Sicherheits-Workshop

Vier Monate vor Loveparade warnte Experte vor Toten

War die Duisburger Loveparade eine "Tragödie mit Ansage"? In einem Sicherheits-Workshop soll Monate zuvor vor Verletzten und Toten gewarnt worden sein.

Die Risiken für die Loveparade in Duisburg waren offenbar bereits Monate vor der Veranstaltung bekannt. So hatte der Rettungsexperte Klaus Schäfer bei einem von der Stadt organisierten Sicherheits-Workshop vor „Verletzten und vielleicht sogar Toten“ gewarnt.

Das geht aus der Zeugenvernehmung des damaligen Leiters des Dortmunder Instituts für Feuerwehr- und Rettungstechnologie hervor, die sich im Zwischenbericht der Staatsanwaltschaft Duisburg findet.

Auf einem Seminar mit Mitarbeitern der Duisburger Stadtverwaltung vom 22. März 2010 kritisierte Schäfer demnach insbesondere den gleichzeitigen Ein- und Ausgang des Veranstaltungsgeländes über den Karl-Lehr-Tunnel und die Rampe. Diese Planung sei „Irrsinn“.

Die Loveparade könne so nicht genehmigt werden. Seminarteilnehmer sollen daraufhin von politischem Druck berichtet haben. Es gebe kritische Stimmen, die fänden aber kein Gehör, heißt es in dem rund 450 Seiten starken Bericht, wie das Internetportal DocuNews berichtete.

“Tragödie mit Ansage“

Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Düsseldorfer Landtag, Horst Engel, kritisierte, dass der Sicherheits-Workshop in den Berichten der Stadt zu dem Unglück nicht erwähnt worden sei. „Wenn sich die Faktenlage so bestätigt, war die Loveparade eine Tragödie mit Ansage.“ Offenbar seien die verantwortlichen städtischen Mitarbeiter über die allgemeinen Gefahren im Vorfeld informiert gewesen.

Die FDP forderte derweil die Landesregierung in einem Antrag dazu auf, für eine „angemessene Beantwortung der rund 200 offenen Fragen des Parlaments“ zu sorgen. Zudem solle unverzüglich eine aktuelle Einsatznachbereitung vorgelegt werden, in denen Defizite des Einsatzes benannt würden. Zudem sollte ein Leitfaden für eine bessere Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden entwickelt werden.

Bei dem Loveparade-Unglück waren am 24. Juli vergangenen Jahres 21 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Vorfalls gegen 16 Personen.