Woitenko ist Chefredakteur des russischen Marine-Newsletters „Sowfracht“, auf dessen Internetseite Anfang August erstmals vom Verschwinden des Frachters die Rede war.

"Sie haben mir gesagt, dass sehr seriöse Leute hinter dieser Geschichte stecken, die wütend sind und sich rächen wollen", sagte Woitenko, der sich derzeit in Istanbul aufhält, über die Anrufer. Er werde „drei oder vier Monate“ wegbleiben, bis sich die Sache wieder eingerenkt habe. Laut Woitenko wurde seine Internetseite in den vergangenen Tagen mehrmals blockiert. „Freunde haben mich gewarnt, dass sich einflussreiche Menschen an mir rächen wollen“, sagte Michail Wojtenko.

Er sei daraufhin sofort in die Türkei geflogen. „Die ganze Geschichte riecht nach einer Geheimdienst-Operation“, meint der 51-Jährige. Wojtenko verfolgt als Herausgeber des Seeinformationsdienstes des russischen Frachtunternehmens „Sowfracht“ den Fall wie kaum ein anderer.

Die „Arctic Sea“ war Mitte August von russischen Kriegsschiffen vor Westafrika aufgegriffen worden, nachdem sie drei Wochen offiziell als vermisst gegolten hatte. Acht mutmaßliche Piraten und elf russische Seeleute wurden nach Moskau geflogen. Militärexperten vermuten, dass an Bord Marschflugkörper aus sowjetischer Produktion geschmuggelt worden sein könnten.

Das russische Außenministerium wies die Spekulationen erneut zurück. Die Behörden in Moskau handelten „transparent und im völligen Einklang mit internationalen Gesetzen“, sagte Außenamtssprecher Andrej Nesterenko.

Nach Angaben des Unternehmens „Sowfracht“ hat sich erstmals der Kapitän des Schiffes wieder gemeldet, das derzeit von der russischen Kriegsmarine in den Schwarzmeerhafen Noworossijsk geschleppt wird.

Der Seemann habe per Mobiltelefon kurz mitgeteilt, dass es ihm und drei weiteren russischen Seeleuten an Bord gut gehe, sagte ein „Sowfracht“- Sprecher. Die anderen elf Besatzungsmitglieder sind inzwischen wieder bei ihren Familien.

AFp/cor