Trauerfeier

Fans nehmen Abschied von Horst-Günter Ludolf

Letze Ehre für Schrotthändler Horst-Günter Ludolf: Fans konnten am Sonnabend bei einer Trauerfeier Abschied nehmen. Ganz Urbach war auf den Beinen.

Foto: dpa

Einen solchen Rummel hat Urbach (Kreis Neuwied) lange nicht erlebt. Schon zwei Stunden vor Beginn der Trauerfeier für den verstorbenen Kult-Schrotthändler Horst Günter Ludolf drängeln sich die Reporter vor dem Haupteingang des Friedhofs der 1.500-Einwohner-Gemeinde. Hier ist am Freitag der aus der Serie „Die Ludolfs – Vier Brüder auf'm Schrottplatz“ bekannte Ludolf im engsten Familienkreis beerdigt worden. Am Tag darauf bekommen die Fans Gelegenheit, vom 56-Jährigen Abschied zu nehmen.

Der kleine Ort im Westerwald hat sich für den erwarteten Ansturm der Fans bestens gerüstet. „Wir mussten davon ausgehen, dass es zu einem hohen Besucherandrang kommt“, sagt der Bürgermeister der zuständigen Verbandsgemeinde Puderbach, Wofgang Kunz (SPD). Er greift auf einen Erfahrungswert aus dem Frühjahr 2007 zurück: Zu einem „Tag der offenen Tür“ auf dem Schrottplatz der vier Brüder wollten mehr als 25.000 Leute kommen. Der Verkehr brach daraufhin zusammen.

Extra aus Bremen angereist

Entsprechend standen am Samstag an den wichtigsten Kreuzungen Polizei und Feuerwehr mit einer großen Zahl an Einsatzkräften bereit, um Parkplätze zuweisen oder den Verkehr umleiten zu können. Bereits gegen Mittag kam die Familie Kuster aus Bremen nach Urbach. „Wir sind die ganze Nacht durchgefahren, um bei der Trauerfeier für Günter mit dabei sein zu können“, berichtet Mutter Gabriele später.

Sie, ihr Mann und die Kinder hätten noch keine einzige Folge der Serie über die Ludolfs auf dem Sender DMAX verpasst, sagt Gabriele Kuster: „Die spielen ihre Rollen so richtig ehrlich und authentisch, wie aus dem richtigen Leben.“ Nichts wirke an den Ludolfs gekünstelt oder überheblich. Der Tod von Günter habe sie daher betroffen gemacht.

Ähnlich sieht dies auch der 26-jährige Student Tobias. Er kam mit seiner Freundin aus Aachen in den Westerwald. „Einmal Fan, immer Fan“, sagt er. Ihm gefalle an der Serie vor allem die natürliche Handlung in dem besonderen Ambiente eines Schrottplatzes.

Am Samstag lassen die Ludolfs ihre Fans auf sich warten. Eine halbe Stunde später als zunächst angekündigt erscheinen Manfred und Uwe Ludolf am Friedhof, und sie entschuldigen sich dafür umgehend: Ihren Bruder Peter habe der Tod von Günter stark mitgenommen, er habe das Haus nicht verlassen wollen.

Weniger Besucher als erwartet

Beide zeigen sich bewegt von der Menge der angereisten Fans und nehmen deren Trauerbekundungen entgegen. „Das ist ganz im Sinne von Günter“, sagt Manfred Ludolf. Der schaue sicherlich vom Himmel aus zu. Ob es weitere Folgen der Serie über die Schrottplatzbrüder, die jetzt nur noch zu dritt sind, geben wird, lässt er offen: „Wir wissen es noch nicht.“

Dass mit mehreren hundert Friedhofsbesuchern letztlich dann deutlich weniger Fans kamen als zunächst angenommen, weiß sich Bürgermeister Kunz nicht zu erklären: „Es kann das schlechte Wetter gewesen sein oder einfach die Tatsache, dass die Leute an einem Samstag nicht so viel Zeit haben.“ Manfred Ludolf sagt dagegen, er sei überzeugt, dass viele Fans erst in den nächsten Tagen oder Wochen das Grab seines Bruders besuchen werden. Der kleine Ort im Westerwald könnte also in nächster Zeit ungewöhnlich viele Besucher haben.