+++ Hochwassergefahr steigt +++
Vergleichsweise milde Temperaturen bringen am Wochenende Regen statt Schnee. Mit dem Tauwetter steigen auch die Pegel der Flüsse am Wochenende weiter. In Köln wurde die Hochwassermarke eins (6,20 Meter) laut Hochwasserschutzzentrale schon am Freitagmittag erreicht. Der Pegel erhöhte sich um bis zu neun Zentimeter in der Stunde. Nach Einschätzung der Hochwasserschutzzentrale könnte der Wasserstand am Wochenende auf bis zu 7,50 Meter steigen.
Die Hochwasserzentrale teilte mit, dass wegen Überflutung im Süden Kölns – im Stadtteil Rodenkirchen – Stege aufgebaut worden seien, außerdem habe man einen Parkplatz gesperrt. Fünf Hochwasserpumpwerke wurden in Betrieb genommen. Ab einem Wasserstand von 7 Metern sollen Stützen und einer Schutzwand in Teilen Rodenkirchens aufgestellt werden.
Wegen Hochwassers durch das zwischenzeitliche Tauwetter musste die Schifffahrt auf dem Main teilweise eingestellt werden. Wie ein Sprecher des zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamtes Schweinfurt sagte, ist der Abschnitt zwischen Trunstadt und Würzburg seit Donnerstag gesperrt. Aktuell liege der Pegel in Würzburg bei 3,62 Meter, erwartet werde ein weiteres Ansteigen bis Samstagmorgen auf mindestens 4,25 Meter. Das wären gut 2,50 Meter über dem Normalstand, womit Meldestufe 2 erreicht würde.
+++ Bischof muss im Auto übernachten +++
Eis und Schnee machen auch vor bischöflichen Dienstfahrzeugen nicht Halt. Das musste der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, in dieser Woche erfahren. Auf einer Fahrt von Stuttgart nach Kassel blieben sein Fahrer und er rund 130 Kilometer vor dem Reiseziel auf der A7 in einem Schneesturm stecken, sagte July. Der Bischof verbrachte die ganze Nacht auf der Autobahn.
Gegen 1.30 Uhr habe das Rote Kreuz heißen Tee gebracht. Der Bischof hat die Nacht auf der Autobahn nach eigenen Worten dazu genutzt, in Akten zu lesen und eine Rede zu überarbeiten. Sein Fahrer und er hätten sich mit einer Notration Gummibärchen bei Laune gehalten, sagte der Bischof.
+++ Wochenende wird nass und kalt +++
Nasskalt und schmuddelig fällt das dritte Adventswochenende in Deutschland aus. Vor allem im Bergland gibt es Schnee, sonst setzt am Samstag zunächst Tauwetter mit Regen ein. In der nächsten Woche meldet sich dann der Winter mit Frost zurück. Am Samstag und Sonntag bleiben die Temperaturen tagsüber im Plusbereich - sie liegen zwischen einem und sechs Grad. Am Montag ist es deutlich kälter mit Dauerfrost zwischen einem und sieben Grad unter Null.
Für das ungemütliche Wochenendwetter sei die Position zweier Druckgebilde verantwortlich, sagte Meteorologe Thomas Ruppert vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Die Tiefs „Monika“ und „Orike“ liegen zurzeit nordöstlich von Deutschland. Von Island bis ins westliche Mittelmeer reicht dagegen Hoch „Warren“. Dazwischen fließt feuchtkalte Polarluft nach Mitteleuropa.
Auf Berlins Straßen muss auch am Wochenende immer wieder mit Glatteis gerechnet werden. Am Samstag könnte sich die Verkehrslage bei Temperaturen bis vier Grad aber ein bisschen beruhigen, sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes am Freitag. Zwar sei am Freitagabend erneut mit leichtem Schneefall zu rechnen. Doch bereits in der Nacht könnte der Schnee in Regen übergehen. Im Verlauf des Wochenendes soll es dann aber schon wieder kühler werden. Am Sonntag lägen die Temperaturen um den Gefrierpunkt, sagte die Meteorologin. Sowohl bei Wolkenlücken als auch bei Schneefall könnten die Straßen glatt sein.
+++ Erhebliche Lawinengefahr in Bayern +++
Starker Schneefall und kräftiger Wind haben die Lawinengefahr in den bayerischen Alpen erhöht. Der Lawinenwarndienst Bayern gab am Freitag für Lagen oberhalb der Waldgrenze die Gefahrenstufe 3 auf der fünfstufigen Skala aus. In eingewehten Rinnen und Mulden könnten bereits einzelne Skifahrer oder Snowboarder Schneebrettlawinen auslösen. In tieferen Lagen liegt nach Angaben des Warndienstes in München noch wenig Schnee. Doch auch dort könnten sich an steilen Kanten durch Zusatzbelastung kleine Lawinen oder Schneerutsche bilden. Durch neue Schneefälle könnte die Lawinengefahr in den nächsten Tagen weiter steigen.
+++ Drei Menschen sterben bei Unfällen +++
Zwischen Heidenheim und Königsbronn in Baden-Württemberg starben am Donnerstagabend zwei junge Leute, als ihr Auto ins Schleudern kam, sich überschlug, in die Brenz stürzte und auf dem Dach im Wasser liegen blieb. Von einem Augenzeugen verständigte Feuerwehrleute konnten die Insassen bergen. Der Notarzt konnte jedoch nur noch den Tod des 23-jährigen Fahrers und seiner 20-jährigen Mitfahrerin feststellen. In Bayern kam am Donnerstagabend eine junge Frau ums Leben. Die 17-Jährige saß in einem Pkw, dessen Fahrer zwischen Mühlhausen und Berching in der Oberpfalz ins Schleudern kam und mit einem Lkw zusammenstieß.
Die junge Frau erlag noch am Unfallort ihren Verletzungen. Allein in der Oberpfalz wurden zwischen Donnerstagnachmittag und Freitagmorgen rund 100 Unfälle registriert. In Niederbayern, wo es rund 30 Zentimeter Neuschnee gab, passierten rund 50 Unfälle. Bei Morolding stürzte am Morgen ein mit Flüssigaluminium beladener Gefahrguttransporter um. Eine geringe Menge des Stoffes trat aus. In Rheinland-Pfalz kam es in der Nacht zum Freitag vor allem auf der A 3 zu erheblichen Behinderungen. Zwischen Diez und Montabaur in Fahrtrichtung Köln sowie zwischen der Anschlussstelle Ransbach-Baumbach und der Raststätte Heiligenroth in Richtung Frankfurt staute sich der Verkehr zeitweise auf bis zu 14 Kilometer. Im Hunsrück und in der Pfalz türmte sich der Schnee auf einigen Landstraßen bis zu zwei Meter hoch. Im Raum Heidelberg gab es unterdessen Entwarnung: Nachdem der Neckar am Donnerstag über die Ufer getreten war, musste die Bundesstraße 37 in Heidelbereich im Bereich der alten Brücke gesperrt werden. Am Freitagmorgen war die Straße wieder durchgängig befahrbar.
+++ Fluggäste müssen mit Verspätungen rechnen +++
An den beiden Flughäfen Tegel und Schönefeld sei bis zum Mittag mit bis zu 35 Flugstreichungen zu rechnen, sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft. Im Schönefeld, das vor allem Billigflieger ansteuern, könnten Maschinen seit kurz vor 8.00 Uhr wieder enteist werden. Dies sei inzwischen aber nur noch für Jets nötig, die über Nacht auf dem Flughafen gestanden hätten. Am Donnerstag war das Enteisungsmittel in Schönefeld ausgegangen, der Lastwagen mit einer Nachschublieferung traf inzwischen aber ein. Fluggäste müssen weiterhin mit Verspätungen rechnen. Am Nachmittag sollte sich die Lage aber zusehends normalisieren, wie der Sprecher sagte. Am Donnerstag waren wegen Schneetreibens und des knappen Enteisungsmittels 350 von rund 700 Flügen in Schönefeld und Tegel ausgefallen. Bei der Telefon-Hotline der Flughafengesellschaft seien etwa 5000 Anrufe eingegangen, achtmal so viele wie üblich.
+++ Schnee bremst Schienenverkehr in Bayern +++
Die heftigen Schneefälle haben auch den Schienenverkehr in Bayern gebremst. Schwerpunkt war der Bereich Nürnberg, es gab aber im gesamten Freistaat im Berufsverkehr Beeinträchtigungen, wie die Bahn am Freitagmorgen mitteilte. Für Nürnberg meldete die Bahn bei bis zu 50 Zentimetern Neuschnee und Schneeverwehungen Weichenstörungen und Verspätungen. Zwischen Zirndorf und Cadolzburg musste die Strecke wegen umgestürzter Bäume für zwei Stunden gesperrt werden. Wegen des Winterwetters war laut Bahn auch kein Ersatzverkehr mit Bussen möglich. Zwischen Markt Schwaben und Erding fielen wegen einer Weichenstörung in Ottenhofen Züge aus. Auch in den Städten war der Schienenverkehr gestört. In Nürnberg stellte die Verkehrs-Aktiengesellschaft den Straßenbahndienst ein. Es seien solche Schneemengen gefallen, dass derzeit nicht an einen Fahrgastbetrieb zu denken sei. Teilweise seien die Straßenbahnen auf der Strecke stecken geblieben. Auch Busse fuhren demnach nur vereinzelt. Lediglich die U-Bahnen seien planmäßig unterwegs. In Regensburg wurde am Donnerstagabend der Busverkehr aus Sicherheitsgründen eingestellt. Am Freitag starteten die Busse weitgehend normal, einzelne Gebiete konnten allerdings weiterhin nicht angefahren werden, wie die Regensburger Vekehrsbetriebe mitteilten.
+++ Schulausfall im östlichen Niedersachsen +++
Hoher Schnee auf den Straßen hat am Freitag im östlichen und südlichen Niedersachsen für Unterrichtsausfall an den Schulen gesorgt. Im Gebiet der Samtgemeinde Schöppenstedt (Landkreis Wolfenbüttel) fiel der Unterricht für alle Schüler bis zur zehnten Klasse an den allgemeinbildenden Schulen aus, wie die Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen im Internet bekanntgab. Eine Sprecherin des Landkreises sprach von „erheblichen Schneeverwehungen“, die ein Durchkommen der Schulbusse unmöglich machten. In den Orten Sickte und Cremlingen könne es wegen der Witterung zu Verzögerungen und Einschränkungen bei der Schülerbeförderung kommen. Am Donnerstag hatten dort Dutzende Schüler in ihren Schulen ausgeharrt, weil sie wegen des heftigen Schneefalls nicht mit dem Bus nach Hause kamen. In Ottenstein im Landkreis Holzminden fiel am Freitag der Unterricht an der Grundschule aus. Auch im Landkreis Helmstedt wurde wegen „der extremen Witterungsverhältnisse“ der Unterricht an allen allgemeinbildenden Schulen abgesagt. Schulfrei bekamen auch alle Vollzeitschüler der berufsbildenden Schulen. Der Fahrdienst der Lebenshilfe musste eingestellt werden.
+++ Easyjet streicht alle Flüge von Berlin +++
Das Winterwetter mit Schneefall, Kälte und gefrierendem Regen wirkt sich weiter auf den Luftverkehr in Deutschland aus.
Auf dem größten Airport des Landes in Frankfurt am Main wurden für Freitag zunächst 40 Fluge gestrichen, wie Flughafensprecher Gunnar Schenuemann sagte. Darüber hinaus sei mit Verspätungen zu rechnen.
In Berlin strich Easyjet am Freitagvormittag alle Flüge vom Flughafen Schönefeld aus. Das teilte die Fluggesellschaft am frühen Morgen mit. Grund war der Mangel an Enteisungsmitteln.
Inzwischen trafen jedoch neue Enteisungsmittel ein und die Abfertigung hat wieder begonnen. Die Flugzeuge könnten wieder enteist werden, sagte Flughafensprecher Leif Erichsen. Man rechne damit, im Laufe des Vormittags zur Normalität zurückzukehren. Die Entscheidung, ob ein Flugzeug enteist werde oder nicht, treffe der jeweilige Pilot und sei unabhängig von der Airline.
EasyJet empfiehlt Passagieren dringend, sich im Internet unter www.easyjet.com über die aktuelle Situation ihrer Flüge zu informieren. Bei Flugausfällen bietet Easyjet Fluggästen eine kostenlose Umbuchung im Internet oder die Rückerstattung des Flugpreises an.
+++ 30 Flüge in München ausgefallen +++
Am Flughafen München sind am Freitagmorgen 30 Flüge ausgefallen. Dies sei aber noch eine Auswirkung vom Vortag, sagte ein Flughafensprecher auf dapd-Anfrage. „Von unserer Seite kann jeder landen und starten.“ Beide Start- und Landbahnen seien offen. Bis zum Morgen habe es „keine großartigen Verspätungen“ gegeben. In Nürnberg fielen am Morgen drei Flüge aus, weil die Crews wegen des Winterwetters nicht rechtzeitig zum Flughafen gekommen waren, wie Sprecher Reto Manitz sagte. Zudem gebe es aus diesem Grund auch Verspätungen im Flugverkehr. Insgesamt laufe der Flugbetrieb aber weitestgehend reibungslos. Die Start- und Landebahn sei frei.
+++ Gute Aussichten für weiße Weihnachten +++
Nach dem frühen und kräftigen Wintereinbruch stehen die Chancen für weiße Weihnachten in Thüringen gut. Zwar seien Prognosen zwei Wochen vor dem Heiligen Abend noch schwierig. „Es spricht aber eine Menge dafür, dass es kalt wird“, sagte Konrad Döpke, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst. Selbst wenn dann keine Schneeflocken sanft vom Himmel rieseln sollten, so dürfte doch der bisher gefallene Schnee die Städte, Felder und Wälder zum Weihnachtsfest zieren. Dass er bis zum Weihnachtsfest wegtaut, sei unwahrscheinlich.
+++ Im Ruhrgebiet weiterhin Unfälle durch Eis +++
Nach dem Schneechaos im Land hat sich die Lage auf den Straßen Nordrhein-Westfalens bis Freitagmorgen nur wenig beruhigt. Die Landesleitstelle in Duisburg meldete noch rund 360 Unfälle auf überfrorenen Fahrbahnen, vor allem aus dem Ruhrgebiet. In Essen krachte es 14 Mal in der Nacht zu Freitag, teilte die Polizei dort mit. Es gab aber überwiegend Blechschäden. Im Sauerland sperrte die Polizei vier Straßen, weil Bäume unter der Schneelast zu brechen drohten. An Steigungen blieben zahlreiche Lastwagen bei Glatteis auf der Strecke. Flughäfen und Bahn verzeichneten am frühen Morgen keine Störungen.
+++ Fünf Stunden Stau auf A3 +++
Schnee- und Eisglätte haben auch in der Nacht zum Freitag in weiten Teilen von Hessen den Verkehr behindert. Insgesamt hat sich aber die Situation nach Angaben des Lagezentrums in Wiesbaden im Vergleich zum Vortag deutlich entspannt. Am Frankfurter Flughafen fielen lediglich 40 Flüge aus. „Die Bahnen sind absolut frei“, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. „Ich hoffe, dass heute der Tag ruhiger wird.“
Dennoch entstanden Staus auf mehreren Autobahnen. Vor allem auf der Autobahn 3 von Köln nach Frankfurt standen die Autofahrer an der Grenze zu Rheinland-Pfalz für Stunden fest. Sie wurden von Rettungsdiensten mit Decken und warmen Getränken versorgt.
EPD/dpa/dapd/AFP/lk



