Hamburg und NRW

Warnkarte des Wetterdienstes färbte sich bedrohlich

Regen so viel wie sonst in einer Woche, Blitze und Donner: Schwere Unwetter haben vor allem in Hamburg und Nordrhein-Westfalen gewütet und schwere Schäden angerichtet.

Überflutete Fahrbahnen, vollgelaufene Keller, hochgespülte Gullydeckel: Das ist die vorläufige Bilanz, nachdem am Donnerstagabend ein heftiges Unwetter über Nordrhein-Westfalen gewütet hat. Starkregen und Sturmböen sorgten landesweit für Hunderte Polizei- und Feuerwehr-Einsätze. Alles in allem verlief das Unwetter zwischen Rhein und Weser aber glimpflich. Bis Freitagmorgen wurde über Verletzte nichts bekannt.

Ganz anders im benachbarten Belgien: Mindestens fünf Menschen kamen dort ums Leben, als ein Sturm über einem Rockfestival wütete. Das heftige Gewitter brachte Bühnen, Zelte, riesige Leinwände und Metallgerüste zum Einsturz. Das Unglück geschah während des beliebten Pukkelpop-Festivals bei Hasselt, zu dem vermutlich viele Fans aus Deutschland angereist waren. Mit dem Auto ist das Gelände etwa eine Stunde von Aachen entfernt.

Bis zu 6000 Blitze zählte der Wetterdienst Meteomedia innerhalb von zwei Stunden über NRW. Ein Meteorologe sprach von „richtig schweren Gewittern“. Die Warnkarte der Meteomedia-Unwetterzentrale färbte sich über weiten Teilen des Landes violett – die Farbe steht für extrem starke Unwetter.

Am Flughafen Düsseldorf ging nichts mehr

Mancherorts kam so viel Wasser vom Himmel wie sonst innerhalb von zwei Wochen. Am meisten regnete es in Essen mit 41 Litern pro Quadratmeter und in Aachen mit 38 Litern, wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes in Essen sagte. In einem ganzen Monat fielen normalerweise 70 bis 80 Liter Regen, erläuterte der Meteorologe.

Am größten Flughafen des Bundeslandes in Düsseldorf ging zeitweise nichts mehr. Die heftigen Gewitter sorgten Verzögerungen bei Starts und Landungen. Sechs Maschinen wurden umgeleitet – vier nach Köln und zwei nach Frankfurt. Die Passagiere wurden mit Bussen nach Düsseldorf transportiert. Andere Flüge verspäteten sich um bis zu eineinhalb Stunden – trotz Nachtflugverbots durften sie ausnahmsweise doch noch abheben.

Gegen 19 Uhr hatten dicke dunkle Wolken vielerorts den Himmel verfinstert. Schwere Sturmböen von fast 90 Stundenkilometern stürzten Bäume um und rissen Äste ab. Starkregen setzte Keller unter Wasser. Auch mehrere Autobahnen waren betroffen. Die A 52 zwischen Düsseldorf und Essen wurde teilweise überflutet – ebenso die Autobahnen 40 bei Essen und 43 bei Münster.

Im Kreis Mettmann kam eine 26 Jahre alte Autofahrerin aufgrund des Starkregens in einer Kurve von der Fahrbahn ab und geriet in den Gegenverkehr. Sie wurde schwer verletzt. In Voerde im Kreis Wesel traf ein Blitz einen Baum, der brennend auf das Dach eines frei stehenden Einfamilienhauses fiel. Es entstand Sachschaden in Höhe von 100.000 Euro. Verletzt wurde niemand. Auch in Hopsten im Kreis Steinfurt schlug ein Blitz in einem Haus ein und sorgte für Sachschaden.

An der Baustelle des neuen Landesarchivs im Duisburger Innenhafen knickte ein Baukran ab. Der alte Getreidespeicher, der zum Landesarchiv umgebaut wird, wurde laut Polizei nicht beschädigt.

Im Kreis Aachen kam es kurzzeitig zu Stromausfällen und technischen Defekten bei Ampelanlagen. Fünf Fahrzeuge liefen in einer Senke voll Wasser.

Sonntag wird schwül-heiß

Die Unwetterzone zog im Laufe der Nacht weiter nach Osten. Für diesen Samstag ist laut Deutschem Wetterdienst mit Sommerwetter bei Temperaturen zwischen 24 und 27 Grad zu rechnen . Am Sonntag werde es dann schwül-heiß, bevor am Sonntagabend und in der Nacht zum Montag wieder schwere Unwetter und Gewitter drohen.

Auch in Hamburg hielt ein Unwetter die Feuerwehr auf Trab. Die Einsatzkräfte mussten rund 45 Mal ausrücken, um Keller oder Geschäfte leer zu pumpen, die mit Wasser vollgelaufen waren, wie die Feuerwehr sagte. Menschen wurden nicht verletzt. Besonders betroffen war der Stadtteil Bergedorf. In einer Tiefgarage stand das Wasser so hoch, dass etwa 40 Autos an der Decke schwammen.

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