Winterwetter

Neuer Minusrekord dank Kältewelle erwartet

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Vielerorts war die Nacht wieder eisig, es gab neuen Schnee und annullierte Flüge. Berlin und Brandenburg erwarten zudem einen neuen Kälterekord.

Vor Stürmen und starken Schneefällen in einigen Bundesländern wie Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hatte die Unwetterzentrale der Meteomedia für Mittwochnacht gewarnt. Dort sollten teilweise bis zu 15 Zentimeter neuer Schnee fallen. Davon war in der Nacht aber noch nichts zu spüren: Auf den Straßen blieb es relativ ruhig – es schien, als wollten die Menschen lieber im Warmen sein. Von Autounfällen wegen Glatteis konnten die Polizeibehörden deshalb nicht berichten. „Alles schläft“, resümierten einige Polizeisprecher.

Dagegen war der Luftverkehr am Flughafen Frankfurt wieder stark behindert. „Es sind 39 Flüge aktuell für den Tag annulliert worden“, sagte die Sprecherin vom Flughafenbetreiber Fraport, Waltraud Riehemann. Wegen starken Rückenwinds ist die Startbahn West nur zeitweise nutzbar. Das schränke den Flugbetrieb ein, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Die Piloten würden bis zu einer Windstärke von 15 Knoten selbst entscheiden, ob sie starten oder nicht. Bei einer Windstärke über 15 Knoten werde die Startbahn vorübergehend geschlossen.

Mindestens 40 Flüge wurden am Morgen gestrichen. Dabei handele es sich um Folgeannullierungen der beiden Vortage, an denen Hunderte Flüge ausfielen. Auch mit Verspätungen müsse weiter gerechnet werden.

Betroffen seien Reiseziele in ganz Europa, wie etwa Genf und London. „Der Winterdienst ist hier im 24-Stunden-Einsatz“, sagte Riehemann. Bereits am Dienstag wurden am Frankfurter Flughafen 300 Flüge wegen Schnee und Glätte auf den Landebahnen gestrichen. Dadurch waren auch Fluggäste am Flughafen gestrandet. Für sie wurden 400 Feldbetten aufgestellt.

Gefühlte minus 22 Grad

An den Berliner Flughäfen sollte der Luftverkehr hingegen normal laufen. „Mir liegen keine Meldungen vor, dass Flüge wegen Unwetter gestrichen werden heute“, sagte eine Sprecherin am frühen Morgen. Allerdings müssen sich die Menschen in Berlin und Brandenburg auf eisige Rekordwerte und Schnee gefasst machen. Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes rechnen in der Region mit den tiefsten Temperaturen für einen 1. Dezember seit Beginn der Aufzeichnungen.

„In Berlin erwarten wir in der Nacht zum Donnerstag Tiefsttemperaturen bis minus 12 oder 13 Grad“, sagte Gerd Saalfrank vom Deutschen Wetterdienst in Potsdam. „In Brandenburg kann man überall noch einmal zwei Grad nach unten draufschlagen.“ Zudem wird reichlich Schnee erwartet. Die heranwehende Kältewelle könnte einige Rekorde knacken: Der niedrigste Berliner Wert für den 1. Dezember ist laut Deutschem Wetterdienst 1931 in Berlin-Dahlem gemessen worden. Damals war es Minus 10,8 Grad kalt. Ebenfalls am 1. Dezember 1931 erreichte das Thermometer in Potsdam minus 12,5 Grad, am 2. Dezember minus 10,9 Grad.

„Wir haben gute Chancen, das zu schlagen“, sagte Saalfrank. Hinzu kommt ein scharfer, schneidender Ostwind. „Die gefühlte Temperatur liegt dann bei minus 22 Grad“, sagte Saalfrank. Außerdem ziehe ein Schneefallgebiet heran. „Es wird die ganze Nacht über bis Donnerstagmittag schneien.“ In Berlin erwarten die Meteorologen fünf Zentimeter Schnee, in Brandenburg zehn Zentimeter.

Der private Wetterdienst Meteomedia hält sogar verbreitet 10 bis 15 Zentimeter Neuschnee für möglich, örtlich auch um 20 Zentimeter. Meteomedia warnte bereits vor eventuellen erheblichen Schneeverwehungen bei starken Winden, wollte sich aber mit seinen Prognosen noch nicht endgültig festlegen.

Saalfrank kann wenigstens einen Lichtblick in Aussicht stellen: „Vielleicht kommen wir am Sonntag wieder bei Null Grad an. Dann könnten wir auch die Sonne wieder sehen.“

Hessen wird nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) aber auch am Mittwoch wieder von Frost und Schneefällen heimgesucht. Teilweise sanken in der Nacht die Temperaturen auf bis zu minus 15 Grad.

Schneebedeckt und kalt soll es auch im Süden bleiben. Für Bayern und Baden-Württemberg war wieder besonders kalte Luft vorausgesagt worden. In der Nacht war es frostig. Aber auch in Nordrhein-Westfalen wurde es klirrend kalt, teilte der DWD mit. Temperaturen von bis zu minus 15 Grad in der Nacht und weitere Schneefälle den ganzen Tag über, so lautete die Prognose.

An der Ostsee gab es in der Nacht keine Anzeichen für Hochwasser oder Sturmfluten wie in den Tagen zuvor. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hatte am Dienstag Entwarnungen rausgegeben. „Zudem haben auch die starken Schneefälle wenig Einfluss auf den Wasserstand“, sagte der Leiter des Wasserstandsdienstes beim BSH, Jürgen Holfort, am Mittwochmorgen. Am Tag würden aber wieder starke östliche Winde erwartet und diese könnten am Abend das Wasser an den Küsten wieder steigen lassen.

( dpa/AFP/kami )