Prozessbeginn

Chamäleon-Krimineller Thomas Wolf vor Gericht

Thomas Wolf wurde unter mindestens 14 Aliasnamen international gesucht. Im Prozess wird es darum gehen, ob der Chamäleon-Verbrecher jemals freigelassen werden kann.

Foto: dpa / dpa/DPA

Am Ende wurde ihm eine Kontaktanzeige zum Verhängnis: Vor zwei Jahren nahmen Zielfahnder den international gesuchten Schwerverbrecher Thomas Wolf auf dem Hamburger Kiez fest. Seitdem sitzt der Mann wieder hinter Gittern, kommende Woche (22. März) beginnt in Wiesbaden sein Prozess.

Fast ein Jahrzehnt hatte der heute 58-Jährige die Ermittler zuvor genarrt, lebte nach seiner Flucht aus einem nordrhein-westfälischen Gefängnis lange unerkannt im Frankfurter Westend. Nicht einmal seine Freundin ahnte, mit wem sie sich eingelassen hatte.

Eine Borreliose-Erkrankung nach einem Zeckenstich hat den heute 58-Jährigen so geschwächt, dass der Prozess erst jetzt beginnen kann. Seine schwere Krankheit wird das Verfahren weiter in die Länge ziehen, denn Wolf ist nur ein paar Stunden pro Tag verhandlungsfähig. Die bisher angesetzten zehn Termine bis Ende April dürften also kaum reichen.

Das Wiesbadener Landgericht muss sich zudem auf großen Andrang einstellen, denn der Fall ist spektakulär. Die Anklagepunkte bieten genug Stoff für einen spannenden Prozess: Entführung einer Bankiersgattin, Erpressung, Banküberfälle. Die Staatsanwaltschaft wirft Wolf zwei Banküberfälle in Hamburg und den Niederlanden sowie eine Entführung in Wiesbaden vor. Bei den Überfällen in den Jahren 2000 und 2003 ging der entflohene Häftling mit einer ähnlichen Masche vor.

Mit einer Bombenattrappe versetzte er die Bankangestellten in Todesangst und erzwang die Herausgabe von insgesamt mehr als 360.000 Euro. Im Frühjahr 2009 ließ Wolf dann einen richtig großen Coup folgen: Er entführte die Frau eines leitenden Wiesbadener Bankangestellten und erpresste 1,8 Millionen Euro von ihrem Mann. Die Frau entkam nach der Geldübergabe, Wolf hatte sie an einen Baum gefesselt.

Den entscheidenden Hinweis erhielt die Polizei schließlich von einer Hamburger Kosmetikerin, die Wolf über eine Kontaktanzeige kennengelernt hatte. Sie wurde misstrauisch, denn der Mann hatte ungewöhnliche Wünsche: Sie solle für 100.000 Euro unter ihrem Namen eine Wohnung für ihn mieten, ein Konto eröffnen und ein Auto zulassen. Sie vertraute sich Freunden an, die ihr im Internet das Fahndungsplakat zeigten. Der auf den Hinweis der Frau hin festgenommene Wolf schwieg erst eisern, führte die Ermittler dann aber doch zum Rest der erpressten 1,8 Millionen Euro, die er in einem Wald in Niedersachsen versteckt hatte.

Später erhielt die Kosmetikerin rund 40.000 Euro Belohnung von der Wiesbadener Bank, wurde aber auf dem Kiez als „Verräterin“ angegriffen. Ob sie vor dem Landgericht als Zeugin aussagen muss, ist noch nicht klar.

Wolf hat die ihm zur Last gelegten Verbrechen nach Angaben der Staatsanwaltschaft weitgehend eingeräumt. Im Mittelpunkt des Wiesbadener Prozesses wird damit weniger der Nachweis seiner Täterschaft stehen. Eher wird es um die Frage gehen, ob und gegebenenfalls wann ein Mann mit seiner Vergangenheit jemals wieder auf freien Fuß kommen kann. Allein die Polizei Hamburg kannte 14 Aliasnamen des internationalen Verbrechers. Schon im Gefängnis im nordrhein-westfälischen Moers saß er unter anderem wegen Bankraubs, insgesamt war er zu einer Haftstrafe von 21 Jahren verurteilt worden.

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