Polizistenmord von Heilbronn

Gesuchte Komplizin der toten Bankräuber gefasst

Die Mitbewohnerin der toten Bankräuber aus Eisenach hat sich der Polizei gestellt. Die 36-Jährige soll auch zur Neonazi-Szene gehören.

Die im Zusammenhang mit dem Polizistenmord von Heilbronn gesuchte 36-jährige Frau ist einem Medienbericht zufolge gefasst. Sie habe sich der Polizei in Jena gestellt, berichtete der Radiosender Antenne Thüringen. Die Frau wurde festgenommen und werde nun nach Zwickau gebracht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Meiningen.

Zuvor war bundesweit nach der Frau gesucht worden. Sie soll in der sächsischen Stadt mit zwei Bankräubern zusammengewohnt haben, die sich am Freitag nach einem Überfall in Eisenach erschossen hatten. Bei den Toten fanden die Ermittler die Dienstwaffen der 2007 in Heilbronn getöteten Polizistin und ihres damals schwer verletzten Kollegen. Spekuliert wird, ob die Täter eine Verbindung in die Neonazi-Szene hatten.

Ehemalige Bombenbauer in der rechten Szene

Die beiden Bankräuber im Alter von 34 und 38 Jahren und die 36 Jahre alte Frau sollen nach Darstellung der Thüringer Linke-Fraktion und Medienberichten bereits als Bombenbauer in Erscheinung getreten sein.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Antje Dietsch wies dies jedoch zurück: „Das sind Spekulationen, die die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Zwickau nicht hergeben.“

Der Thüringer Linke-Fraktion zufolge wurden die beiden Toten und die 36-Jährige bereits 1998 polizeilich gesucht. Nach der Aushebung einer Bombenwerkstatt in Jena seien die drei geflüchtet und spurlos verschwunden, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Martina Renner.

Das Landeskriminalamt observierte die Männer

Das Landeskriminalamt soll die Männer Medienberichten zufolge fünf Monate lang observiert haben. Das Verfahren wurde 2003 wegen Verjährung eingestellt. Ein Sprecher des Thüringer Innenministeriums wollte sich zur Identität der mutmaßlichen Bankräuber aus ermittlungstaktischen Gründen nicht weiter äußern.

Die Wohnung der Bankräuber und der Frau in Zwickau wurde kurz nach den Vorfällen in Eisenach durch eine Explosion zerstört. Die Frau, die hier unter dem Namen Susann lebte, soll das Gebäude kurz vor der Detonation verlassen haben.

Wie die beiden Männer im Zusammenhang mit dem Polizistenmord in Heilbronn stehen, ist nach Angaben der Polizei in Gotha noch nicht geklärt. Es werde nun versucht, die Spur der Dienstwaffen zurückzuverfolgen. Die in Heilbronn ermordete Polizistin stammte aus dem südthüringischen Oberweißbach. Ob es einen Zusammenhang zwischen der Herkunft der getöteten Beamtin und dem Fundort der Waffen gibt, ist bislang unklar.

Parallelen zum Polizistenmord in Augsburg?

Und es gibt noch mehr Fragen in diesem mysteriösen Fall, denn jetzt wird auch ein Zusammenhang mit dem Polizistenmord von Augsburg Ende Oktober überprüft. „Das ist eine Spur von vielen, die derzeit geprüft und bewertet wird. Nicht mehr und nicht weniger“, sagte ein Polizeisprecher und bestätigte damit einen Online-Bericht der „Augsburger Allgemeinen“.

Bislang seien zwischen den beiden Polizistenmorden jedoch keine „Schnittstellen“ erkennbar, sagte ein Polizeisprecher in Augsburg. Man stehe jedoch mit den Kollegen in Thüringen in engem Kontakt.

Allerdings werde nun untersucht, ob der Augsburger Polizist mit den in Eisenach entdeckten Waffen erschossen wurde. Zudem sollen die DNA-Spuren der Bankräuber mit den im Augsburger Siebentischwald gefundenen Spuren verglichen werden. Mit Ergebnissen sei in den kommenden Tagen zu rechnen, sagte der Sprecher.

Der 41 Jahre alte Augsburger Hauptkommissar war in der Nacht zum 28. Oktober nach einer Routinekontrolle von einem Unbekannten erschossen worden. Seine Kollegin wurde durch einen Streifschuss verletzt. Seitdem fahndet die Polizei nach den Tätern – bislang jedoch ohne heiße Spur.

Die Belohnung für Hinweise zur Ergreifung der Täter wurde inzwischen auf 55.000 Euro erhöht. Seit Dienstag bittet die Polizei zudem mit mehrsprachigen Fahndungsflugblättern um Hinweise. Sie sollen an rund 3700 Haushalte rund um den Tatort verteilt werden. Darauf ist neben einem Motorrad und einer schwarzen Tasche ein Motorradhelm zu sehen. Darüber hinaus wird an diesem Mittwoch in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ nach den Tätern gesucht.