Pop-up-Gesellschaft

Deutsche leiden unter ihrem anstrengenden Leben

Der Stress im Beruf, ständige Erreichbarkeit oder Angst vor dem Alter - die Deutschen fühlen sich oft ausgelaugt und überlastet. Doch die wenigsten wollen etwas daran ändern und verschieben ihr Wohlbefinden auf "später".

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Die meisten Erwachsenen in Deutschland finden ihr Leben anstrengender als früher. Fast 60 Prozent klagten bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) über zusätzliche Belastungen im Leben.

Knapp 40 Prozent meinten dagegen, es werde nur mehr darüber geredet, ergab die am Freitag in Hamburg vorgestellte Untersuchung. Vor allem Stress im Beruf (59 Prozent), finanzielle Sorgen (43 Prozent), ständige Erreichbarkeit (30 Prozent) und familiäre Belastungen (23 Prozent) machten den Befragten zu schaffen.

„Die Arbeitswelt, aber auch unser gesellschaftliches Zusammenleben haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert“, sagte TK-Psychologe Heiko Schulz. „Wir leben heute in einer Pop-up-Gesellschaft, in der auf Handy-Displays und Bildschirmen ständig Fenster aufpoppen, die zum Multitasking zwingen.“

Davon würden Arbeitsabläufe und das Privatleben oft mehr beeinflusst, als uns bewusst und lieb sein könne. Zudem sorge die mobile Kommunikation dafür, dass die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit immer weiter verschwimme.

Viele Deutsche fürchten sich vor Krankheit im Alter

Geht es um die Zukunft, fürchten sich Knapp drei Viertel (72 Prozent) der Deutschen, im Alter ernsthaft krank zu werden. Fast zwei Drittel (64 Prozent) sorgen sich außerdem darum, später ein Pflegefall zu werden und ihre Selbstständigkeit zu verlieren.

Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach hervor. Im Auftrag des Finanzdienstleisters MLP wurden 1751 Personen ab 16 Jahren befragt.

Jeder Vierte will so lange wie möglich arbeiten

Die Hälfte (48 Prozent) will später mehr für ihre Gesundheit und Fitness tun. Ähnlich viele (47 Prozent) gaben an, im Alter größere Reisen unternehmen zu wollen. Zugleich rechnen gut zwei Drittel (69 Prozent) der unter 60-Jährigen aber damit, dass die Rente oder das Ersparte später nicht reichen werden. Deshalb hat sich etwa jeder Vierte (23 Prozent) vorgenommen, so lange wie möglich zu arbeiten.

Für andere eine Belastung zu sein, fürchten rund 60 Prozent der Befragten. 30 Prozent haben die Sorge, sich später nicht mehr um ihren Partner kümmern zu können. Ebenso viele haben Bedenken, nicht mehr ernst genommen zu werden. Und knapp 45 Prozent haben Angst davor, später ins Alten- oder Pflegeheim ziehen zu müssen.