Seit August sind in einer Bremer Klinik drei Säuglinge am sogenannten ESBL-Keim gestorben. Wo der Keim herkommt, ist noch unbekannt, sagte der Gesundheitsstaatsrat Joachim Schuster am Mittwoch. „Wir kennen leider nicht die Quelle der Infektion.“ Die Abteilung für Frühchen sei geschlossen worden. Es gebe mehrere erkrankte Kinder, von denen aber keines in Lebensgefahr schwebe. „Die Ursache ist extrem schwierig zu finden.“ Die Quelle könnten Menschen aber auch Gegenstände sein. Die Keime kämen im Darm vor und würden in einer mutierten Form gefährlich.

Die Fälle seien zwischen August und Oktober aufgetreten, sagte Schuster am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Bremen. Das Klinikum hatte von einem „schweren hygienischen Zwischenfall“ gesprochen. Nach Information von Radio Bremen sind zehn weitere Babys erkrankt.

Offenbar seien Keime in einer Nährlösung bei zwei der verstorbenen Kinder die Todesursache gewesen, berichtete der Sender. Auch bei dem dritten, erst kürzlich verstorbenen Baby waren nach Informationen von Radio Bremen gefährliche Keime nachgewiesen worden. Ob es aber letztendlich daran gestorben ist, konnte bisher nicht geklärt werden.

Zur Stunde sei ein Krisenteam des Robert-Koch-Institutes dabei, die Situation zu untersuchen, teilte das Klinikum mit. Die Neugeborenen-Station wurde geschlossen. Auch der Bremer Staatsanwalt Uwe Picard ist vor Ort. Es seien Zeugen einbestellt worden, sagte er, nähere Einzelheiten wollte er nicht bekanntgeben.

Anfang Oktober hatte sich ein frühgeborener Junge in der Passauer Kinderklinik mit einem multiresistenten Keim angesteckt und war gestorben. Drei andere Säuglinge, die sich ebenfalls infiziert hatten, wurden wieder gesund. In der Kinderklinik Siegen starben Anfang September drei Frühgeborene innerhalb kürzester Zeit. Die Ursache dort war offenbar eine Blutvergiftung.

Im August 2010 waren in einer Mainzer Uniklinik drei Neugeborene gestorben, nachdem sie eine verunreinigte Nährlösung bekommen hatten. Die Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen ein, da kein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten festgestellt wurde.

Die gefährliche Verschmutzung mit Darmbakterien war damals vermutlich von einer defekten Infusionsflasche mit einer Zutat für die Lösung ausgegangen. Nach Auskunft von Professor Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene der Universität Bonn, wurde eine „sehr hohe Belastung mit Keimen“ nachgewiesen: 10.000 Keime pro Milliliter, im Trinkwasser seien nur 100 Keime pro Milliliter erlaubt. Drei Babys, als Frühchen oder durch Herzfehler ohnehin stark geschwächt, starben. Wie die Bakterien in die defekte Infusionsflasche mit Aminosäurelösung geraten konnten, blieb zunächst unklar.

Die Zahl von Frühgeburten hat in Deutschland in den vergangenen Jahren zugenommen. Inzwischen ist fast jedes zehnte neugeborene Kind ein sogenanntes Frühchen. Als Frühgeburt gelten Kinder, die vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche lebend auf die Welt kommen

dpa/dapd/mim