Murray-Prozess

"Michael Jackson hätte gerettet werden können"

Michael Jacksons früherer Arzt Conrad Murray hätte das Leben des Stars nach Aussage eines Mediziners retten können. Man müsse kein Arzt sein um zu wissen, dass man die Notrufnummer 911 wählen müsse, wenn jemand leblos aufgefunden werde, kritisierte Herzspezialist Alon Steinberg vor Gericht.

Michael Jackson könnte nach Einschätzung eines Herzspezialisten noch am Leben sein, wenn der Leibarzt des Sängers sofort die richtigen Maßnahmen ergriffen hätte. Der Kardiologe Alon Steinberg warf dem wegen fahrlässiger Tötung angeklagten Kollegen Conrad Murray am Mittwoch schwere Fehler und „grobe Vernachlässigung“ seiner ärztlichen Pflichten vor. Man müsse kein Arzt sein um zu wissen, dass man die Notrufnummer 911 wählen müsse, wenn jemand leblos aufgefunden werde, sagte Steinberg vor dem Gericht in Los Angeles. Als Zeuge für die Staatsanwaltschaft hatte Steinberg in der dritten Prozesswoche ausgesagt.

Murray habe es unter anderem versäumt, sofort den Notarzt zu alarmieren, als er Jackson bewusstlos im Bett fand. Er habe die Wiederbelebungsversuche verpatzt und später im Krankenhaus den Notärzten wichtige Informationen vorenthalten, kritisierte Steinberg Jacksons Arzt.

Die Verteidigung überraschte am Mittwoch mit einer Kehrtwende: Murrays Anwälte vertraten bisher die Theorie, dass Jackson zum Einschlafen möglicherweise das Narkosemittel Propofol heimlich schluckte, als sein Arzt kurz das Zimmer verlassen hatte. Nun räumte Murrays Verteidiger Michael Flanagan ein, dass die Einnahme von Propofol durch den Mund nach wissenschaftlichen Studien vermutlich nicht zum Tode führen würde. Das Narkosemittel wird Patienten vor Operationen normalerweise direkt in die Vene geleitet.

Welche Strategie die Verteidiger nun einschlagen werden, blieb zunächst unklar. Sie könnten argumentieren, dass Jackson sich selbst Propofol spritzte oder dass er zu anderen Tabletten griff, die den plötzlichen Tod herbeiführten.

Die Staatsanwaltschaft wirft Murray vor, Jackson eine Überdosis des Narkosemittels Propofol gegeben und ihn dann vernachlässigt zu haben. Im Falle eines Schuldspruchs wegen fahrlässiger Tötung drohen ihm bis zu vier Jahre Haft. Murray hatte Jackson nach eigener Aussage nach einer schlaflosen Nacht am 25. Juni 2009 gegen 10.40 Uhr 25 Milligramm Propofol verabreicht. Rund 20 Minuten später ging er nach eigener Darstellung für „ungefähr zwei Minuten“ auf die Toilette. Als er zurückkehrte, habe Jackson nicht mehr geatmet.

Steinberg wies aber darauf hin, dass Jackson zu diesem Zeitpunkt noch einen Puls gehabt habe. „Er hätte zu diesem Zeitpunkt ganz eindeutig noch gerettet werden können.“ Die Sanitäter wurden erst um 12.20 Uhr gerufen und erreichten Jacksons Villa nach sechs Minuten. „Michael Jackson wäre noch am Leben“, wenn die Sanitäter sofort gerufen worden wären, sagte Steinberg.

Es sei aber bereits fahrlässig gewesen, Jackson alleine zu lassen, sagte Steinberg. Nach der Verabreichung von Propofol sei dies, als lasse man ein Baby alleine auf dem Küchentisch schlafen.