Work-Life-Balance

So schaffen Sie sich mehr Freiräume im Job-Alltag

Termindruck, E-Mail-Flut, Meeting-Marathons: Die Wenigsten können Balance halten zwischen Job und Freizeit. Trotzdem ist dieses Ziel erreichbar. Durch kluges Zeitmanagement.

Foto: pa/bilderlounge/F1 ONLINE

Ein Top-Job, ein erfülltes Familienleben, ein großer Freundes- und Bekanntenkreis und jede Menge Zeit für Sport und Hobbys – am liebsten wollen wir alles auf einmal. Aber die Realität sieht meistens ganz anders aus. Das Fußballspiel des Sohnes überschneidet sich mit dem Projekt-Meeting. Der Kurzurlaub muss verschoben werden, weil eine Präsentation bei einem wichtigen Kunden ansteht, und der freie Nachmittag fällt einer Telefonkonferenz zum Opfer.

Der Job frisst bei vielen fast die ganze Zeit auf. Work-Life-Balance? Fehlanzeige! Die meisten sind rund um die Uhr erreichbar und schuften auch nach Feierabend oder am Wochenende. Doch: Wer sein Leben immer nur dem Job unterordnet , riskiert seine Gesundheit und setzt seine privaten Beziehungen leichtfertig aufs Spiel.

Die gute Nachricht lautet: Trotz Termindruck, E-Mail-Flut und Marathon-Meetings ist Work-Life-Balance möglich. Der Schlüssel dazu ist überlegtes Zeitmanagement. Hier geht es nicht darum, aus einer Stunde 66 Minuten zum Arbeiten herauszuholen oder berufliche Verpflichtungen und private Termine optimal aufeinander abzustimmen. Es geht darum, ganz bewusst Zeit-Freiräume zu schaffen, um die vier folgenden Lebensbereiche in Einklang zu bringen: Beruf und Leistung, Familie und Freunde, Gesundheit und Fitness, Sinn und Werte.

Stress im Job, Überstunden und Wochenendarbeit gehören ganz bestimmt nicht zu den Dingen, die das Leben ausmachen. Wahrer Luxus ist Zeit zu haben, um einfach nur das zu tun, wonach einem gerade ist – trödeln, träumen, lesen, laufen, Freunde treffen…

Der erste Schritt zur Work-Life-Balance ist ganz einfach: Werfen Sie Ballast ab! Nehmen Sie Ihren Terminplaner zur Hand und gehen Sie die vergangenen Tage und Wochen durch. Markieren Sie alle To-Dos, die sich im Nachhinein als unnötig erwiesen haben, mit roter Farbe. Sie werden sehen, dass einiges zusammenkommt. Lassen Sie die roten Aufgaben in Zukunft links liegen. Und: Wenn Sie ein Team führen, dann bitten Sie Ihre Mitarbeiter, dass sie ihre Aufgaben ebenfalls genau unter die Lupe nehmen und Überflüssiges konsequent streichen.

Natürlich sind berufliche Herausforderungen eine tolle Sache. Aber: Wenn Sie neue Projekte in Angriff nehmen, sollten Sie sich im Gegenzug von alten Verpflichtungen trennen. Delegieren Sie deshalb alle Aufgaben, die nicht zum Kern Ihrer Tätigkeit gehören. Und: Tauschen Sie Aufgaben mit Ihren Kollegen. Angebote einholen, Statistiken erstellen, Kundenbefragungen auswerten – überlegen Sie, wer der beste Mann oder die beste Frau für diesen Job ist. Verteilen Sie dann alle Tätigkeiten neu, sodass Sie sich gegenseitig in Ihren Stärken ergänzen. Bauen Sie ein Team auf, in dem jeder das tut, was ihm wirklich liegt!

Immer mehr Menschen sind davon überzeugt, dass das Büro der schlechteste Ort der Welt ist, um richtig arbeiten zu können. Weshalb? Weil sie ständig gestört werden – von Meetings, Mails, Kollegen oder Kunden. Dadurch ziehen sich viele Aufgaben unnötig in die Länge. Deshalb: Machen Sie es wie die Ingenieure von Intel und vereinbaren Sie mit den Kollegen mindestens einen Vormittag in der Woche, an dem alle ungestört arbeiten können. Streichen Sie alle Besprechungen , schalten Sie den Anrufbeantworter ein und das Mail-Programm aus.

Sorgen Sie dafür, dass die Balance auch am Arbeitsplatz nicht zu kurz kommt: Integrieren Sie beispielsweise kleine Balance-Kicks in Ihren Arbeitsalltag. Gönnen Sie sich regelmäßig kleine Pausen, um Ihre Akkus neu aufzuladen. Belohnen Sie sich und Ihre Kollegen mit einer Tasse Kaffee, wenn Sie eine Aufgabe schneller als geplant erledigt haben. Oder genehmigen Sie sich einen frühen Feierabend, wenn Sie ein wichtiges Projekt erfolgreich abschließen konnten.

Eine echte Balance-Sünde ist es, sich regelmäßig Arbeit mit nach Hause zu nehmen. So ist keine Trennung von Arbeit und Freizeit möglich. Irgendwann leben Sie nur noch für Ihren Job. Erklären Sie Ihr Zuhause zumindest am Sonntag, besser noch am kompletten Wochenende, zur arbeitsfreien Balance-Zone. Meiden Sie alles, was Sie an den Beruf erinnert. Schalten Sie Ihr Handy ab, verzichten Sie darauf, Ihre Mails zu checken und vergessen Sie am besten Ihre beruflichen Sorgen.

Auf die richtige Mischung kommt es an: Natürlich gibt es im Job immer wieder Phasen, in denen man richtig ranklotzen muss. Aber das ist nur halb so schlimm, wenn Sie für Ausgleich sorgen und darauf achten, dass die Mischung von Job und Privatem unterm Strich für Sie stimmt. Denn: Für eine gelungene Work-Life-Balance gibt es kein Patentrezept. Jeder Mensch hat seine eigenen Vorstellungen, was die richtige Dosis von Erfolg und Erholung, von Leistung und Lebensfreude betrifft. Die Maßstäbe setzen Sie ganz allein. Was zählt ist, dass Sie die Balance finden, mit der Sie sich wohlfühlen!

Lothar Seiwert : Simplify your Time. Einfach Zeit haben. Frankfurt: Campus, 2010 (19.95 Euro, auch als Hörbuch-CDs und Abreißkalender 2012)