruf geprangt, dass er mit Sicherheit bewaffnet sei. "Dabei wusste die Polizei genau, dass ich in meinem Leben noch nie eine scharfe Waffe benutzt habe“, sagte Wolf. Eine große Tageszeitung habe vor einem halben Jahr getitelt, er sei Deutschlands gefährlichster Verbrecher.

In seiner Einlassung wolle er wichtige Fakten hinzufügen, um dieses Bild von ihm zu entzerren. Dabei holte Thomas Wolf weit aus, berichtete von einer lieblosen Mutter, die zu viel Alkohol trank und sich einen Liebhaber zulegte, von der zerrütteten Ehe seiner Eltern und seinem Abrutschen in die Kriminalität.

Richter verweist auf Fluchtgefahr

Zuvor hatte der Vorsitzende Richter Jürgen Bonk einen Befangenheitsantrag der Verteidigung als unbegründet zurückgewiesen. Der Anwalt Joachim Bremer hatte sich über die Sicherheitsvorkehrungen beschwert. Er hält es für nicht akzeptabel, dass sein Mandant zwischen zwei Justizbeamten an einem Tisch hinter ihm sitzen muss. Dadurch wird seiner Ansicht nach die Verteidigung behindert. Das Gericht kam zu einer anderen Überzeugung.

Der Richter begründete die Sicherheitsvorkehrungen damit, dass Thomas Wolf bereits viermal aus der Haft geflüchtet ist. Außerdem habe der Angeklagte einst im Gefängnis mit mehreren Mithäftlingen eine Geiselnahme geplant. Beim späteren Prozess sei Wolf über die Balustrade gesprungen und habe sich dem Ausgang genähert, dabei sei es zu einem "Kampfgetümmel“ mit den Justizbeamten gekommen.

Dass in diesem Prozess nun auf eine Sicherungsverwahrung geprüft werde, erhöhe die Fluchtgefahr noch, sagte Bonk. Auch Wolfs Borreliose-Erkrankung infolge eines Zeckenbisses schließe einen Fluchtplan nicht mit Sicherheit aus. Der Richter betonte, dass die Sitzordnung ein faires Verfahren nicht behindere.