Die Großeltern der verhungerten dreijährigen Sarah aus Thalmässing haben sich in einem mehrseitigen Schreiben zu den Familienverhältnissen geäußert. Darin machten sie auch ihr Entsetzen über den grausamen Hungertod ihrer kleinen Enkelin deutlich: „Unsere Mandanten können bis heute nicht fassen, was hier geschehen ist. Sie haben zu keinem Zeitpunkt den Gedanken gehegt, dass Sarah verhungern könnte“, hieß es in dem vom Rechtsanwalt der Großeltern verbreiteten fünfseitigen Schreiben. Ihre Enkelin beschreiben beide als sehr ruhiges Kind. „Sie hing sehr an ihrer Mutter und hat sich oftmals an sie gekuschelt oder sich zu ihren Eltern zurückgezogen und Halt gesucht“, hieß es.
Das drei Jahre alte Mädchen war am 10. August in einer Nürnberger Klinik an Unterernährung gestorben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 29 Jahre alten Vater und die 26-jährige Mutter aus Thalmässing (Landkreis Roth) wegen gemeinschaftlichen Totschlags durch Unterlassen.
In der vergangenen Woche hatte sich Sarahs Vater, der bereits in Untersuchungshaft sitzt, erstmals in einer Vernehmung zu den familiären Lebensumständen geäußert. Die 26-jährige Mutter liegt derzeit noch wegen einer schweren Erkrankung in einer Klinik. Ihr konnte aber der Haftbefehl eröffnet werden, nachdem sie aus dem Koma erwacht war. Sie schweigt zu den Vorwürfen.
Regelmäßige Kontakte zu Sarah habe es bis zum Alter von etwa eineinhalb Jahren gegeben, erklärten die Großeltern. Wann genau sie ihre Enkelin zuletzt gesehen haben, gaben sie mit Rücksicht auf die Ermittlungen aber nicht bekannt. Den vierjährigen Bruder bekamen die Eltern von Sarahs Vater dagegen regelmäßig zu Gesicht.
Der Junge soll viele Wochenenden bei seinen Großeltern verbracht haben. Nach Sarahs Tod wurde der Vierjährige bei ihnen untergebracht. Nach Angaben zuständigen Jugendamtes spielen die Großeltern inzwischen mit dem Gedanken, das Sorgerecht für den Jungen zu beantragen.
dpa/kami



