Wäre die Daniela-Katzenberger-Show „Plötzlich Popstar“ eine Radiosendung, hätte sie durchaus Suchtpotenzial. „Kuck doch mal, wie ich aussehe“, spricht die Ex-Model-Blondine morgens um vier mit kleinen müden Augen in die Kamera: „Wie ein zugekiffter Maulwurf!“ Und ein anderes Mal gibt sie freizügig zu: „Wenn ich wirklich was will, dann kann ich nicht locker in die Kamera grinsen. Dann bin ich eine Krampfsau.“

Doch dies ist Fernsehen, und so kann man den Spaßfaktor der Show leider nicht ungetrübt genießen. Denn hier kommt das bewegte Bild dazu, und das ist oft genug gruselig. Sobald die Katzenberger, das selbsternannte Kunstwerk der plastischen Chirurgie, das erste Mal in die Kamera grinst, schaudert es den Zuschauer. Diese Augenbrauen! Diese Kunsthaare! Dieser Leder-Hautton!

Schade drum, denn erstens ist das Popsternchen ja erst 23 und hätte selbst nach den harten Gesetzen des Privatfernsehens noch einige Jährchen Zeit gehabt, bis die optische Selbstverstümmelung unvermeidbar gewesen wäre. Und zweitens bringt Katzenberger eine große Portion Selbstironie und Witz mit, den man ansonsten im Fernsehen lange suchen muss.

Zum Beispiel, als ein weiblicher Fan ihr vorschwärmt, „dass du so natürlich bist und eine von uns“. Da muss selbst Katzenberger laut lachen: „Natürlich?! Ich hab zwei Kilo Schminke drauf!“ Oder wenn sie ihren Stil vor laufender Kamera beschreibt: „Ich seh ja schon so – also billig sagt man ja nicht, aber – preiswert aus.“

Natürlich hat sich Vox auch nicht lumpen lassen und aus Katzenbergers erster Single, die in diesen Tagen erscheint, gleich ein ganzes Medienevent zusammengebastelt. Geschlagene zwei Stunden lang darf das Publikum die gebürtige Ludwigshafenerin bei ihrer Musikwerdung begleiten, von der ersten Gesangsaufnahme bis zum fertig gedrehten Video. Dabei haben auch die beteiligten Musikproduzenten und der Video-Regisseur ausführlich Gelegenheit, für sich Werbung zu machen.

Nebenbei erfahren wir, was sich Daniela vor der Musikaufnahme zum Essen wünscht (Frikadellen mit Kartoffelpüree – ach nein, doch nur Gummibärchen und ein Mineralwasser), dass sie nicht einparken kann (klar, dass dieser Blondinenwitz nicht ausbleiben durfte), und was ihre größte Angst ist: ausgelacht zu werden.

Das erzählt sie im Lauf der Show mindestens zehnmal. Denn: „Ich kann überall meine Fratze aufreißen, aber beim Singen bin ich null sicher. Ich bin ja kein Profi mit meinem Katzengejaule. Also wenn es schlecht ist, bitte nicht lachen, sonst fang ich an zu heulen.“

Nachdem am Ende der Show die Deutschlandpremiere abgefeiert ist, stehen zwei Dinge fest. Erstens: Sie wird ausgelacht werden. Lauthals. Zweitens: Trotzdem wird die Single „Nothing’s Gonna Stop Me Now“, ein Cover des 80er-Jahre-Hits von Samantha Fox, ein Erfolg werden. Und das, obwohl Katzenberger in etwa so singt, wie Soap-Darsteller schauspielern. Doch ihre Fangemeinde wird das ebenso wenig stören wie die zahllosen Trash-Medienformate, die von Leuten wie Katzenberger leben und die ihre Single ausführlich bewerben werden.

Nicht, dass sich die 23-Jährige darüber beschweren würde. „Ich bin es ja gewohnt, dass ich mehr belagert werde wie ‘ne Bahnhofshalle.“ Aber wundern wird man sich schon noch dürfen, meint sie, vor allem über den anhaltenden Erfolg ihres eigenen Cafés auf Mallorca. „Jeder zweite macht hier ein Café auf, aber bei mir stehen sie Schlange. Der Hype um meine Person wird von Tag zu Tag mehr. Es ist echt faszinierend, aber auch beängstigend.“

Kaum erstaunlich, aber dennoch äußerst nervig ist es, wenn Katzenberger hier und da ins altbewährte Weibchenschema abrutscht. „Och nööö, ich kann das nicht, ich bin einfach scheiße“, flötet sie und dreht ihrem Cafékellner Robert die weit aufgerissenen Augen zu. „Ich hab auch drei Kilo zugenommen.“

Umso erfreulicher, dass sie an anderer Stelle das Klischee des ausgehungerten Models so gar nicht bedienen mag. „Ich hab so Hunger, ich muss jetzt was essen, sonst werde ich böse“, sagt sie und lädt gleich die ganze Crew ein: „Ich brauch erst mal ‘n Hamburger, kommt ihr mit?“

Denn das wichtigste Ziel ist es schließlich, alle bei Laune zu halten und am Ende ein gutes Video zu produzieren. Es darf kein Softporno werden – „ich muss ja bedenken, dass das Video auch meine Mutter sieht! Die knallt mir ja eine, dass die Schminke runterblättert“, erklärt Katzenberger dem Regisseur. „Bei mir ist es eben ein dünnes Eis zwischen billig und sexy-elegant.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.