Nach Frühchentod

Experten suchen fieberhaft nach Infektionsquelle

In Bremen sind drei zu früh geborene Babys an einer Infektion gestorben. Die Frühchen hatten offenbar eine Infusion mit verunreinigter Nährlösung erhalten. Jetzt suchen Experten fieberhaft nach der Quelle der Infektion, allerdings gebe es derzeit noch keinen Hinweis, wie die Kinder angesteckt wurden.

Nach dem Tod dreier frühgeborener Babys in Bremen wegen eines resistenten Keims will Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) mögliche Pannen bei der Informationen aufklären. Wichtiger sei aber noch, „den Keim im Krankenhaus Bremen-Mitte zu finden, ihn zu stoppen und die Versorgung der Frühchen zu sichern“, teilte sie am Donnerstag mit. „Zweite Priorität hat die Aufklärung, wer wann und wo etwas weitergegeben hat.“

Nach Medienberichten hatte Jürgens-Pieper am Mittwochabend in der Bremer Gesundheitsdeputation, einem Ausschuss mit Abgeordneten, Behördenvertretern und Bürgern, die Klinikleitung kritisiert. „Das hat noch Konsequenzen anderer Art“, zitiert sie der „Weser-Kurier“. „Spätestens im Oktober nach Wiederausbruch hätte man mich und die Deputation informieren müssen.“

Der Chef des Klinikverbundes Gesundheit Nord, Diethelm Hansen, hatte zeitgleich zur Sitzung der Deputation beteuert, sein Haus habe alles getan, um die Todesfälle aufzuklären. Die Behörden seien frühzeitig eingebunden worden.

Die Sprecherin des Klinikverbunds, Karen Matiszick, bekräftigte dies am Donnerstag. „Wir bleiben dabei, dass wir das Gesundheitsamt frühzeitig informiert haben.“ Das bestätigte auch die Sprecherin der Senatorin, Karla Götz. Ob es innerhalb der Behörde eine Panne gegeben hat, werde jetzt geklärt.

Auf der Neugeborenenstation des Klinikums waren in den vergangenen Monaten drei Frühgeborene an Infektionen mit einem gegen Antibiotika resistenten ESBL-Bakterium gestorben. Eines der Kinder starb im August, die beiden anderen im Oktober.

Indes geht die Suche nach dem Erreger weiter. Spezialisten des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind in dem Bremer Klinikum weiter bei der Auswertung der Spuren. „Die Experten des RKI sind vor Ort und versuchen fieberhaft, die Quelle für die Infektionen zu finden“, sagte der Sprecher des betroffenen Klinikums Bremen-Mitte, Daniel Goerke, am Donnerstag. Derzeit gebe es noch keinen Hinweis, wie sich die Frühchen angesteckt haben. „Wir haben noch gar nichts“, sagte er. Die Babystation war am Mittwoch geschlossen worden.

Nach Angaben der Experten könne es 24 bis 48 Stunden dauern, bis Ergebnisse vorliegen, sagte Goerke. Auf der Neugeborenenstation des Klinikums waren in den vergangenen Monaten drei Frühgeborene an Infektionen mit einem gegen Antibiotika resistenten ESBL-Bakterium gestorben.

Insgesamt war der ESBL-Keim auf dem Körper von 15 Kindern nachweisbar, die meisten erkrankten nach Angaben der Bremer Gesundheitsbehörde aber nicht daran. ESBL-Bakterien kommen im Darm jedes Menschen vor. Sie werden gefährlich, wenn sie mutieren und unempfindlich gegen Antibiotika werden. Für Erwachsene sind sie harmlos, Frühgeborene ohne intaktes Immunsystem sind allerdings bedroht.

Nach Angaben von Klinik und Gesundheitsbehörde hatte das Krankenhaus alle erdenklichen Desinfektions- und Hygienemaßnahmen ergriffen, um das Bakterium abzutöten. Auch Wände und Vorhänge wurden demnach gereinigt. „Wir haben alles getan, was in einem solchen Fall gemacht werden kann“, sagte Kliniksprecher Goerke.

ESBL-Infektionen kommen in Krankenhäusern häufiger vor, in der Regel handelt es sich aber eher um Einzelfälle. Im Oktober starb ein Baby in einer Passauer Klinik an dem Keim. In der Vergangenheit sorgten an deutschen Kliniken schon mehrfach gehäufte Sterbefälle bei Säuglingen für Aufsehen. Im September starben innerhalb kurzer Zeit drei Babys in einem Krankenhaus in Siegen , 2010 tötete eine mit Darmkeimen verseuchte Nährlösung drei Kinder in der Mainzer Uniklinik.