Nazi-Vorwürfe

Johannes Heesters singt – und schweigt

Johannes Heesters ist nach fast einem halben Jahrhundert des Boykotts wieder in seiner Heimat aufgetreten. Im Internet war im Vorfeld dazu aufgerufen worden, am Abend in Nazi-Uniformen zum Konzert zu erscheinen. Hintergrund sind Vorwürfe, Heesters verdanke seine Karriere den Nazis. Der Entertainer ging auf der Bühne nicht darauf ein.

Vor einem begeisterten Publikum in seiner Geburtsstadt Amersfoort sang der 104 Jahre alte Operettenstar etwa ein Dutzend Lieder. Bewegt bedankte er sich dafür, zu diesem Auftritt eingeladen worden zu sein.

Im Theater galten schärfste Sicherheitsmaßnahmen. Der Abend verlief ungestört. Mit kräftiger Stimme sang Heesters noch einmal Beispiele seiner Paraderollen wie „der Bettelstudent“. Auf den Streit um seine Vergangenheit ging er in seinen kurzen und launigen Bemerkungen in deutscher Sprache nicht ein. Mit den Worten „das war für mich der schönste Abend“ beendete der greise Sänger das Programm, durch das ihn seine Frau Simone Rethel begleitete.

Vor dem ersten Konzert des Entertainers Johannes Heesters in seiner Heimat seit fast einem halben Jahrhundert haben etwa hundert Menschen gegen den Künstler protestiert. Unter Anspielung auf Heesters' Karriere im nationalsozialistischen Deutschland bezeichneten sie den 104 Jahre alten Tenor auf Plakaten als „singenden Nazi“. Die Demonstration verlief zunächst friedlich. Eine antifaschistische und eine kommunistische Gruppe hatten zum Protest gegen seinen Auftritt aufgerufen. An der Demonstration beteiligten sich weniger als 100 Menschen. Auf Plakaten bezeichneten sie Heesters als „singenden Nazi“.

Der Auftritt des in seiner niederländischen Geburtsstadt Amersfoort hatte im Vorfeld für Wirbel gesorgt. Aufgrund von Aufrufen im Internet, am Abend in Nazi-Uniformen zu dem Konzert zu erscheinen, entschloss sich das De-Flint-Theater zu außergewöhnlichen Sicherheitsmaßnahmen: Sicherheitsschranken am Eingang, eine obligatorische Kontrolle der Personalien und das Verbot provokanten Verhaltens. Jedem, der in „schockierender“ Kleidung erscheine, sollte der Zutritt verweigert werden, warnte das Theater unter Anspielung auf den Internetaufruf.

Das Konzert war bereits ausverkauft – vermutlich gingen nicht alle Karten an Fans des 104-jährigen Sängers. Bei seinem letzten Auftrittsversuch in den Niederlanden vor 25 Jahren war Heesters im Amsterdamer Carré-Theater vom Publikum mit Hitlergruß empfangen und dann verjagt worden. Am Samstag zeigte die Tageszeitung „Het Parool“ den in Bayern lebenden Künstler in einer Karikatur, wie er selbst sein Publikum mit ausgestrecktem rechtem Arm begrüßt. Für den Abend war in Amersfoort aus Protest gegen den Auftritt ein Konzert mit Werken von Künstlern geplant, die in Konzentrationslagern ums Leben kamen.

Die Niederländer werfen Heesters, der 1935 nach Berlin kam und große Erfolge im Dritten Reich feierte, vor, seine Karriere den Nationalsozialisten zu verdanken. Der Sänger betont dagegen auf seiner Internetseite: „Mit der Ideologie der Nazis und ihrem Rassenwahn habe ich nie etwas anfangen können.“ Auch wenn er im Hitler-Deutschland Karriere gemacht habe, habe er sich nichts vorzuwerfen. „Ich bin und bleibe Niederländer – bis zu meinem letzten Atemzug“, schreibt Heesters. „Und mein größter Herzenswunsch wäre es, dass ich es in diesem Leben noch erleben darf, dass ich in meiner Heimat willkommen bin.“

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