Die jüngeren Zuschauer kennen ihn aus diversen Comedy-Sendungen, die älteren aus dem Kölner Karnevalstreiben: Guido Cantz. Der ”hauptberufliche Humorist“, wie sich der 38-Jährige mit dem peroxidblondierten Haar selbst bezeichnet, und ”Verstehen Sie Spaß?“, ein Relikt aus einem eigentlich vergangenen Fernsehzeitalter, – passt das zusammen?

Ja, das scheint besser zu passen als erwartet. Zu Beginn seiner Spaß-Offensive konnte man zwar kurz befürchten, der neue Moderator wolle lustiger sein als seine Gäste. Gleich nach dem ersten Einspielfilm mit versteckter Kamera witzelte er über Angela Merkels zehnjähriges Jubiläum als CDU-Vorsitzende, ”zehn Jahre, oder wie Gerhard Schröder sagen würde: drei Ehen“.

Und nach dem zweiten Film präsentierte er einen Einspieler, in dem er selbst durch die Stadt seiner Premiere, Halle an der Saale, zog: ”das Griechenland Deutschlands“, so Cantz, ”ewig blauer Himmel und pleite“. Doch zum einen hatte der Ex-Conferencier der Sat.1-Koffer-Show ”Deal or no Deal“ ja auch eigene Comedy-Einlagen angekündigt.

Und zum anderen wurde schon bei diesem Halle-Rundgang deutlich, dass er auch mit Gags aufwartet, die Vorgänger Frank Elstner sich nie zu reißen getraut hätte. So führte er beim Blick auf eine Speisekarte mit allerlei Pferde-Spezialitäten an: ”Und für die Kleinen gibt es Ponygeschnetzeltes.“ Ansonsten überließ Cantz die Späße weitgehend seinen Gästen.

Die machten es sich auf einem halbkreisförmigen cremefarbenen Sofa mit annähernden ”Wetten, dass..?“-Ausmaßen bequem. Im Gegensatz zur Gottschalk-Show ließ ihnen der Gastgeber viel Zeit zu parlieren, die Gespräche kamen inspiriert und kurzweilig daher. Zudem wurden sie gleich mehrfach ins Geschehen eingebunden, wobei aber glücklicherweise niemand in die Rolle des Platzhirschen verfiel.

Den zuletzt fürs Fernsehmuseum reifen Klassiker einer Frischzellenkur zu unterziehen, ohne das Stammpublikum zu vergraulen – bei seinem Start ist Guido Cantz dieser schwierige Balanceakt geglückt. Denn auch die Befürchtung, die eingeladenen Comedians könnten aus Rücksicht aufs Familienpublikum ihre Humorkost nur lauwarm servieren, erwies sich als unbegründet.

Michael Mittermeier fand über Ausschnitte seines Bühnenprogramms ”Achtung, Baby“ den Vergleich von vollen Windeln mit dem ”aktuellen Zustand unserer Regierung: Überall stinkt’s, aber die riechen immer noch an ihren Ärschen“. Und die bayrische Kabarettistin Monika Gruber, die sich auch bei Elstner des Öfteren blicken ließ, spottete über den Bundespräsidenten. Wenn Horst Köhler von Bankern mehr Demut und Bescheidenheit erwarte, dann sei das so, als wenn man zu einem Junkie sage, ”versuch’s doch mal mit Globuli“.

Als Herzstück der Sendung sollen zwar weiterhin die Filme mit versteckter Kamera fungieren, in denen arglose Menschen reingelegt werden. Doch das amüsante Treiben auf dem mit bis zu einem halben Dutzend Gästen gefüllten Sofa könnte ihnen bald den Rang ablaufen. Auch Lena Meyer-Landrut schien es dort zu gefallen. Nach der Darbietung ihres Nr.1-Chart-Hits ”Satellite“, dessen Chancen beim Eurovision Song Contest Ende Mai ja immer besser werden, blieb sie noch mehr als 30 Minuten.

Ganz Deutschland sei in sie verknallt, wusste Cantz und meinte, wenn es mit ihr so weiterginge, würde durch Hannover bald der erste Porsche ”mit Abi 2010 drauf“ fahren. Überhaupt Lena und ihr Abi: Locker und präsent wie ein langjähriger TV-Promi plauderte die 18-Jährige darüber, dass sie mit ihren Noten gerade noch für die Reifeprüfung zugelassen sei und dass sie vor dem Schulabschluss mehr Respekt habe als vor ihrem Auftritt in Oslo. ”12 Points im Abi”, sagte Lena, „wäre die absolute Sahne, Baby.“

Beim Auftritt des Mentalisten Thorsten Havener durfte Lena noch kurz assistieren, dann entschwand sie, um weiter zu pauken: ”China, 1. und 2. Opiumkrieg.“

Blieben noch die von Cantz neu eingeführte Rubrik ”Der hat’s verdient“, in der Menschen, die zuvor jahrelang andere mit Streichen gepiesackt haben, nun ihrerseits mit versteckter Kamera hinters Licht geführt werden. Der dabei vorgeführte Humor ist wie bei den diversen Einspielfilmen auch unter Cantz’ Regie nicht jedermanns Sache, aber allemal lustiger als die endlich abgeschaffte Reihe „Witzbold des Jahres“. Allzu brachial darf der Neue bei seinen Änderungen nun einmal nicht vorgehen.

Musikacts kamen dann noch von der einstigen DDR-Kultband Silly mit ihrer neuen Frontfrau, der Schauspielerin Anna Loos. Und WDR-”Tatort“-Kommissar Dietmar Bär sang gemeinsam mit Stefan Gwildis und der Kölner Band Höhner ”Männer in den besten Jahren“. Wenn Cantz das Alter dieser Herren erreicht hat, wird vielleicht schon eine ganze Ära ”Verstehen Sie Spaß?“ hinter ihm liegen. Wenn er allerdings Thomas Gottschalk auch über den Sofatalk hinaus Konkurrenz machen will, muss er noch üben. Bei seiner Premiere überzog er keine 20 Minuten.