Umweltkatastrophe droht

Vollbeladenes Containerschiff vor dem Untergang

Wettlauf gegen die Zeit: Risse durchziehen das vor Neuseeland havarierte Containerschiff "Rena". Schlechtes Wetter macht die Rettungsarbeiten aber unmöglich.

Eine Woche nach dem Schiffsunglück vor Neuseeland droht das havarierte Schiff auseinanderzubrechen. Das örtliche Fernsehen zeigte Bilder eines großen Risses in der Seite der "Rena", die mit großer Schlagseite auf dem Riff festliegt. Es wird befürchtet, dass das 236 Meter lange Containerschiff auseinanderbricht und so eine verheerende Ölpest auslösen könnte. Da sich das Wetter verschlimmerte, mussten die Rettungsarbeiten unterbrochen werden.

Aus der "Rena" sind schon etwa 300 Tonnen Schweröl ins Meer geflossen, mehrere ölverklebte Seevögel sind verendet. Das Unglücksgebiet vor der Plenty-Bucht ist ein Paradies für Seevögel, Delfine und Wale. Die Badestrände sind auch bei Touristen sehr beliebt. Das Umweltministerium sprach bereits von der größten maritimen Umweltkatastrophe in der Geschichte des Landes.

Freiwillige Helfer, Behörden und Soldaten versuchen unterdessen am Strand von Tauranga, erste Folgen der Schiffshavarie zu beseitigen. "Wir hatten am Montag die ersten Ölflecken vom Unfall. Die waren riesengroß, teilweise so groß wie ein Autoreifen", sagte der 20 Jahre alte Julian Klose. Der Hildesheimer arbeitet als Aushilfe in einem Restaurant der Stadt.

Ein Kommandeur der Behörde Maritime New Zealand (MNZ), Nick Quinn sagte, die Entfernung des Öls habe Priorität. "Bisher haben wir nur eine leichte Verschmutzung der Strände gesehen", erklärte er. "Das wird in den kommenden Tagen deutlich zunehmen, wenn mehr Öl angespült wird." Derzeit versuchten drei Schlepper, den Frachter auf dem Riff zu halten, teilte die MNZ mit.

Das Wetter am Astrolabe-Riff machte weitere Arbeiten unmöglich: Die Wellen erreichten am Mittwoch eine Höhe von fünf Metern, wie der Sprecher von MNZ, Steve Jones, erklärte. Unter diesen Umständen könnten die Rettungskräfte nicht an Bord gehen. Meteorologen rechneten jedoch für Donnerstag mit einer Beruhigung der See.

Philippinischer Kapitän kurzzeitig festgenommen

Im hohen Wellengang neigte sich das Schiff weiter. Etwa 70 der mehr als 1300 Container fielen über Bord. Die MNZ erklärte, es habe sich nicht um Container mit gefährlichen Substanzen gehandelt. Die verliebenen Container bewegen sich und machen die Arbeiten an Bord gefährlich. Sechs Schiffe wurden entsandt, um die im Meer treibenden Container einzusammeln.

Der Kapitän des Frachters wurde festgenommen und dem Gericht vorgeführt. Dem 44-jährigen Philippiner wird vorgeworfen, beim Betrieb des Schiffes unnötige Risiken eingegangen zu sein. Er kam bereits gegen Kaution frei und muss am 19. Oktober erneut vor Gericht erscheinen. Bei einer Verurteilung drohen ihm eine Geldstrafe und bis zu zwölf Monate Haft.

Unterdessen wurde auch der Zweite Offizier wegen des Unglücks beschuldigt, der in der Regel für die Navigation und die Pflege der Seekarten zuständig ist. Die örtlichen Behörden hatten sich wiederholt gewundert, wie es zu der Havarie kommen konnte. Das nur 80 Meter breite Riff sei seit mehr als 180 Jahren in den Seekarten verzeichnet, und es gebe für Schiffe klare Anweisungen, wie es zu umrunden sei.

Das Schiff war am 5. Oktober auf das Riff aufgelaufen. An dem Tag hatte der Kapitän Geburtstag, wie laut Medienberichten aus den Ermittlungsunterlagen hervorgeht.

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