Nach Abhörskandal

"News International"-Chefin gibt ihren Posten auf

Der Druck auf Rupert Murdoch wächst: "News-International"-Chefin Rebekah Brooks ist nach dem Abhörskandel um "News of the World" zurückgetreten. Und auch in den USA wurden nun Ermittlungen gegen Murdochs "News Corps" eingeleitet – 9/11-Opfer sollen abgehört worden sein.

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Medienmogul Rupert Murdoch zieht nach heftigem politischen Druck erste personelle Konsequenzen aus dem Abhörskandal bei seinen britischen Zeitungen. Rebekah Brooks, Chefin der Zeitungssparte News International, tritt zurück.

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Unter massivem Druck der Politik und der Öffentlichkeit hat die Chefin des Verlags News International und Vertraute von Rupbert Murdoch, Rebekah Brooks, ihren Rücktritt angekündigt. Brooks erklärte am Freitag in einer Mitteilung an die Belegschaft, der Ruf des Unternehmens stehe auf dem Spiel. Wenn sie bliebe, würde das von den ehrlichen Bemühungen um Aufklärung ablenken. News International ist ein Tochterunternehmen von Rupert Murdochs News Corp.

„Wie Sie sich vorstellen können, war die letzte Zeit schwierig“, schrieb Brooks weiter. „Ich muss mich jetzt darauf konzentrieren, die Verzerrungen zu korrigieren und die Vorwürfe gegen mich als Journalistin, Chefredakteurin und Geschäftsführerin zu widerlegen.“ Sie habe Rupert und James Murdoch ihren Rücktritt angeboten, der dieses Mal angenommen worden sei.

Ihr Rücktritt wurde mit Erleichterung aufgenommen. Die Entscheidung sei richtig, erklärte ein Sprecher von Premierminister David Cameron, der Brooks zum Gehen aufgefordert hatte. Auch Oppositionsführer Ed Miliband zeigte sich zufrieden, dass Brooks Verantwortung für die Vorgänge während ihrer Zeit als Chefredakteurin übernehme.

Landesweite Anzeigen geplant

Zuvor hatte Rupert Murdoch Brooks gegen Rücktrittsforderungen auch aus der Politik in Schutz genommen und sich geweigert, ihren Rücktritt anzunehmen. Brooks war von 2000 bis 2003 Chefredakteurin der „News of the World“. In diese Zeit fallen die schwersten Vorwürfe gegen das Blatt, dass Mobiltelefone von Prominenten und mindestens einem Verbrechensopfer angezapft worden sein sollen. Seit 2007 war Brooks Verlagschefin und verantwortlich für die vier britischen Zeitungen von News International. Ihr Nachfolger wird Tom Mockridge, derzeit Vorsitzender der italienischen Tochter Sky Italia. Er war Sprecher der australischen Regierung, bevor er 1991 zur News Corp. kam.

Der Verlag kündigte am Freitag an, er werde sich in landesweiten Zeitungsanzeigen für das Geschehene entschuldigen. Murdochs Sohn James sagte in New York, man habe außerdem einen unabhängigen Beirat eingerichtet, der klare Standards für die journalistische Arbeit aufstellen und durchsetzen solle. Sein Vater hatte noch am Tag zuvor im „Wall Street Journal“, seiner eigenen Zeitung, erklärt, das Management von News Corp. habe die Krise gut gehandhabt und nur kleinere Fehler begangen.

Druck auf Murdoch wächst

Unterdessen gerät Murdoch auch in den USA unter Druck. Die Bundespolizei FBI leitete Ermittlungen gegen sein Medienimperium ein. Auslöser waren Vermutungen, Journalisten der News Corp. könnten versucht haben, Telefone von Opfern der Terroranschläge vom 11. September anzuzapfen. Murdoch verteidigte das Vorgehen seines Unternehmens im Abhörskandal um das britische Boulevardblatt „News of the World“.

Der Konzern werde sich von allen negativen Auswirkungen der Vorwürfe erholen, sagte der 80-Jährige dem „Wall Street Journal“, das ebenfalls News Corp. gehört. Berichte, er werde wegen des Skandals alle seine britischen Zeitungen verkaufen, wies Murdoch ebenso zurück wie Kritik daran, wie er und sein Sohn James auf die Krise reagierten. Er ärgere sich über all die negative Presse in jüngster Zeit, erklärte er.

US-Justizminister Eric Holder bestätigte am Freitag die Einleitung von Ermittlungen. Mitglieder des US-Kongresses hätten die Untersuchungen gefordert, sagte Holder auf einer Pressekonferenz in Australien. Aus Justizkreisen in den USA verlautete, mehrere Abgeordnete und Senatoren hätten FBI-Direktor Robert Mueller schriftlich aufgefordert, gegen Mitarbeiter der News Corp. zu ermitteln.

Rivalisierender "Daily Mirror" erhob Anschuldigungen

Die Vorwürfe gegen Murdoch gehen zurück auf den rivalisierenden „Daily Mirror“, der unter Berufung auf anonyme Quellen berichtete, Journalisten seien an einen US-Ermittler herangetreten und hätten sich besonders für die britischen Opfer der Terroranschläge interessiert. Der Ermittler habe die Journalisten abgewiesen.

Sollten Amerikaner Opfer von Abhöraktionen geworden sein, könnten die Führungskräfte der News Corp. straf- und zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Experten halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass damit die US-Zeitungen des Konzern in Gefahr geraten. Auch ein Entzug der Lizenzen für die Fernsehsender Fox steht wohl nicht an.

Murdoch und sein Sohn James erklärten sich nach einer brüsken Absage überraschend doch bereit, zum Abhörskandal bei der „News of the World“ vor einem Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments auszusagen. Beide seien dabei, ihre Teilnahme am Dienstag zu bestätigen, teilte News Corp. am Donnerstag mit.

Kleiner Sieg der "Sun"

Die britische Boulevardzeitung „The Sun“, ebenfalls von Murdoch herausgegeben, konnte am Freitag einen kleinen Sieg gegen den früheren Premierminister Gordon Brown verbuchen. Brown hatte der Zeitung vorgeworfen, sich vertrauliche Krankenakten seines Sohnes verschafft zu haben, der an Mukoviszidose leidet. Die „Sun“ wies das zurück und erklärte, sie habe die Informationen von anderen Eltern erhalten, die auf das Schicksal der Erkrankten hinweisen wollten. Die Zeitung „The Guardian“ entschuldigte sich am Freitag dafür, Browns Version übernommen zu haben.