Auszeichnung

Bushido verteidigt seinen Integrations-Bambi

Viele empfinden seine Texte als diskriminierend, sexistisch oder gewaltverherrlichend. Dennoch soll der Rapper Bushido am Abend den Bambi "Vorbild für Integration" erhalten. Er könne die Kritik verstehen, sagt er, verteidigt aber dennoch die Preisvergabe.

Der Rapper Bushido wehrt sich gegen die scharfe Kritik an seiner Wahl zum Bambi-Preisträger. „Der Vorwurf ist zu Recht da, ich bin ja kein Kind von Traurigkeit“, sagte Bushido am Donnerstag dem Hessischen Rundfunk. Er habe selbst schön mächtig ausgeteilt, das sei der „menschliche Makel“, den er habe.

„Aber nichtsdestotrotz weiß ich natürlich, was richtig und falsch ist“, verteidigte sich der 33-Jährige. Viele empfinden die Texte von Bushido als diskriminierend, sexistisch oder auch gewaltverherrlichend.

Am Abend sollte Bushido in Wiesbaden den Bambi als „Vorbild für Integration“ erhalten. „Wenn man mich von Mensch zu Mensch anspricht, bekommt man von mir immer die richtige Antwort – egal, was meine Musik sagt“, sagte Bushido dem Radiosender. Ein wenig nervös sei er dennoch vor der Preisverleihung. Er wisse noch nicht, was er sagen werde. „Ich hoffe, ich werde nicht ausgebuht.“

Bei Twitter und Facebook gab es einige Protestaufrufe, weil Bushido sexistisch oder schwulenfeindlich sei. Hessens SPD-Vorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel kündigte an, bei der Preisübergabe nicht zu applaudieren: „Bei mir wird sich keine Hand rühren“, sagte er dem hr. Das Frauenhilfswerk Terre des Femmes (Berlin) nannte die Entscheidung für Bushido als Preisträger „fatal“.

Die bayerische Grünen-Landtagsabgeordnete Claudia Stamm kritisierte in einem Protestschreiben an den Münchner Unternehmer und Bambi-Jury-Vorsitzenden Hubert Burda: „Bushido ruft in seinen Texten und Statements zu Gewalt gegen Schwule und Lesben auf. Unter „gelungener Integration“ verstehe ich etwas anderes.“

Dagegen sieht Hessens Integrationsminister in der Wahl Bushidos auch eine Chance: Der Rapper sei umstritten oder auch streitbar. „Er bedient üble Klischees, aber er nutzt auch seine Popularität, um gute Botschaften zu verbreiten, etwa: Ausländer, die hier leben, müssen die deutsche Sprache lernen“, sagte Jörg-Uwe Hahn (FDP). Bushido spreche „die Sprache der Kids“. Der Preis solle ihm Ansporn sein. „Er hat jetzt den Auftrag, sich als Brückenbauer zu profilieren“, sagte Hahn.

Von Ausländern in Deutschland forderte Bushido unterdessen erneut Deutschkenntnisse ein: „Wenn ich hier in Deutschland lebe, muss ich mich nicht nur an die Regeln halten, sondern ich muss auch dafür sorgen, dass die Menschen in der Lage sind, mit mir zu kommunizieren.“ Frage ihn zum Beispiel Fußball-Nationalspieler Thomas Müller nach der Uhrzeit, müsse man ihm auch auf Deutsch antworten können, „ohne dass ich mit der Schulter zucke und ohne, dass ich sage „Halt' die Fresse, du scheiß Kartoffel.““