Late Night

Stefan Raabs skandalös langweilige Schlaffishow

Bei "Schlag den Raab" zeigte sich das Kampfschwein nicht wie angekündigt als "Super-Jedi", sondern als müder Krieger. Kandidat Klaus hatte leichtes Spiel.

Um 1 Uhr 10 hatte Stefan Raab endlich Feierabend. Nach dem 14. von 15 möglichen Spielen musste er mit sauertöpfischer Miene seinem Kontrahenten Klaus, einem Versicherungskaufmann aus Münster, zum Sieg gratulieren. Womit Raab, nach der Niederlage in einem dramatischen Finale in der letzten Ausgabe, zum zweiten Mal in Folge den Kürzeren zog.

Überhaupt schien der Entertainer, im Intro noch vollmundig als „Super-Jedi von ProSieben“ vorgestellt, diesmal schon zu Beginn nicht sonderlich gut drauf zu sein. Womöglich steckte ihm aber auch noch noch das Stock-Car-Rennen vom vergangenen Wochenende in den Knochen.

Zumindest ließ Raab nach seinem Erfolg im ersten Wettstreit („Knöpfchen drücken“) mächtig nach, verlor anschließend gleich vier Spiele in Folge und schien in seinem traditionellen Kampfdress (Jeans und Schlabberhemd über der Hose) nicht ganz bei der Sache zu sein.

Unter normalen Umständen hätte das populäre Kampfschwein des Privatfernsehens einen Wettbewerb wie „Headis“, eine Art Kopfball-Tischtennis, doch locker gewinnen müssen, doch der Entertainer versagte nicht nur in diesem Wettstreit kläglich. Auch die nächsten beiden Konkurrenzen gingen an den Münsteraner.


Wobei die als Außenwette aufwendig installierte Versuchsanordnung „Strickleiter“ ein glatter Schuss in den Ofen war. Kaum war der Startschuss gefallen, hatte Klaus den Parcours auch schon absolviert, während Raab noch in den Seilen hin. Ein krasses Missverhältnis zwischen Aufwand und erzieltem Show-Effekt. Wozu Reporter Frank Buschmann angemessen nüchtern konstatierte: „Das war ja nix bisher.“

Und so plätscherte das Ganze eher betulich denn spannend dahin. Unter der Quiz-Rubrik „Wer weiß mehr?“ sollten die Kandidaten zunächst 21 Staaten mit Mittelmeerküste und danach 21 Top-10 Singles von ABBA auflisten. Anschließend schleppte sich die Show durch enervierend langatmige Wettbewerbe wie „Schmetterlinge fangen“.

Das Rückwärts-Aufsagen des Alphabets (Raab scheiterte zweimal kurz vor dem Ziel.) oder die Versuche, Bälle über eine Art Kugelbahn in Waggons einer fahrenden Modelleisenbahn zu bugsieren, vermochten jedenfalls die Stimmung im Saal kaum anzuheizen.

Zumal der Kandidat seinem Gastgeber stets voraus war und auch hinsichtlich des Punktestandes kaum Nervenkitzel aufkam. Wo die Show sonst doch immer mindestens einen spektakulären Wettstreit zu bieten hatte, quälten sich die Kontrahenten diesmal mit Spielen wie einem schlichten Scheibenschießen über die Runden, das zudem noch von einem langen Werbeblock unterbrochen wurde.

Beim trüben Treiben fehlte Opdenhövels Witz

Auch Moderator Steven Gätjen vermochte das eher trübe Treiben nicht durch unterhaltsame Kommentare aufzuwerten. Er leistete sich zwar keine Fehler, aber je länger die Veranstaltung sich hinzog, desto mehr sehnte man sich nach den locker-sarkastischen Zwischenbemerkungen seines Vorgängers Matthias Opdenhövel.

Da auch Kommentator Frank Buschmann bei manchen Spielen gänzlich stumm blieb, musste Stefan Raab auch noch für die Sprüche des Abends sorgen. Doch viel mehr als – mit Blick auf die Uhr – anzudrohen, seinen Zeit-Rekord zu brechen und die Sendung später als 1 Uhr 50 enden zu lassen, fiel ihm diesmal auch nicht ein.

Doch so weit ließ es Kandidat Klaus aus Münster zum Glück doch nicht kommen. Da er die Entfernung zwischen Magdeburg und Marburg besser zu schätzen vermochte als Raab, verwandelte er kurz nach 1 Uhr seinen Matchball und durfte anschließend überglücklich seine Gewinnsumme von 500.000 Euro in Empfang nehmen.

Die war ihm natürlich zu gönnen, aber andererseits hatte er gestern auch leichtes Spiel. Denn so lustlos bis indisponiert hat man Stefan Raab in seiner Erfolgsshow bislang selten gesehen. Da vermochten auch die drei Show-Acts (Rosenstolz, Blue Man Group und Noel Gallagher) die schon bald aufkommende Langeweile kaum zu mindern.

Nach der furiosen letzten Ausgabe von „Schlag den Raab“, bei der der Gastgeber im dramatischen Stechen (Flummi-Fangen) schließlich gegen den Polizsten Gil verlor und anschließend mit den Schiedsrichtern haderte, war die gestrige Show eher eine Hängepartie mit Überlänge.

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