Hannah Montana

Miley Cyrus' Obsession, geliebt zu werden

Die Tochter ist ein Teenie-Idol, der Vater ein Country-Star. Beide sind sie durch die TV-Kinderserie "Hannah Montana" weltweit berühmt geworden. Angst davor, wozu der Ehrgeiz ihrer Eltern sie treiben könnte, hat Miley Cyrus nicht. Ganz im Gegenteil, der Vergleich mit Britney Spears ist für die 16-Jährige ein großes Kompliment.

Der Rummel ist riesig: Miley und Billy Ray Cyrus sind in Los Angeles, um ihren Kinofilm zur TV-Serie „Hannah Montana“ vorzustellen (ab 1. Juni in den Kinos). Draußen vor dem Hotel „Four Seasons“ stehen die Fans, drinnen warten die Journalisten. Kein Wunder, dass Miley Cyrus, 16, trotz Schminke blass aussieht und erschöpft wirkt. Ganz anders ihr Vater, 48, der gern auch mal aufspringt im Gespräch, um seine Begeisterung über seine erfolgreiche Tochter zu unterstreichen.

Morgenpost Online: Mr Cyrus, Ihre Tochter ist 16 Jahre alt und wird weltweit von Fans und Paparazzi belagert – haben Sie keine Angst um sie?

Billy Ray Cyrus: Warum? Miley ist ein Mädchen mit wachem Kopf und großem Herzen. Sie ist sehr reif für ihr Alter, und sie hat genügend Realitätssinn. Manchmal wünschte ich mir, dass ein Actionstar wie Jackie Chan ihr Bodyguard wäre. Aber ansonsten tut sie genau das, was sie liebt. Nur darauf kommt es an.

Morgenpost Online: Tut Miley nicht auch das, was Sie wollen? Schließlich haben Sie Ihre Tochter schon als kleines Mädchen ins Showbusiness geschoben.

B. R. Cyrus: Was heißt da schieben? Rock 'n' Roll liegt in unseren Familiengenen. Schon meine Urgroßeltern machten Musik. Noch vor Miley kam mein Sohn Trace, der jetzt eine eigene Band hat, auf meine Touren mit. In früher Jugend begann er zu komponieren und trat mit den größten Namen des Country & Western auf. Miley mochte es genauso, mit mir auf Tour zu gehen. Sie stand mit Legenden wie Carl Perkins oder Tony Bennett auf der Bühne. Das ist die Bestimmung ihres Lebens. Warum, glauben Sie, habe ich sie „Destiny Hope“ („Bestimmung Hoffnung“) taufen lassen? Ich hatte vor ihrer Geburt eine Vision, dass das auf sie zutrifft.

Morgenpost Online: Allerdings nennt sie sich jetzt Miley. Ein Abnabelungsversuch?

B. R. Cyrus: Für mich bleibt sie immer Destiny Hope. Und sollte sie das je leugnen, dann muss ich sie bloß daran erinnern: Da draußen gibt es Millionen von Kids, die zu ihrer Musik tanzen und die lachen, wenn sie einen Witz reißt. Ihnen allen bringt sie Hoffnung; das ist ihre Bestimmung.

Miley Cyrus: Die Leute versuchen immer, einen Konflikt zwischen meinem Vater und mir zu konstruieren. Sie machen ihn schlecht, weil er sich angeblich mehr um mein Business als um meine Erziehung kümmert. Aber mein Vater ist einer der coolsten Menschen, die ich kenne, er liebt mich und kümmert sich um mich.

Morgenpost Online: Sie sind für unzählige Mädchen ein großes Vorbild. Belastet Sie das?

M. Cyrus: Grundsätzlich gibt es mir viel Kraft, wenn in einem Konzert 10.000 Mädchen die Lieder nachsingen, die ich geschrieben habe. Aber es gibt Phasen, in denen ich gestresst und unglücklich bin. Da ziehe ich mich zwar schnell wieder raus. Nur ein Vorbild wollte ich nie sein. Ich mag es nicht, wenn die Leute zu mir aufschauen. Ich werde genauso erwachsen wie mein Publikum auch. Und das heißt, ich mache Fehler, aus denen ich wiederum lerne. Meine Fans und ihre Eltern sollten das verstehen und respektieren.

Morgenpost Online: Offenbar tun die das nicht immer. Vor zwei Jahren gerieten Sie ins Kreuzfeuer, als Sie für „Vanity Fair“-Fotos nur mit einem Bettlaken bekleidet posierten.

B. R. Cyrus: Kann ich dazu was sagen? Als ich das mitbekam, dachte ich nur: Sind wir hier in einem Stephen-King-Roman? Wie kommen die Leute dazu, auf eine 14-Jährige einzuhauen? Das war so bizarr. Die sollten lieber an den Satz denken: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Miley hat hier keinen Fehler gemacht.

Morgenpost Online: Warum sind Sie dann nicht massiver gegen die Kampagne vorgegangen?

B. R. Cyrus: Mein Vater hatte das Motto: Sohn, je stärker du auf Hundescheiße herumtrampelst, desto stärker stinkt sie. Jemand machte hier aus etwas Unschuldigem einen großen Haufen Mist, und das wollten wir nicht auch noch breittreten.

M. Cyrus: Da haben Sie eine der Weisheiten meines Vaters gehört. Diese klugen Sprüche mag ich sehr an ihm. Er hat mir schon viele davon beigebracht.

Morgenpost Online: Sie empfinden es also nicht als abgeschmackt, eine 14-Jährige, die vom Image der braven Teen-Queen lebt, als Sexsymbol zu inszenieren?

M. Cyrus: Darüber denke ich nicht nach. Ich halte mich nicht für ein Sexsymbol. Allerdings, wenn Sie das so sagen: Sollte es so sein, hat das auch seine Vorteile. Denn dann strengt sich mein Freund noch mehr für unsere Beziehung an.

Morgenpost Online: Viele vergleichen Sie mit der jungen Britney Spears. Keine Angst, dass Sie auch so enden könnten?

M. Cyrus: Eigentlich ist das doch ein Kompliment. Britney hatte eine großartige Karriere, wahrscheinlich hat sie mehr Platten verkauft als alle anderem in ihrem Alter. Und ihre Konzerte sind immer noch ausverkauft. Wenn ich das je erreichen sollte, wäre ich froh darüber. Das Problem ist nur, dass die Medien sich bloß noch auf die Sachen konzentrieren, die sie in ihrem Privatleben falsch gemacht hat. Aber das geht niemand etwas an.

Morgenpost Online: Sie glauben also nicht, dass dieser Rummel auch auf Ihr Privatleben Auswirkungen hat?

M. Cyrus: Doch. Ich bin wohl schneller erwachsen und reifer geworden. Aber ich bin dabei die Gleiche geblieben. Ich komme ohne Rummel aus, mein privates Leben steht an erster Stelle. Am wohlsten fühle ich mich in meiner Heimatstadt Nashville. Mein Vater und ich sind ganz normale Menschen, die ein aberwitziges Leben führen. Welche Meinung die Öffentlichkeit von uns hat, ist völlig egal.

Morgenpost Online: Egal war Ihnen aber nicht, dass Showbusiness-Kollegen wie Radiohead bei der Grammy-Verleihung ein Treffen mit Ihnen abgelehnt haben.

M. Cyrus: Ich möchte darüber nicht mehr sprechen. Die Medien wollen immer noch eine Fehde daraus stricken, aber ich bin darüber hinweg.

Morgenpost Online: Und das, was Ihre Fans über Sie denken, interessiert Sie auch nicht?

M. Cyrus: Doch. Aber nicht alles. Ich bin da ein wenig wie Holden Caulfield. Ich habe vor Kurzem „Der Fänger im Roggen“ gelesen, der mich sehr beeindruckt hat. Und wie der Held quäle ich mich mit der Frage, ob mich die Menschen, die mir etwas bedeuten, mögen. Ich hoffe es, aber dann kriege ich wieder Zweifel. Das ist eine richtige Obsession.

Morgenpost Online: Woher kommt die?

M. Cyrus: Ich weiß es nicht genau. Es mag damit zu tun haben, dass ich von vielen Menschen abhängig bin. In hätte nicht diese Karriere, wenn sich meine Familie nicht derart auf mich einstellen würde. Ich ziehe mit meinem Vater durch die Welt, und meine Mutter und meine Geschwister haben nichts von ihm. Dabei weiß ich, dass sie ihn vermissen.

Morgenpost Online: Gibt es eigentlich etwas, was Sie an Ihrem Vater stört?

M. Cyrus: Dass er bessere Scherze als ich macht. Ich liebe es, Witze zu reißen, aber er ist immer lustiger, weil er keine Miene dabei verzieht. Wenn ich meine ältere Schwester zum Lachen bringen will, schaffe ich das auch. Aber dann kommt mein Vater, und sie prustet so, dass ihre Wangen ganz rot werden.

B. R. Cyrus: Miley ist gar nicht so schlecht. Bei einer Szene im „Hannah Montana“-Film hatte sie ein Furzkissen mit – und der Regisseur wusste nichts davon. Das war köstlich. Ich bin stolz auf sie.