Krisen-AKW Fukushima

Tepco wirft Regierung Todesurteil für Mitarbeiter vor

Japans Regierung hat offenbar einen Antrag der Betreiberfirma Tepco abgelehnt, Arbeiter aus dem verseuchten AKW Fukushima abzuziehen. Das wird als Todesurteil gewertet.

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Der Strahlenexperte Winfried Eisenberg würdigt den Einsatz der noch verbliebenen Arbeiter. Sein Kollege Sebastian Pflugbeil spricht auch bei wieder funktionierender Kühlung von einem Schrotthaufen.

Video: Reuters
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Die japanische Regierung hat den Betreibern des stark beschädigten Atomkraftwerks Fukushima 1 einem Bericht zufolge verboten, seine Mitarbeiter von der Anlage abzuziehen.

Wie die Zeitung „Mainichi Shimbun“ am Freitag berichtete, äußerte der Energieversorger Tepco am Montag gegenüber der Regierung Sorge über die Sicherheit seiner Angestellten.

Demnach kam das Unternehmen zu dem Schluss, dass es „schwierig“ sein werde, das Kraftwerk nach den Explosionen und Bränden an den Reaktoren wieder unter Kontrolle zu bringen. Regierungschef Naoto Kan habe aber die Bitte, die Mitarbeiter abziehen zu dürfen, zurückgewiesen.

„Eine Abberufung ist unmöglich“, zitierte die Zeitung Kan. „Es geht nicht darum, ob Tepco kollabiert, es geht darum, ob Japan zusammenbricht“, soll er demnach entgegnet haben.

Ein namentlich nicht genannter Vertreter der Betreibergesellschaft sagte dem Blatt, dies bedeute, die Arbeiter sollten sich der Strahlung aussetzen und „sterben“.

In der Anlage Fukushima 1 waren bis zu dem Erdbeben vor einer Woche bis zu 5000 Menschen tätig. Offiziell hat Tepco bisher nicht erklärt, wie viele Arbeiter noch auf dem Gelände des Kraftwerks sind. Berichten zufolge sollen es etwa 70 sein.

Angst vor dem Super-Gau

Mit einem Kampf an zwei Fronten wollen die Tepco-Techniker im havarierten Atomkraftwerk Fukushima 1 die Kontrolle über die vier beschädigten Reaktoren zurückgewinnen. Einerseits soll an den Blöcken 1 und 2 eine neu verlegte Stromleitung das Kühlsystem wieder zum Laufen bringen. Das berichtete ein Sprecher der japanischen Atomsicherheitsbehörde NISA am Freitagmorgen (Ortszeit) in einer vom TV-Sender NHK übertragenen Pressekonferenz.

Der Versuch für die neue Stromanbindung der beiden Blöcke solle noch am Freitag starten. An Front Nummer zwei soll bei den Reaktoren 3 und 4 die Kühlung mit Löschhubschraubern und Wasserwerfern weitergehen. „Im Laufe des Tages“ werde die bereits am Donnerstag begonnene Aktion wieder anlaufen, sagte der NISA-Sprecher. Es gehe los, wenn die Teams so weit seien.

Am Morgen waren nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo dafür 130 Feuerwehrleute auf dem Weg zum Kraftwerk. In Block 3 ist das hochgefährliche Plutonium enthalten, in Block 4 droht das Abklingbecken voller abgebrannter Brennstäbe zu überhitzen und todbringende Strahlung freizusetzen. Die übrigen zwei Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima 1, die Blöcke 5 und 6, sind noch weitgehend stabil.

Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA vom Donnerstag gibt es dort „keine unmittelbaren Bedenken“. Die Kerne und Brennstäbe seien nicht beschädigt und die Temperatur in den Abklingbecken steige nur leicht. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo nach der Pressekonferenz unter Berufung auf die NISA berichtete, sei für Sonntag auch ein Anschluss der Reaktoren 3 und 4 an die Stromverbindung geplant.