Klebsiella

Bremen - der Todes-Keim auf der Frühchenstation

Drei frühgeborene Babys sind schon auf einer Bremer Intensivstation an einem resistenten Klebsiella-Keim gestorben. Die Quelle der Infektion ist noch immer unbekannt.

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In der Bremer Klinik, in der drei Säuglinge an Keimen starben, dauert die Suche nach der Keimquelle noch an. Staatsanwaltschaft ermittelt.

Video: Reuters
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Krisensitzungen im Krankenhaus und in den zuständigen Behörden, Schuldzuweisungen, Beschwichtigungen und weiter große Trauer und Bestürzung. Am Tag nach dem Bekanntwerden des Todes dreier Frühchen nach einer Keiminfektion in der Neugeborenenstation des Krankenhauses Mitte versuchte das Bremer Gesundheitswesen nachzuholen, was es womöglich über mehrere Wochen, vielleicht aber auch nur vier Tage lang versäumt hatte: Wenigstens ansatzweise Klarheit zu schaffen über eine Keiminfektion, die bisher drei zu früh geborene und deshalb für derartige Erkrankungen besonders anfällige Babys das Leben gekostet hat.

Warum man nicht spätestens nach dem zweiten Todesfall, der sich am 16. Oktober ereignet hatte, die ganze Pränatalstation schloss. Warum die unterm Strich für das staatliche Klinikum verantwortliche Gesundheitssenatorin erst an diesem Dienstag, also fünf Tage nach dem Tod des dritten Kindes über die Lage im Klinikum Mitte informiert worden ist.

Ob und wo es Informationspannen gegeben hat. Und, wenn es die nicht gegeben hätte, was wäre dann anders gelaufen? Fragen, Fragen. Befriedigende Antworten, zumal für die Eltern der betroffenen Kinder – zwei Jungen, ein Mädchen – gibt es aber bisher nicht.

Darm- und Hirnhautentzündungen sind die Folge

Gesichert erscheint bisher, dass der Keim im Juli erstmals auf der Frühchenstation identifiziert wurde. Er ist multiresistent, also für Antibiotika unanfällig, trägt den Gattungsnamen Klebsiella und ruft vor allem Lungenentzündungen hervor. Auch Darm- und Hirnhautentzündungen können auftreten.

Insgesamt infizierten sich 15 Frühchen mit dem Keim. Das erste Kind starb Mitte August. Wenig später gab man intern offenbar Entwarnung, da es keine Neuerkrankungen mehr gab. Die hygienischen Gegen- und Vorsorgemaßnahmen schienen gegriffen zu haben. Die Situation war scheinbar bereinigt, so weit man das auf einer Intensivstation für Frühgeborene sagen kann.

50 Prozent der dort betreuten Säuglinge mit einem so geringen Gewicht (unter 1000 Gramm) überlebten nicht, berichtete die ärztliche Leiterin des Klinikums gestern und lieferte so eine Erklärung, warum man nicht früher den Weg an die Öffentlichkeit und zu den Experten des Robert-Koch-Instituts gesucht habe.

Das erste tote Baby war zunächst ein bedauerlicher, aber eben keineswegs ungewöhnlicher Einzelfall. Eine Einschätzung, die womöglich auch für das Bremer Gesundheitsamt teilte, das nach Angaben des Chefs des kommunalen Klinikverbundes „Gesundheit Nord“, Diethelm Hansen, frühzeitig in die Vorfälle eingebunden gewesen sei.

Öffentlichkeit viel zu spät informiert

Auch das zweite tote Frühchen, das Mitte Oktober dem Keim erlag, ließ die Alarmglocken noch nicht lauter klingen. Es gehörte zu jenen Babys, die sich bereits im Sommer infiziert hatten. Das winzige Bündel hatte wochenlang gegen den Tod gekämpft. Erst als in der vergangenen Woche ein weiteres, offenbar neu infiziertes Frühchen starb, ahnte man im Krankenhaus Bremen Mitte, dass die Klebsiella-Keime keineswegs ausgeschaltet waren.

Warum es dann noch einmal fünf Tage dauerte, ehe man Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) und schließlich auch die Öffentlichkeit informierte und die Pränatalstation geschlossen wurde, blieb auch am Donnerstag zunächst offen. Ob es, was relativ nahe läge, innerhalb des Gesundheitsamtes Kommunikationsprobleme gegeben hat, soll schnell geklärt werden. Falls ja, kündigte Jürgens-Pieper bereits „Konsequenzen“ an.

Mit der Beantwortung der aus alldem resultierenden Fragen beschäftigt sich inzwischen die Bremer Staatsanwaltschaft. Deren Sprecher, Frank Passade, berichtete, dass auch seine Behörde erst an diesem Mittwoch, also sechs Tage nach dem Tod des dritten Babys von den Fällen erfahren habe. Aus der Presse.

Man ermittele jetzt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und sei dabei, die Krankenunterlagen einzuziehen. Außerdem will die Ermittlungsbehörde ein Gutachten in Auftrag geben, um Erkenntnisse zu gewinnen, „wie es zu der Übertragung kommen konnte“.

Die Pränatalstation der Klinik bleibt einstweilen geschlossen, Frühchen werden vorläufig auf einer anderen Station gepflegt, zu der das Personal der bisher zuständigen Abteilung keinen Zutritt hat. Denn noch ist unklar, auf welchem Weg der Keim übertragen wird.

Immerhin eine gute Nachricht gibt es aus Bremen. Die übrigen zwölf erkrankten Säuglinge sind auf dem Weg der Besserung. Zehn von ihnen werden noch auf einer eigens eingerichteten Isolierstation betreut.

Auch Hamburg hatte Hygiene-Problem

Nicht nur in Bremen scheint es ein Hygiene-Problem zu geben: Auch die Intensiv-Station für Frühchen in der Asklepios-Klinik Hamburg ist im September nach dem Fund multiresistenter Keime für zwei Wochen geschlossen worden. Die Keime seien auf der Haut von 18 Frühgeborenen entdeckt worden, sagte ein Sprecher der Klinik dem Sender „NDR 90,3“.

Die Station sei daraufhin vom 7. bis 22. September gesperrt und desinfiziert worden, ohne dass die Quelle der Keime gefunden wurde. Das Gesundheitsamt habe den Vorfall am 17. Oktober schließlich für beendet erklärt. Bekannt wurde er aber erst jetzt.