Abhörskandal

Rupert Murdoch stellt "News of the World" ein

Das Medien-Unternehmen News Corp stampft die "News of the World" wegen des Abhörskandals ein. Die letzte Ausgabe erscheint am Sonntag.

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Das Medienimperium News Corp von Rupert Murdoch zieht Konsequenzen auf dem ausufernden Abhörskandal beim Boulevard-Blatt „News of the World“. Die britische Zeitung werde am Sonntag letztmalig erscheinen, teilte sein Sohn James mit.

Sollten die derzeitigen Vorwürfe wahr sein, handele es sich um ein unmenschliches Verhalten der Journalisten, für die es keinen Platz mehr im Unternehmen gebe, so James Murdoch. Das Unternehmen habe zahlreiche Fehler im Umgang mit dem Skandal gemacht.

Die Journalisten sollen Telefone von Anschlagsopfern, Prominenten und gefallenen Soldaten heimlich abgehört haben. Außerdem sollen Journalisten der Zeitung 2002 auch das Handy eines verschwundenen und später ermordeten Mädchens geknackt haben. Sie hörten die Mailbox der 13-Jährigen ab, auf der Eltern und Verwandte Nachrichten hinterließen . Die britische Polizei teilte mit, möglicherweise seien bis zu 4000 Menschen von der Abhöraffäre betroffen.

200 Mitarbeiter verlieren ihren Job

Die "News of the World" ist eine der auflagenstärksten Sonntagszeitungen in Großbritannien. Der zuständige britische Verlag News International erklärte, die Einnahmen aus der am Sonntag verkauften letzten Ausgabe würden einem wohltätigen Zweck gespendet. Zudem würden keine Anzeigen geschaltet.

Die Einstellung der „News of the World“ wird etwa 200 Mitarbeiter den Job kosten. Die Beschäftigten könnten sich um andere Stellen im Medienkonzern News International bewerben, zu dem die Zeitung gehört, sagte Sprecherin Daisy Dunlop in London.

Firmen ziehen Anzeigen zurück

Im Visier der "News of the World"-Reporter waren der heutige britische Schatzkanzler George Osborne und Michael Mansfield, der die Familie von Lady Dianas Liebhaber Dodi al-Fayed in einem Untersuchungsausschuss zum Tod des Paares vertreten hatte. Beiden wurde von der Polizei mitgeteilt, ihre Telefonnummern seien im Zuge des Ermittlungsverfahrens aufgetaucht.

Zuvor waren bereits Prominente wie die Schauspieler Sienna Miller, Jude Law und Hugh Grant als Opfer der Abhöraffäre genannt worden.

Die wirtschaftlichen Folgen des Abhörskandals für „News of the World“ und die Holding News International zeichneten sich bereits vor Bekanntwerden der Einstellung des Blatts ab. Mehr und mehr Firmen zogen ihre Anzeigenbuchungen nicht nur für „News of the World“, sondern für auch für andere Murdoch-Publikationen zurück. Darunter sind die Supermarktkette Sainsbury's, die Autohersteller Vauxhall (Opel) und Mitsubishi und der Reiseanbieter Virgin Holidays.