Mehr als ein Jahr nach dem Tod des völlig abgemagerten Babys Lara Mia stehen die Eltern vor dem Hamburger Landgericht. Die Anklage wirft der 19-jährigen Mutter und ihrem drei Jahre älteren Partner versuchten Totschlag durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vor. Lara Mia war am 11. März 2009 tot in der Wohnung ihrer Eltern in Hamburg-Wilhelmsburg gefunden worden. Sie wog nur 4,8 Kilo; für ein neun Monates altes Kind wäre etwa das Doppelte normal.
Die genaue Todesursache konnten Rechtsmediziner allerdings nicht klären – die Experten schlossen auch einen plötzlichen Kindstod nicht aus. Aber: „Selbst für einen medizinischen Laien war augenfällig, dass das Kind extrem unterernährt war“, sagte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers vor Prozessbeginn. Der Körperfettanteil des Babys war nahezu aufgezehrt.
Laut Staatsanwaltschaft hatten die beiden Angeklagten Lara Mia nicht mehr ausreichend gefüttert, seitdem die Kleine fünf Monate alt war. „Nach den Ermittlungen war ihnen das Schicksal des Mädchens gleichgültig geworden.“ Für den Prozess sind bis Mitte Juli neun weitere Verhandlungstage geplant. Eine Sozialarbeiterin hatte das Baby und seine Mutter betreut. Auch sie soll sich demnächst vor Gericht verantworten – wegen fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen.
Zum Beginn des Prozesses erklärte die 19 Jahre alte Mutter der Kleinen, sie werde während des gesamten Verfahrens keine Angaben machen. Ihr ehemaliger Lebensgefährte, der gemeinsam mit ihr und dem Baby zusammengewohnt hatte, wollte sich im Laufe des Prozesses äußern – aber nicht beim Auftakt. „Der heutige Tag ist für meinen Mandanten ein besonders wichtiger und besonders schrecklicher Tag“, sagte sein Verteidiger.
dpa/kami




