Die Kälte fördert nicht gerade die besten Ideen zutage. In Mecklenburg-Vorpommern hat ein 66-jähriger Mann versucht, sein Auto mit einem 2000 Watt starken Heizlüfter aufzutauen. Das Gerät aber setzte den Wagen samt Carport in Brand.

Oder in Thüringen: Dort wollte ein Mann mit einer Heißluftpistole eine eingefrorene Wasserleitung auftauen. Das komplette Dachgeschoss ging in Flammen auf. Beiden Männern ist glücklicherweise nichts passiert.

Anders sieht es leider auf Deutschlands Straßen aus. Schnee- und Regenfälle haben zum Wochenstart den Straßen- und Flugverkehr stark behindert. Vor allem Glätte sorgte für zahlreiche Autounfälle mit vier Toten.

Vier Tote im Straßenverkehr

Die Temperaturen sollen in den nächsten Tagen vorübergehend ansteigen. Im Süden setze ab Dienstag starkes Tauwetter mit Dauerregen ein, teilte der Deutsche Wetterdienst mit. Sonst bleibe es aber bis Sonntag winterlich mit zum Teil ergiebigen Schneefällen und Glätte in den Frühstunden im Norden.

In Niedersachsen kamen bei einem witterungsbedingten Unfall am Sonntag auf einer Landstraße zwischen Gifhorn und Wesendorf zwei Menschen ums Leben. Beim Überholen eines Pkws verlor der 50-jährige Fahrer eines Kleinbusses auf der glatten Fahrbahn die Kontrolle.

Das Fahrzeug wurde frontal mit der Beifahrerseite gegen einen Baum geschleudert. Die 51-jährige Ehefrau auf dem Beifahrersitz und eine 63-jährige Mitfahrerin auf der Rückbank erlagen noch an der Unfallstelle ihren Verletzungen. Der Fahrer und zwei weitere Mitfahrer wurden schwer verletzt.

In Baden-Württemberg geriet ein 36 Jahre alter Autofahrer auf regennasser Straße ins Schleudern und verunglückte tödlich. In Schwaben starb eine 24-Jährige, die auf glatter Fahrbahn mit einem entgegenkommenden Auto zusammenstieß.

Auch in Nordrhein-Westfalen sorgte in der Nacht zum Montag vor allem Glatteis für zahlreiche Unfälle. Mehrere Autobahnen waren wegen Bergungsarbeiten bis zu drei Stunden gesperrt. Blitzeis behinderte am Morgen in Teilen Schleswig-Holsteins den Verkehr. Von gefrierendem Regen oder Blitzeis spricht man, wenn normale Regentropfen auf dem kalten Straßenbelag sofort gefrieren.

Eisregen entsteht durch unterkühlte Regentropfen, die beim Auftreffen auf den Boden schlagartig gefrieren. Aufgrund der Witterung fiel in allen öffentlichen Schulen des nördlichsten Bundeslandes am Montag der Unterricht aus. Doch offenbar setzt nicht jedem das winterliche Wetter zu.

Weißstörche verzichten auf den Flug ins Warme

Zwei Dutzend Weißstörche trotzen in Schleswig-Holstein dem Schnee und dem Eis. Die frei lebenden Vögel haben sich entschieden, im eisigen Nordfriesland zu überwintern, statt in den warmen Süden zu ziehen. Es seien alles erwachsene Tiere, von denen einige in früheren Jahren in Afrika überwintert haben, erklärte Peter Marke vom Westküstenpark in St. Peter-Ording. Obwohl die Störche beim derzeitigen Wetter kaum Jagderfolg haben, müssen sie nicht hungern. „Sie kennen genau die Fütterungszeiten“, so Marke.

In Teilen Bayerns waren wegen Schnee und Eisglätte Abschleppdienste, Räum- und Streufahrzeuge im Dauereinsatz. In Baden-Württemberg kam es wegen notwendiger Enteisungen am Stuttgarter Flughafen zu Verspätungen. Im Schnitt sind die Flüge 30 bis 40 Minuten verzögert gestartet. Bisher wurde die Landebahn einmal wegen Schneeräumung gesperrt. Da es weiter schneit, werden erneute Sperrungen der Landebahn nicht ausgeschlossen.

Im Süden gab es im Tagesverlauf heftige Niederschläge. In Baden-Württemberg warnten Meteorologen vor Alarmstufe Rot: Bis zu 60 Liter pro Quadratmeter Regen könnten fallen.

Zahl der Toten in Polen steigt

„Es ist dabei mit massivem Tauwetter zu rechnen, sodass es nach den Schneefällen zu größeren Überflutungen kommen kann. Auf gefrorenen Böden kann das Wasser zudem kaum versickern“, teilte die Unwetterzentrale von Meteomedia mit.

Nach dem Winterchaos normalisiert sich hingegen der Zugverkehr in Sachsen wieder. „Es gibt keine Zugausfälle mehr, ab und zu kommt es aber zu Verspätungen“, sagte eine Bahn-Sprecherin. Die Umleitung der ICE-Verbindung zwischen Nürnberg und Leipzig sei aufgehoben worden.

Es wird jedoch wieder kälter: Für die Mitte Deutschlands werden in den nächsten Tagen Neuschneemengen von zum Teil mehr als 20 Zentimetern erwartet. Das Unwetterkriterium, mehr als 15 Zentimeter in zwölf Stunden, könnte am Mittwoch in einem Streifen von Rheinland-Pfalz bis nach Sachsen überschritten werden. Ab Donnerstag schneie es auch im Süden wieder.

In Polen fordert der Winter unterdessen immer mehr Todesopfer. Bei Temperaturen bis minus 22 Grad erfroren am Wochenende und Montag neun Menschen. Seit dem Beginn der kalten Jahreszeit zählte die Polizei dort schon 55 Kältetote. Allein in der tschechischen Hauptstadt Prag erfroren binnen einer Woche zehn Menschen.

WON