Die russische Millionenmetropole Moskau ist wieder in einer giftigen Smog-Wolke wegen der Torfbrände im Umland versunken.

Der gesundheitsschädliche Rauch mit dem schweren Brandgeruch zog bis in die Innenstadt. Behörden riefen die Moskauer auf, wieder Masken zu tragen und die Fenster zu schließen. Die Lage hatte sich in den vergangenen Tagen zunächst etwas entspannt. Allerdings hatte der Wetterdienst gewarnt, dass der Wind wieder drehen und die Stadt mit Qualm überziehen würde.

Wegen der seit mehr als zwei Monaten andauernden Gluthitze und schweren Dürre stoppte Russland wie angekündigt seine Getreideexporte. Große Teile der Ernte waren durch die Feuer vernichtet worden. Wegen der Einbußen gilt das Exportverbot für Getreide bis Ende Dezember. Russland gehörte zuletzt zu den größten Exporteuren von Weizen auf dem Weltmarkt.

Ein Ende der nationalen Katastrophe, wie Kremlchef Dmitri Medwedjew formuliert hatte, ist nicht in Sicht. Wegen des Smogs und der Hitze hatte sich allein in Moskau die Sterberate auf täglich 700 Menschen verdoppelt. Viele Menschen klagen über schwere Kopfschmerzen und Übelkeit. Zehntausende haben die Stadt verlassen.

Insgesamt sei die Zahl der Waldbrände in Russland aber zurückgegangen. Nach 505 Feuern am Freitag habe es am Samstag noch 480 gegeben, teilte das Katastrophenschutzministerium mit. Die Situation habe sich spürbar verbessert, sagte Minister Sergej Schoigu. Der Brand nahe eines nuklearen Forschungszentrums in Sarow ist der Atombehörde zufolge unter Kontrolle. Während des Höhepunkts der Waldbrände hatten in ganz Russland 200.000 Hektar Land gebrannt.

Auch am Forschungsreaktor von Sneschinsk und an der Wiederaufbereitungsanlage Majak im Ural seien die Brände unter Kontrolle. „Die potenziell gefährlichen Einrichtungen werden zuverlässig geschützt“, teilte Schoigu mit.

Zur Bekämpfung der Waldbrände in Russland sind in Moskau zwei schwere Frachtmaschinen aus den USA mit Feuerlöschausrüstung eingetroffen. Darunter seien auch Pumpen und Brandschutzkleidung für die Einsatzkräfte, wie der Fernsehsender NTW in Moskau berichtete. US-Präsident Barack Obama habe Kremlchef Dmitri Medwedjew die technische Hilfe telefonisch zugesichert, sagte der Vize-Chef der amerikanischen Botschaft in Moskau, Eric Rubin.

Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger hatte bekanntgegeben, dass feuersichere Kleidung nach Russland unterwegs sei. „Unser Zubehör wird die russischen Brandbekämpfer schützen, während sie sich weiterhin großen Gefahren aussetzen“, sagte er. Deutschland hatte Atemschutzmasken und Feuerlöschpumpen geschickt.

Mindestens 54 Menschen sind durch die Brände ums Leben gekommen, die durch die größte Hitzewelle in Russland seit Beginn der Wetteraufzeichnung ausgelöst wurden.

AFP/dpa/lk