Schlag den Raab

Raabs Gegner entpuppt sich als totale Nullnummer

Stefan Raab zeigte in seiner Spielshow, dass mit ihm durchaus weiterhin zu rechnen ist. Und er zudem ein völlig ungeeigneter „Wetten, dass...?"-Moderator wäre.

Während das Volk immer noch auf der Suche nach einem Ersatz für Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass...?“ ist, hieß es bei Pro Sieben zum letzten Mal für dieses Jahr wieder „Schlag den Raab“. Die Frage, ob Stefan Raab ein geeigneter Kandidat sein könnte, kann man nur schnell und eindeutig mit „Nein“ beantworten.

Der Ursprung für „Schlag den Raab“ liegt in den kurzen Filmchen aus den frühen „TV-Total-Jahren, die „Raab in Gefahr“ hießen. Bereits hier bewies Raab, dass er absolut schmerzfrei ist, wenn es darum geht, sich zum Beispiel beim Kunstfliegen, Skispringen oder auf der Beautyfarm zum Kasper zu machen und sowohl verbal als auch körperlich einzustecken.

"Wetten, dass...?“ und sein Publikum gelten als eher konservativ. Das gemeine öffentlich-rechtliche ZDF-Publikum ist mit Raabs häufig schadenfrohem Humor und seiner oft gezielt nahezu unverschämten Art gegenüber seinen Gästen wohl kaum vereinbar, wobei die Co-Moderation des diesjährigen Eurovision Song Contest in der ebenfalls öffentlich-rechtlichen ARD mit Anke Engelke – einer der wenigen Menschen, die es bezüglich Spontaneität und Schlagfertigkeit mit Raab aufnehmen können – durchaus überzeugend war. Allerdings hält sich Raab nicht gerne wie ein Gastgeber zurück, sondern will Teil seiner eigenen Veranstaltungen sein.

Nachdem er die letzten beiden Male verloren hatte, gab Raab sich am Samstag anscheinend unbeirrt: „Ich mach’ das wie der 1. FC Köln.“ Soll heißen: Ungeachtet der realen Verhältnisse mit großer Klappe die Meisterschaft anstreben.

Der Berufssoldat schafft keinen Punkt

Und tatsächlich, während er in der letzten Sendung noch zeitweise wie ein zahnloser Tiger gewirkt hatte, trug er diesmal wieder Kampfgeist zur Schau. Kandidat Oliver, 38 Jahre alt und seines Zeichens Berufssoldat, machte es ihm allerdings sehr einfach, denn Raab gewann zu Null. Dies war ihm zuvor erst einmal vor gut einem Jahr und damals gegen eine Frau geglückt.

Es schien nicht Olivers Tag beziehungsweise Abend zu sein. Er konnte weder beim Spiel „Kerzen anzünden“ noch bei Volleyball noch beim Erfühlen von Weihnachtsplätzchenmotiven punkten. Dass Raab bei Spielen mit fahrbaren Untersätzen in der Regel unschlagbar ist, ist bekannt. Aber dass er Oliver selbst im Weihnachtsbaumfällen schlug, überraschte auch ihn.

Für den „Samurai von Pro Sieben“ – so war Raab in der Einleitung vorgestellt worden – gab es nur wenige Gelegenheiten, wegen angeblicher Benachteiligungen Zeter und Mordio zu schreien, wie er es gerne tut, denn Oliver wirkte permanent angriffsunlustig, und das obwohl er nach eigenen Angaben zur Förderung der körperlichen und geistigen Fitness Krav Maga, eine Nahkampfart der israelischen Streitkräfte, betreibt. Kommentator Frank Buschmann brachte es beim Eishockey auf den Punkt: „Du kannst Raab nur schlagen, wenn du giftig bist, wenn du frech bist, wenn du beißt, wenn du dagegenhältst.“ Davon konnte im Fall von Oliver keine Rede sein.

Das verzwickte Spiel mit den Maiskörnern

Beim letzten Spiel zeigte sich wiederholt Raabs außerordentlich schnelle Auffassungsgabe bezüglich neuer oder eher unbekannter Spielen. Bei Cornhole geht es darum, aus einer bestimmten Entfernung mit Maiskörnern gefüllte Säckchen in ein Loch auf einer dafür vorgesehenen Plattform zu treffen – und Raab traf im Gegensatz zu Oliver.

Dank seiner Vielseitigkeit und seiner ständigen Suche nach und Durchsetzung von neuen Ideen hat Raab es überhaupt nicht nötig, alteingesessene Konzepte wie „Wetten, dass...?“ zu übernehmen.

Für manch anderen mag die Sendung ein willkommener Karriereschub oder auch ein letzter Rettungsanker sein, Raab jedoch kann sich auf sich selbst und auf die Pro-Sieben-Verantwortlichen, die ihm ausreichend Freiraum gewähren, am besten verlassen.

Zwar wird irgendwann der Tag kommen, an dem sich auch ein Stefan Raab von der Showbühne verabschieden wird, aber bis dahin bleiben hoffentlich noch viele unterhaltsame Abende, die eben nicht so vorhersehbar sind wie „Wetten, dass...?“.