Jetzt ist auch die ARD auf den Hund gekommen. Lisbeth hieß das Exemplar, das zum Auftakt der Feiern zum 40. Geburtstag der beliebten Krimireihe „Tatort“ bei dem dazugehörigen „Tatort"-Quiz durch das Studio schnüffelte. Wir wissen nicht, ob Lisbeth dasselbe roch, was der Zuschauer roch, als Moderator Frank Plasberg im behörden-grauen Anzug, aber mit grobkarierter Krawatte versuchte, den Jauch zu geben.

Ob der Hund also auch wahrnahm, wie die gute alte Tante ARD bei dem Versuch schwitzte, sein öffentlich-rechtliches Aushängeschild nach allen Regeln der Quotenkunst zu verschachern. Falls das so war, ließ es sich Lisbeth jedenfalls nicht anmerken. Sie tat das, was von einem Spürhund erwartet wurde und zog einem optisch eher unauffälligen Zuschauer im Studio ein verdächtiges Päckchen aus der Tasche, das jemand dort deponiert hatte. Es war ein unfreiwillig komisches Bild. Da versucht die ARD, sein Aushängeschild zu promoten, indem sie einen Quiz-Klassiker von RTL kopiert. Und was kommt zum Vorschein? Opium.

Das kommt also dabei heraus, wenn das Aushängeschild der öffentlich-rechtlichen TV-Unterhaltung „verquizzt“ wird. Ein mäßig unterhaltsames „Best of ...“ aus 793 Folgen „Tatort“ in 40 Jahren, das unentschlossen zwischen Trivial Pursuit, Dalli-Klick und Kindergeburtstag pendelte.

Dabei hat die Idee durchaus Charme. Der „Tatort“ ist noch immer die mit Abstand beliebteste deutsche Krimiserie - eines der letzten elektronischen „Herdfeuer“, um das sich die TV-Nation immer wieder sonntags schart. Allerdings zeigte schon die Auswahl der Kandidaten, dass es der ARD wohl eher darum ging, Luft in die Glut dieses Herdfeuers zu pusten, als dem Geburtstagskind ein würdiges Denkmal zu setzen.

Angetreten waren die Kölner ”Tatort“-Kommissare Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär, die es als Ballauf und Schenk auf die drittmeisten Einsätze (47) bringen. An ihrer Seite spielten Sabine Postel alias Hauptkommissarin Inga Lürsen (22 Einsätze), die in Bremen die meisten Assistenten der ”Tatort“-Historie verschlissen hat, und Simone Thomalla, die seit 2008 in Leipzig ermittelt.

Das gegnerische Team bestand aus Spürnasen anderer Krimis: Charlotte Schwab verkörpert in der ZDF-Reihe ”Das Duo“ seit acht Jahren die Chefin der Lübecker Mordkommission, Pierre Sanoussi-Bliss ist seit 13 Jahren wechselnden Chefs in ”Der Alte“ zu Dienst. Dem Vierbeiner ”Kommissar Rex“ kroch Gedeon Burkhard einige Jahre hinterher, und Cordula Stratmann qualifizierte sich für das Ermittler-Quiz durch ihre Rolle in dem im Frühjahr ausgestrahlten ARD-Fernsehfilm ”Ein Fall für Fingerhut“.

Raten mussten sie dann etwa, für welche Polizistenbeleidigung es die höchste Strafe gibt. Fürs Zunge rausstrecken (150 bis 200 Euro) oder bei Beschimpfungen wie ”Leck mich doch“ (300 Euro) und ”Du blödes Schwein“ (500 Euro) kommen Delinquenten noch einigermaßen glimpflich davon, richtig teuer ist das Zeigen des Mittelfingers (600 bis 4000 Euro).

Die Fragen,, welche Abkürzung im Polizeijargon tatsächlich gebräuchlich sind a) Lupo, b) Bepo, c) Dapu oder d) Pupo, waren aber so unlustig, dass sie nicht einmal die schlagfertige Komikerin Stratmann zu einem Gag inspirierten („Lupo könnte in Richtung Luftpolizei gehen ...“)

Ironie des Schicksals: Cordula Stratmann und die Kommissare von RTL und ZDF ließen die „Tatort“-Kommissare sowohl beim Wasserpistolen-Schießen auf die brennenden Kerzen der fortknox-ähnlichen Geburtstagsorte als auch beim Bilderrätseln à la „Dalli-Dalli“ („das ist doch die berühmte Karin Anselm - oder vielleicht doch Rosi Mittermeier?“) alt aussehen.

Pierre Sanoussi-Bliss tat sich besonders beim Erkennen von bekannten Ermittler-Gesichtern wie Tom Selleck alias ”Magnum“, Peter Falk (”Columbo“) oder dem Derrick-Duo Horst Tappert/Fritz Wepper hervor, die an einer großen Wand jeweils nach den Spielrunden sukzessive enthüllt wurden.

Für knifflige Fälle, suggerierte am Ende der Gesamtsieg dieses Teams, sind die erfolgsverwöhnten Quotengötter („Plasberg“) mit „Tatort“- Dienstausweis wohl zu behäbig.

Dasselbe gilt leider auch für dieses „Tatort-Quiz“. Es erklärte weder das Erfolgsgeheimnis dieser Krimireihe, noch machte es neugierig darauf, wie sich der mit Vorschusslorbeeren dekorierte Ulrich Tukur am kommenden Sonntag in seiner neuen Rolle als tumorkranker Tatort-Kommissar in Hessen schlagen wird.

Die Show erreichte ihren Höhepunkt, als ein Aston Martin ins Studio rollte. „Am Steuer sitzt James Bond“, verkündete Plasberg mit Tremolo in der Stimme. Tatsächlich handelte es sich um Oliver Mommsen. Für alle, die den „Tatort“ nicht kennen: Das ist kein x-beliebiger „Bepo“ (Bereitschaftspolizist), sondern der langjährige Assistent von Sabine Postel, besser bekannt als Bremens Tatort-Kommissarin Inga Lürsen.

Ehe schließlich insgesamt 27.000 Euro für wohltätige Zwecke zusammenkamen, und die Konkurrenz-Kommissare das ”Tatort“-Team besiegten, sollten nach den verbalen Scharmützeln tatsächlich noch scharfe Schüsse im Studio fallen.

Zu diesem Zweck trat ein Scharfschütze mit einem Gewehr Kaliber 762 auf. Er sollte vorführen, ob bei einem Schuss auf eine mit Wasser gefüllte Holzkiste diese sich nur verschiebt, explodiert oder einen Durchschuss davonträgt. Oder ob das Projektil nach Durchschlagen der Vorderfront ins Wasser fällt.

Es werde sehr laut, kündigte Plasberg an und riet einem Kameramann, zur Seite zu treten. ”Sonst wird bald eine Stelle ausgeschrieben beim WDR.“ Doch als der Scharfschütze das Gewehr angelegt hatte und sich mancher schon die Ohren zuhielt, stoppte er den Countdown und fragte in die Runde: ”Haben Sie wirklich geglaubt, wir ballern hier rum?“

Ohne Publikum hatte der Schütze sein 3000 km/h schnelles Geschoss bereits vor der Sendung losgelassen, wie ein Einspielfilm zeigte. Von der Holzkiste blieb nicht viel übrig. Der Knalleffekt im Studio blieb leider aus.